Birmensdorf
Schmutzkampagne torpediert politische Ambitionen von Angelo Umberg

Der ehemalige Archivar der Gemeinde torpediert die politischen Ambitionen des Gemeindeschreibers in der Ostschweiz.

Alex Rudolf
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"Wählen Sie Angelo Umberg nicht", schreibt Alfred Tanner in einem Flugblatt, welches er an die Einwohner von Walenstadt verschickt.
«Ich kenne ihn gut genug, um mich veranlasst zu sehen, dieses Flugblatt zu schreiben», schreibt er weiter.
Angelo Umberg nimmt in einem Lesebrief Stellung zu den Vorwürfen.
Für ihn steht fest, dass es sich um einen bösartigen Flyer handelt.

Limmattaler Zeitung

Böse Überraschung für Angelo Umberg: Wohl kaum hat der Birmensdorfer Gemeindeschreiber gedacht, dass ein Schriftwechsel mit Archivar Alfred Tanner im Jahr 2011 ihn irgendwann einholen könnte. Genau dies geschah jedoch mit dem Flugblatt, welches Tanner Anfang Woche in der St.Galler Gemeinde Walenstadt in Umlauf brachte. Umberg liess sich in der 5500-Seelen-Gemeinde als parteiloser Kandidat für das Gemeindepräsidium aufstellen.

Am Sonntag in einer Woche wird gewählt. Auf dem besagten Flugblatt empfiehlt Tanner der Bevölkerung, Umberg nicht zu wählen. «Ich kenne ihn gut genug, um mich veranlasst zu sehen, dieses Flugblatt zu schreiben», heisst es darauf. Angaben dazu, warum er dies tut, macht Tanner jedoch keine, da es ihm wegen Schweigepflicht, Amtsgeheimnis und Datenschutzbestimmungen untersagt sei. «Es muss Ihnen also genügen, wenn ich mit vollem Namen und Adresse dieses Flugblatt zeichne.» Auf eine telefonische Nachfrage dieser Zeitung reagiert Tanner nicht.

Für Umberg steht fest, dass es sich hier um einen verleumderischen und bösartigen Flyer handle, wie er in einer Stellungnahme im «Sarganserländer» schreibt. Ein beinahe unverständliches Schreiben, zumal Umberg nur ein Mal in seinem Leben mit Archivar Tanner zu tun hatte, wie er auf Anfrage sagt. Tanners Unternehmen sei zur Zeit seines Antritts der Stelle als Birmensdorfer Gemeindeschreiber mit der Verwaltung des Gemeindearchivs betraut gewesen.

«Bei der Führung dieses Archivs stellten wir jedoch erhebliche Mängel fest, welche ich dem Gemeinderat nach Analyse durch eine Fachperson kolportiert hatte», wie Umberg sagt. Die Exekutive entschied daraufhin, Tanner das Mandat zu entziehen, was Gemeindepräsident Werner Steiner (SVP) gegenüber der Limmattaler Zeitung bestätigt. «Bei der öffentlichen Hand läuft es so, dass Mandate vergeben und entzogen werden – das war ein Geschäft wie jedes andere», sagt Steiner weiter.

Umberg prüft rechtliche Schritte

Diesen Beschluss teilte Umberg in der Folge Tanner schriftlich mit: «Zu einem Streit kam es jedoch nicht und gegen den Entscheid wurde kein Rechtsmittel ergriffen», so Umberg. Der Gemeindeschreiber ist jedoch derzeit dabei, rechtliche Schritte gegen Tanner und dessen Flugblatt zu prüfen.

Welche Chancen rechnet er sich nun bei der Wahl zum Gemeindepräsidenten aus? «Ich denke, die Walenstadterinnen und Walenstadter können dieses Schreiben sehr wohl richtig einordnen.» So habe er viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, die zeigen, dass solche haltlosen Anschuldigungen nicht goutiert würden.

Auf diverse Anfragen reagiert Alfred Tanner derweil nicht. Recherchen zeigen jedoch, dass die Querelen mit der Birmensdorfer Gemeindeverwaltung nicht die ersten Probleme sind, die sich Tanner mit öffentlichen Verwaltungen eingehandelt hat. So wurde er im Jahr 1998 fristlos als Schreiber der Gemeinde Elsau entlassen.

«Ausschlaggebend dafür waren seine während des Amts betriebenen und während seiner krankheitsbedingten Abwesenheit fortgesetzten Nebenbeschäftigungen und weitere Unkorrektheiten in seiner Amtsführung», wie der Gemeinderat damals in der «Elsauer Zytig» schrieb. Der Gemeinderat wie auch das Gemeindepersonal habe gegenüber Tanner in der Folge vollständig das Vertrauen verloren, heisst es weiter.

Ein weiterer Eklat ereignete sich im Jahr 2012: Mit seiner Firma Artmar verwaltete Tanner die Archive in Glarus. Dort wurde Tanners Unternehmen vorgeworfen «historische Dokumente achtlos weggeworfen zu haben», wie die «Südostschweiz» damals schrieb.