Dietikon
Schneckenplage im Garten? Diese Enten sind die Lösung

In der Freizeitanlage Chrüzacher werden vier Laufenten zu Schneckenfressern trainiert.

Flurina Dünki
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Die Enten nach der Ankunft in Zürich Albisrieden.
11 Bilder
Dietiker Enten befreien Zürcher GZ Bachwiesen von Schnecken
Bei der Ausbildung im Dietiker Chrüzacher
Im Regenwetter gabs noch haufenweise Schnecken...
Entenheim mit Stil. Sogar Blumen schmücken das neue Zuhause.
Zu trochenes Wetter für Schnecken. Da muss der Napf für Futter sorgen.
Die Laufenten zeigen keine Anzeichen von Schüchternheit.
Kein Tierchen im Gras ist vor den Enten sicher.
Ob es hier drunter wohl Schnecken hat...
Alexandra Hobley vom GZ Bachwiesen mit ihren neuen Schützlingen.
Im Entenwohnwagen gibts entsprechende Wanddekoration.

Die Enten nach der Ankunft in Zürich Albisrieden.

Flurina Dünki

Die Esel drängen sich in den Unterstand und die sonst so vorwitzigen Ziegen lugen etwas ungläubig aus ihrer Box hervor. Wesentlich dynamischer ist die Szene, die sich um den Weiher in der Dietiker Freizeitanlage Chrüzacher abspielt. Die aufgeweichte Erde bietet den vier jungen Laufenten, die Mitte April geschlüpft sind, geradezu paradiesische Bedingungen. Hektisch wühlen ihre Schnäbel im Schlamm in der Hoffnung, auf Schnecken zu stossen, die in diesem Jahr wegen des lange Zeit garstigen Wetters im Übermass vorhanden sind.

Zu genau diesem Zweck hat Reittherapeutin Mirjam Spring die vier Leckermäuler auch aufgezogen. Auf die gefiederten Dietiker wartet ein Leben als Schneckenvertilger in der Grossstadt. Ihr Einsatzgebiet: Das Zürcher Gemeinschaftszentrum Bachwiesen in Albisrieden. Seit dieses 2014 Gemüsebeete für Quartierbewohner zur Verfügung stellt, haben die Schnecken Beute gerochen und machen sich über das Grünzeug her. «Auf Schneckenkörner können wir nicht zurückgreifen», sagt Alexandra Hobley, Verantwortliche für Bildung und Gestaltung im Bachwiesen. Zu gross sei die Gefahr, dass eines der Kleinkinder im GZ Schneckenvernichtungsmittel in den Mund bekäme. Laufenten hingegen seien ideal als Schneckenfresser.

Aufs Reisen vorbereitet

Spring übernahm die Aufzucht der quakenden Schneckenpolizisten mit Freude. Anders als die chrüzacher-eigenen Laufenten sollten die Küken, die im Alter von zwei Wochen ihr Training antraten, zu zahmen Tieren erzogen werden. «Die Enten dürfen keine Scheu vor Menschen haben, da sie an ihrem zukünftigen Wohnort dorthin laufen sollen, von wo das Glöckchen zu hören ist», sagt Spring. Dies ist nicht nur nötig, um sie abends in den schützenden Unterstand zu führen, sondern auch, damit sie freiwillig in ihrer Transportbox Platz nehmen. Denn die Enten sollen von Albisrieden aus auch andere Einsatzgebiete von räuberischen Schnecken befreien und müssen daher auf diese Reisetätigkeiten vorbereitet werden.

Und tatsächlich: Kaum betritt Spring das Gehege, laufen ihr die Enten fröhlich quakend entgegen. Wann immer die Tiere auf die Glocke reagieren, erhalten sie von der Trainerin Futter. So würden sie der Person, die bimmelt, immer hinterherlaufen, sagt Spring. Die wahren Leckerbissen sind für die Enten aber die roten Nacktschnecken, die sie wie Gourmets erst gründlich im Teichwasser wenden, ehe sie sie verspeisen. Damit die Enten tüchtige Esser wurden, mussten sie zusammen mit Hühnerküken aufgezogen werden. «Wenn den Enten niemand vormacht, dass sie picken müssen, kommen sie nicht von alleine auf die Idee», so Spring. Hühner hingegen besässen den Reflex zu picken und hätten ihre Entenkameraden nach dem Schlüpfen so zum Fressen ermuntert.

Inzwischen sind die Enten in Albisrieden angekommen. Der Umzug der drei Erpel und ihres Weibchens ist problemlos verlaufen. Nach vier Tagen fühlen sie sich in ihrem neuen Heim – mitten zwischen den Gemüsebeeten des Zürcher Gemeinschaftszentrums Bachwiesen – schon sehr wohl. Anstelle von Pfützen haben sie hier dichtes Gras, in dem sie mit Herzenslust herumwühlen. Dank ihres Trainings in Dietikon haben sie keinerlei Scheu vor Menschen, sie zeigen sogar Neugier, sobald jemand ihr umzäuntes Reich betritt. Bereits alle von den Enten bewachten Rabatte sind vermietet. «Die Anfragen für die Beete kamen so zahlreich, dass wir bereits eine Warteliste führen», so Alexandra Hobley.

Auch Interessenten für externe Einsätze der Schneckenfresser gibt es bereits einige. Vor allem Privatleute würden die Enten gerne in ihren Vorgärten einsetzen. Das Entenhäuschen wurde deshalb gleich mit Rädern versehen. So kann das Entenpaar – nur zwei der Tiere werden auch im Bachwiesen bleiben – gleich mit Haus an einen Einsatzort innerhalb des Quartiers gefahren werden. «Weil die Enten sich in einer neuen Umgebung erst eingewöhnen müssen, bleiben sie gleich einen Monat, wenn wir sie zu einem Quartierbewohner bringen», sagt Hobley.

Wer sich also wegen der Enten ans GZ wendet, muss sich überlegen, ob er sich über vier Wochen um die biologischen Schneckenbekämpfer kümmern kann. Selbst eine Patenschaft kann für die «Quartierenten», wie das Bachwiesen sie nennt, übernommen werden. Jedoch muss laut Hobley bedacht werden, dass Laufenten keine Streicheltiere sind. Kämen ihnen Kinder allzu nahe, so suchten sie das Weite. Zu ihrem Glück fehlen den Dietiker Laufenten jetzt nur noch die Schnecken – diese haben dieses Jahr den Weg ins Bachwiesen noch nicht gefunden.