Dietikon
Schliessung von Koenig eröffnet Chancen: Wie geht es mit Standort weiter?

Die Firma Koenig Feinstahl zieht aus – die Stadt Dietikon klärt ab, wie es mit dem Standort an bester Lage weitergeht.

Alex Rudolf
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Historisches Foto aus dem Jahr 1963: Der Hauptsitz der Dr. Ing. Koenig AG, die Vorgängerin der heutigen Koenig Feinstahl AG, mit dem markanten, mittlerweile entfernten Ritter an der Fassade. Nördlich der Gleise ist das heutige Industriegebiet Silbern zu erkennen. Im Vordergrund die Überlandstrasse.

Historisches Foto aus dem Jahr 1963: Der Hauptsitz der Dr. Ing. Koenig AG, die Vorgängerin der heutigen Koenig Feinstahl AG, mit dem markanten, mittlerweile entfernten Ritter an der Fassade. Nördlich der Gleise ist das heutige Industriegebiet Silbern zu erkennen. Im Vordergrund die Überlandstrasse.

Foto: zvg/kvt-fastening

Mit der Schliessung des Dietiker Standorts von Koenig Feinstahl verliert die Stadt eines ihrer traditionsreichen Unternehmen. Anfang Woche gab das Unternehmen bekannt, dass in Dietikon bis Frühling 2016 voraussichtlich 17 Leute ihre Arbeitsstelle verlieren, der Standort im St. Gallischen Sennwald wird deutlich redimensioniert. Dies sei sehr bedauernswert, sagt Dietikons Stadtpräsident Otto Müller (FDP). Was mit der Liegenschaft an der Lagerstrasse 10 direkt bei den SBB-Gleisen nahe dem Bahnhof nun geschehe, ist derzeit noch offen. «Der Besitzer und die Stadt sind an einer attraktiven Nutzung interessiert», so Müller weiter. Dazu wolle die Stadt das Gespräch suchen, um Optionen abzuklären.

Der Standort der Koenig Feinstahl liegt in unmittelbarer Nähe zum Quartier Limmatfeld. Der Bau einer dringend benötigten Schule für dieses Quartier auf dem Gebiet des heutigen Werkhofs ist noch immer unsicher. Gedenkt die Stadt, den Koenig-Standort zu prüfen? «Ein Kauf ist zur Zeit kein Thema», sagt Müller. Erst vor zwei Jahren habe die Stadt eine Prüfung der danebenliegenden, schon länger leerstehenden Halle vollzogen. Müller: «Diese Prüfung hatte zur Folge, dass dieser Standort nicht weiterverfolgt wurde.» Gründe dafür seien die Gebäudegrösse, dessen Lage und die Geometrie des Grundstücks gewesen.

Seit dem Jahr 1950 in Dietikon

Koenig Feinstahl blickt auf eine fast 90-jährige Firmengeschichte zurück, die sich zu einem grossen Teil in Dietikon abspielte. Ingenieur und Gründer des Unternehmens Max Koenig bot in Zürich seit 1927 Leistungen im Bereich Leichtbau an. Seinem stetig wachsenden Kundenkreis verkaufte er «Blech nach Mass». Im Lauf der Jahre erweiterte Koenig sein Portfolio um Blindnieten und Verbindungselemente. 1950 verlegte Koenig den Sitz nach Dietikon. Dreizehn Jahre später, im Jahr 1963, wurde aus dem ehemaligen Einzelunternehmen die Dr. Ing. Koenig AG.

Die 1970er Jahre standen im Zeichen der Expansion der Produktepalette. Das Unternehmen stieg in das Dichtungsgeschäft ein. Drei Jahre später folgte die Eröffnung einer Niederlassung in der Nähe von Ulm. Ende der 1980er Jahre verkaufte Hans Koenig das Unternehmen an Stephan Schmidheiny, der es zusammen mit der Debrunner AG als Debrunner Koenig Holding AG in die Nueva AG integrierte. 1992 erwarb das deutsche Handelshaus Klöckner & Co. daran die Mehrheitsbeteiligung. Im Jahr 1998 wurden die Dr. Ing. Koenig AG und die Feinstahl AG zusammengeführt. Eine erste Entlassungswelle fand im Jahr 2006 statt. Im Verlauf von 18 Monaten verloren 55 Menschen an den Standorten Dietikon und Killwangen ihre Stelle oder wurden in die Ostschweiz versetzt. Und nun ist Schluss in Dietikon: Die Währungssituation sei der Grund für die Schliessung, wie der Verwaltungsrat am Dienstag bekannt gegeben hatte. Nach dem Entscheid der Nationalbank vom vergangenen Januar könne das Geschäftsmodell so nicht mehr weitergeführt werden, hiess es.

Was geschieht mit den 17 Angestellten, die ihre Stelle in Dietikon voraussichtlich verlieren werden? Peter Greif, Leiter der regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) Dietikon, wurde bereits im Vorfeld über die Massenentlassung informiert. Er und sein Team würden Koenig Feinstahl mit dem regulären Unterstützungsprogramm bei Massenentlassungen unter die Arme greifen, sagt er auf Anfrage. Darin enthalten seien Info-Veranstaltungen über die Dienstleistungen der Arbeitslosenversicherung sowie eine Erfassung der Entlassenen in der RAV-Datenbank. So könne bereits während der Kündigungsfrist nach passenden Stellen Ausschau gehalten werden, so Greif.

Für wie viele der 17 entlassenen Mitarbeiter das RAV gar keine Anschlusslösung zu suchen braucht, steht noch nicht fest. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, würden Stellen in der Debrunner Koenig Gruppe gesucht. Die Chancen der Angestellten auf dem Arbeitsmarkt, für die keine Stelle bei der Debrunner Koenig Gruppe gefunden wird, beurteilt Greif als intakt. Die die Arbeitslosigkeit im Raum Zürich liege derzeit auf einem sehr tiefen Niveau, dies sei ein gutes Zeichen für Stellensuchende.