Dietikon

Schmuckdesignerin Angela Rast trägt absichtlich «offene Halsketten»

Angela Rast designt Schmuck und stimmt diesen auf die Persönlichkeit ihrer Kunden ab. Besonders wenn sie Eheringe anfertigt, will sie das Paar vorher treffen. «Ich verbinde ihre Wünsche und meinen Eindruck über sie.», erzählt Rast.

«Entschuldigung, Ihre Halskette ist offen.» Das hört Angela Rast ständig, wenn sie unterwegs ist und ihren selbst geschmiedeten Schmuck trägt. Die Schmuckdesignerin erklärt den Leuten dann, dass dies das Besondere an ihrer Kette sei. Was die meisten Fragenden nicht wissen: Hinter jedem der gefertigten Einzelstücke steckt stundenlange, teils tagelange Arbeit nach dem traditionellen Handwerk des Goldschmiedens.

Schmieden ist eine Geduldsarbeit

Ein simpler Metallstab aus Silber oder Gold wird durch ständiges Ausglühen im Feuer und Hämmern auf dem Amboss geformt und geschmiedet. Dieser Arbeitsprozess wiederholt sich abwechselnd. «Dabei geht kein Material verloren, es wird nur verdrängt», erklärt Rast und hält einen Silberstab unter die Flamme. Wie die Form des Schmuckes genau aussehen soll, wisse sie zu Beginn noch nicht genau.

Rast schmiedet ihren Schmuck aus nur einem Stück und ist eine der wenigen, die das alte Goldschmiedehandwerk noch beherrscht. Es sei wichtig, sich mit dem Stück, das sie gerade bearbeitet, auseinanderzusetzen und sich darauf einzulassen. «Die Arbeit ist meditativ und braucht sehr viel Geduld», so Rast. Sie selbst sei aber keinesfalls ein geduldiger Mensch, sie habe diese Ruhe erst mit dem Handwerk des Schmiedens erlernt.

«Etwas zur Welt bringen»

Seit die hauptberufliche Sozialpsychiaterin 17 Jahre alt ist, designt sie Schmuck. Zum Schmieden ist sie vor 25 Jahren gekommen und konnte von ihrem Onkel, einem Kunstschmied aus Deutschland, einiges lernen. Durch ständiges Ausprobieren hat sie gelernt, worauf es beim Arbeiten mit den Edelmetallen ankommt. «Es ist eine Gefühlssache. Man muss das Material fühlen», so Rast. Gerade das Ausglühen mit Feuer sei wichtig, damit das Material nicht auseinander bricht. Angela Rast geniesst es, wenn sie sich auf den Dachboden zurückziehen und schmieden kann. «Ich werde schwanger, indem ich in der Natur nach Inspirationen suche, und bringe etwas zur Welt, wenn ich einen Schmuck schmiede», erklärt Rast.

Wichtig ist der Schmuckdesignerin dabei der Kontakt zu ihren Kunden. In ihrem Schmuck widerspiegeln sich die Besonderheiten jedes Menschen, sagt Rast. Vor allem wenn sie Eheringe anfertigt, lernt sie die Menschen vorher bei einem Treffen kennen. «Ich verbinde ihre Wünsche und meinen Eindruck über sie und kreiere dann einen Ring, der auf sie abgestimmt ist», so Rast. Es habe sogar einmal ein Paar gegeben, das die Ringe selbst bei der Schmuckdesignerin zu Hause schmieden wollte.

Jeder Schmuck ein Einzelstück

Vorzeichnen kann Rast die Vorstellungen ihren Kundinnen nicht. Nur die Richtung könne in etwa bestimmt werden. Denn es werde jedes Stück wieder anders und sie könne nicht garantieren, dass es genau dem Wunsch des Kunden entspreche. «Bisher kam es aber nur zwei Mal vor, dass der Kunde den Schmuck nicht kaufen wollte», so Rast.

Besonders heraus sticht eine Serie von Ringen, die sie die Wüstenringe nennt. Auf ihrer Algerienreise hat Rast in der Wüste Gebüsche gesehen, deren Stämme ineinander verwachsen und verdreht waren. Nach demselben Muster hat Rast dann die Ringe geschmiedet. «Menschen, die einen solchen Ring kaufen, sagen, er gebe ihnen Energie», so Rast. Wichtig bei ihren Kreationen ist der Schmuckdesignerin, dass alles im Fluss ist und keine Unterbrüche zu sehen sind. Ihr geschmiedeter Schmuck sei deshalb auch etwas teurer, als gegossener. «Die meisten Leute nehmen das aber gerne in Kauf», so Rast.

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