Allein schon der Begriff «Einheitsgemeinde» geht den Gegnern gegen den Strich. Das klinge halt gut und verführerisch, sei aber in Tat und Wahrheit ein Angriff auf die Schule, hiess es am Montag in einem Leserbrief. Es ist der Ausdruck einer Fundamentalopposition. Wieso etwas Neues ausprobieren? Das Alte funktioniert doch, denken die Gegner. In der Tat hat die Urdorfer Schule einen guten Ruf – so wie viele Schulen in diesem Land.

Aber die Entwicklung der Schule könnte besser mit jener der Gemeinde abgestimmt werden, sind die Befürworter überzeugt. Sie achten darauf, nicht das Blaue vom Himmel zu versprechen. Stattdessen ist von Synergien und langfristigen finanziellen Effekten die Rede. Gegenüber einer Fundamentalopposition wirken solche Statements ziemlich blass.

Wie viel farbiger sind da doch gegnerische Ängste, dass der Gemeinderat in der Einheitsgemeinde die Schule kaputtsparen würde. Das lässt den Status quo viel verführerischer wirken. Nur geht dabei zweierlei vergessen: Erstens ist es die Pflicht des Gemeinderates, für das Wohl von Urdorf zu sorgen. Und dazu gehört auch das Wohl der Kinder in der Schule. Dieses ist nicht gewährleistet, wenn der Gemeinderat das Sparpotenzial maximal ausnutzt. Zweitens könnte das Volk den Gemeinderäten die Wiederwahl verwehren, falls diese dem Spar-Eifer verfallen sollten. Das werden die Politiker vermeiden wollen. Denn das Volk hat auch in der Einheitsgemeinde das letzte Wort. Um die Demokratie braucht man sich also keine Sorgen zu machen. Das zeigt schon der lebendige Abstimmungskampf.

Eine spezielle Rolle spielt darin die Rechnungsprüfungskommission (RPK): Mit ihrem Entscheid vom 20. April, die Einheitsgemeinde zur Ablehnung zu empfehlen, sorgte sie für Aufsehen. Nur: Die aus Schulpflegern und Gemeindevertretern bestehende Arbeitsgruppe, die die konkrete Umsetzung der Einheitsgemeinde erarbeitet hat, verzichtete in der Vorlage bewusst darauf, mögliche finanzielle Auswirkungen zu erforschen. Kein Wunder also, dass die RPK keine finanziellen Vorteile erkennen konnte. Ebenso hat sie keine finanziellen Nachteile festgestellt.

Auch die Schulgemeinde selbst gibt sich auf der Zielgeraden vor der Abstimmung Mühe: Sie will attraktiv daherkommen, hat seit Anfang August eine neue Website. Ob das ein Zufall ist? Jedenfalls ist es ein Beispiel für das Sparpotenzial, das die Einheitsgemeinde mit sich bringt: Wenn die Schule für ihren Internetauftritt die gleichen Informatik-Kapazitäten nutzen würde wie die Gemeinde, dann fiele auf der Kostenseite schon ein guter Batzen weg. Unter solchen Effizienzsteigerungen würde kein einziger Schüler leiden.

Zusammenarbeit lohnt sich auch juristisch

Die Synergien, von denen der Gemeinderat so schwärmt, existieren tatsächlich. Dabei geht es nicht nur um Finanzen, sondern auch um Kinder, deren Eltern auf externe Betreuungsangebote angewiesen sind: Sie können sich künftig bei der Einheitsgemeinde melden. Heute müssen sie je nach Alter des Kindes die Schulgemeinde oder die politische Gemeinde kontaktieren.

Auch auf juristischer Ebene wäre eine Zusammenarbeit ergiebig. Als Beispiel ein Blick zurück: Von 1999 bis 2010 zahlte sich die Urdorfer Schulpflege einen höheren Sold aus, ohne zuvor die Besoldungsverordnung entsprechend angepasst zu haben. Das war nicht ganz so schlimm, weil die Bürger diese Beträge mit den Budgets bewilligt hatten. Gleichwohl sollte die Frage erlaubt sein: Wäre dieser Lapsus, der auch von der RPK nicht bemerkt wurde, auch in der Einheitsgemeinde möglich gewesen? Dort könnte die Schulpflege in Sachen juristische Grundlagen mit den Profis der Gemeindeverwaltung zusammenarbeiten. Schliesslich hätte sie in der Einheitsgemeinde auch einen Vertreter im Gemeinderat. Diesen Gemeinderat, der das Schulressort innehat, bestimmt das Urdorfer Stimmvolk selber. In anderen Gemeinden ist das nicht der Fall: Dort entscheiden die Gemeinderäte hinter verschlossenen Türen, wer für die Schule zuständig ist. Urdorf hätte also vielen anderen Gemeinden etwas voraus, das den Stellenwert der Schule auch in der Einheitsgemeinde unterstreichen würde.

Diesem grossen Stellenwert der Bildung werde man nur mit der Schulgemeinde gerecht, hört man da die Gegner sagen. Doch mit Verlaub: Nur 5 von 26 Kantonen kennen das Modell der Schulgemeinde überhaupt noch. Und viele Kantone haben dieses Modell erst gar nie gekannt. Das allein zeigt, dass gute Schulen auch ohne Schulgemeinden möglich sind.

So sehr die Gegner der Einheitsgemeinde in der Schulgemeinde ein Bollwerk des Föderalismus sehen: Letztlich ist sie nur das Überbleibsel einer verklärten Tradition. Es ist nun Zeit, in der Gegenwart anzukommen und auch in Urdorf die Einheitsgemeinde einzuführen. Nur so kann das Volk sicherstellen, dass Gemeinderat und Schulpflege künftig verstärkt zusammenarbeiten und sich nicht mehr als Gegner, sondern als Teamkollegen sehen.

kontakt: david.egger@azmedien.ch