Westumfahrung A3
Schluss mit dem Stau: Ausbau auf sechs Fahrstreifen in Urdorf geplant

Der Bund plant, die Westumfahrung vom Limmattaler Kreuz bis Urdorf-Süd von vier auf sechs Fahrstreifen auszubauen. Gemeinde und Kanton bevorzugen eine Umnutzung der Pannenstreifen – und zwar raschmöglichst. Und dann ist da noch die Deckel-Frage.

David Egger
Merken
Drucken
Teilen
Wäre es doch immer so: Am Abend des ersten Ferienmontags, dem 17. Juli, floss der Verkehr auf der Westumfahrung in Urdorf bestens.

Wäre es doch immer so: Am Abend des ersten Ferienmontags, dem 17. Juli, floss der Verkehr auf der Westumfahrung in Urdorf bestens.

Bettina Hamilton-Irvine

Auf der Westumfahrung vom Limmattaler Kreuz bis Urdorf-Nord stockender Verkehr wegen Überlastung: So und ähnlich wird es zweimal täglich vermeldet. Oft ist es ein Rückstau, der sich aus dem Engpass beim Gubrist ergibt. Mit den drei Gubrist-Röhren ab 2025 könnte dies vorbei sein. Könnte. Denn der Bund prognostiziert, dass der A3-Abschnitt vom Limmattaler Kreuz bis zum Anschluss Urdorf-Süd im Jahr 2030 als Engpass der mittleren respektive höchsten Stufe eingestuft wird und ins Engpassbeseitigungsprogramm gehört. Will heissen: Ein Ausbau tut not.

Dies steht im Sachplan Verkehr des Bundes, dessen Strasseninfrastrukturteil derzeit überarbeitet wird. Von Ende Februar bis am 7. Juli konnten die Kantone, Gemeinden, Regionalplanungsverbände und weitere Interessengruppen Stellung nehmen zum Entwurf, der unter der Ägide vom Bundesamt für Raumentwicklung (Are) und dem Bundesamt für Strassen (Astra) erarbeitet wurde. Ein Grossprojekt: Allein der Objektteil, der die konkreten Massnahmen umfasst, ist 147 Seiten lang.

Zum Westumfahrungsengpass heisst es im Sachplan-Entwurf, dass für den Erhalt der Funktionalität ein Ausbau auf sechs Fahrstreifen geplant wird, der die Aufnahme der hohen Verkehrsbelastung verbessern würde. Heute sind es ab Urdorf-Nord zwei Fahrstreifen pro Richtung.

Stellungnahmen: Noch mehr Anliegen aus dem Limmattal

- Anschluss Dietikon: Die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) und der Zürcher Regierungsrat fordern, dass der Dietiker A1-Anschluss eine neue Verzögerungsspur in Richtung West erhalten soll.

- Anschluss Spreitenbach: Die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL), der Zürcher und der Aargauer Regierungsrat fordern, dass der Ausbau des Spreitenbacher A1-Halbanschlusses zu einem Vollanschluss in den Sachplan aufzunehmen sei. Die ZPL verweist auch auf das Verkehrsmanifest Vorwärts Limmattal von 2016.

- Anschluss Schlieren: Die ZPL fordert, dass der Autobahnanschluss Schlieren an die A1 an der Stadtgrenze zu Zürich in den Sachplan aufgenommen wird, um dessen Planung genauer aufzuzeigen.

- Achtspurig ab Wettingen: Der Aargauer Regierungsrat sagt Ja zum A1-Ausbau auf acht Spuren von Wettingen-Ost bis Dietikon und fragt, ob der Ausbau nicht gar von Neuenhof bis zum Limmattaler Kreuz gehen soll. Die ZPL ist dagegen, wäre aber allenfalls mit einer Pannenstreifenumnutzung einverstanden.

Als nächstes soll eine Projektstudie erarbeitet werden. Auch ohne diese geht man beim Bund bereits davon aus, dass der Ausbau auf dem bestehenden Trassee bewerkstelligt werden kann. Auf Anfrage betont ein Astra-Sprecher, dass es sich noch nicht um ein Bauprogramm handelt. Sondern um eine Vororientierung. Denn die Finanzierung ist noch nicht gesichert. Aber die Idee wird mit der geplanten Projektstudie immer konkreter werden.

Wenn schon, dann bitte bis Wettswil

Der Zürcher Regierungsrat weist im 17-seitigem Stellungnahmenbeschluss vom 7. Juni darauf hin, dass der kantonale Richtplan keinen Ausbau der Westumfahrung vorsieht. Man werde die Arbeiten an einer Projektstudie aber gerne begleiten. Die Regierung fragt sich, ob es sinnvoll ist, die Engpassbeseitigung auf den nördlichen Teil der Westumfahrung zu beschränken oder ob diese nicht vom Limmattaler Kreuz bis zur bis zur Verzweigung von A3 und A4 (zwischen Aescher- und Uetlibergtunnel) in Birmensdorf und Wettswil bewerkstelligt werden soll. Der Hintergrund: Der Autobahnanschluss in Urdorf-Süd wird relativ selten genutzt. «Er vermag damit das Verkehrsgeschehen auf der Autobahn nicht massgeblich zu verändern», sagt der Regierungsrat. Schon heute gebe es auch südlich davon bis zur Verzweigung von A3 und A4 eine Überlastung.

«Weiter wird zu prüfen sein, ob die angestrebte Engpassbeseitigung allenfalls zweckmässiger und schneller mit einer Pannenstreifenumnutzung erreicht werden kann», schreibt der Regierungsrat weiter. Fazit: Die Projektstudie muss unbedingt mehrere Varianten prüfen.
Noch konkreter formulierte es der Urdorfer Gemeinderat in seiner Stellungnahme vom 27. März. Vom Ausbau auf sechs Spuren sei abzusehen, die temporäre Pannenstreifenumnutzung zu Überlastungszeiten solle bereits heute raschmöglichst geprüft werden und die Engpassbeseitigung habe nicht nur bis Urdorf-Süd, sondern bis zur Verzweigung von A3 und A4 erfolgen. Gerade die Pannenstreifenumnutzung hat es der Gemeinde angetan: In Urdorf und Region werde es nicht verstanden, wieso sie auf der West- und der Nordumfahrung nicht eingeführt wird, obwohl in den letzten Jahren mehrere politische Vorstösse beim Regierungsrat deponiert wurden.

Politischer Weg: So geht es weiter

Das Bundesamt für Strassen (Astra) wertet die Rückmeldungen zu den Strassen aus und übergibt sie dem Bundesamt für Raumentwicklung (Are), das dann den Sachplan Verkehr aktualisiert und ihn dem Bundesrat zur Genehmigung vorlegt. Zudem macht das Astra das konkrete Engpassbeseitigungprogramm fertig, um es dem Bundesrat zu übergeben, der es 2018 ins Parlament bringen soll.

Zudem zeige etwa der Anschluss Aarau-Ost, dass eine solche Umnutzung funktioniere. Die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) sieht es in ihrer Stellungnahme vom 24. März gleich wie die Urdorfer: Auf keinen Fall ein Sechs-Spuren-Ausbau, auf jeden Fall eine Pannenstreifenumnutzung. Zudem die Engpassbeseitigung nicht nur bis Urdorf-Süd, sondern bis zur Verzweigung von A3 und A4.

A3-Deckel: Ein Bundesamt lieferte die Idee

Sowohl ZPL als auch Gemeinde fordern zudem, dass Massnahmen zur Minimierung von umwelttechnischen Aspekten wie Luft und Lärm in der Projektstudie zu klären sind. Konkret soll unter anderem die Machbarkeit und Wirkung von Lärmschutzmassnahmen wie etwa Lärmschutzwänden sowie eine Überdeckung der Westumfahrung geprüft werden.

Die Gemeinde verweist hierzu auch auf eine Studie des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) aus dem Jahr 2014, die südlich des Honerettunnels Potenzial für eine Wohnnutzung eines solchen Deckels sieht. Im Bereich nördlich des Eggraintunnels sieht die ZPL die Möglichkeit, den vom Kanton hier ausgeschiedenen Wildtierkorridor auch im Sachplan Verkehr des Bundes auszuscheiden. Jede Überdeckung würde zudem die Lärmsituation deutlich entschärfen. Die Gemeinde Urdorf fordert zudem, die Einschränkung der Tempolimiten und ein Verkehrsmanagement zu prüfen.

Ein zweiter Deckel-Streit?