«Jetzt gehen wir erst recht», dachten sich Sheila und Andreas Metzler aus Bergdietikon, als sie am vergangenen Donnerstag erfuhren, dass es den Jazzclub Allmend schon bald nicht mehr geben könnte. An diesem Tag hatte die Limmattaler Zeitung berichtet, dass das beliebte Konzertlokal in Oberengstringen im Herbst 2017 schliessen wird, wenn nicht bald vier neue Vorstandsmitglieder gefunden werden. «Wir haben den Jazz in letzter Zeit etwas vernachlässigt.

Dabei hätten wir hier die Gelegenheit, interessante Neuentdeckungen zu machen», sagt Sheila Metzler, die den Jazzclub an diesem Abend zum ersten Mal besucht. «Aber», fügt Andreas Metzler an, «wir können leicht sagen, eine Schliessung sei schade, wenn wir uns selber nicht engagieren.»

Auch wenn er die Chancen als gering einschätzt, hofft Jazzclub-Präsident Martin von Aesch weiterhin, dass sich noch Freiwillige melden. Jedenfalls hatte die Veröffentlichung der Kunde vom möglichen Ende bereits positive Wirkung. «Bei mir hat sich ein Mann aus Uitikon gemeldet, der eventuell dazu bereit ist, sich im Vorstand zu engagieren», sagt von Aesch vor dem Konzert am vergangenen Samstag. Er kenne den Mann noch nicht, er sei an diesem Abend aber auch für das Konzert anwesend.

«Musiker spielen mit Leidenschaft»

Wie man sich das in Oberengstringen gewöhnt ist, kann er sich über hochkarätigen Jazz freuen. Mit dem Trompeter Mats Spillmann und dem Pianisten Pablo Held spielte zum ersten Mal ein Duo in dieser Instrumentalbesetzung auf. Das zweite Set bestreitet der Saxofonist Thomas Lüthi zusammen mit dem Bassisten Arne Huber und dem Schlagzeuger Claudio Strübi. Es ist bei weitem nicht der erste Auftritt von Spillmann im Jazzclub, auch im Publikum hat man den in Zürich wohnhaften Trompeter immer wieder angetroffen.

Er würde den Jazzclub auf jeden Fall vermissen, sagt er. «Ich habe immer gerne hier gespielt, der Raum hat eine gute Akustik.» Dass der Jazzclub in Gefahr ist, hören Ursula und Ernst Guldenschuh heute zum ersten Mal. Es ist weit über zehn Jahre her, als sie zum ersten Mal aus Zürich zum Jazzclub gefahren sind. Sie kamen immer wieder und wurden Mitglieder. «Das wäre total schade», sagt Ursula Guldenschuh.

Man habe gespürt, wie die Musiker hier immer mit Leidenschaft gespielt hätten. «Das Programm ist hervorragend», sagt Ernst Guldenschuh. «Hier haben wir immer wieder Bands gesehen, die man sonst nirgends sieht – auch nicht in Zürich.» Mit einem Lachen fügt er an: «Und dazu gab es immer noch etwas Feines zu essen.»

Stirbt der erschwingliche Jazz?

Wohl nur wenige waren dem Jazzclub über die Jahre so treu wie Claire Stiefel. Sogar als sie zwischenzeitlich nicht mehr in der Region Zürich wohnte, hat sie kaum ein Konzert verpasst. Für sie wäre das Ende des Jazzclubs schlichtweg «eine Katastrophe». «Diese sensationelle Qualität in diesem intimen Rahmen zu erleben, das ist einzigartig.» Ihre Ansprüche an guten Jazz seien hoch, und hier sei sie nie enttäuscht worden. Auch Richard Durham aus Uitikon ist erschrocken, als er die Neuigkeit aus der Zeitung erfuhr. «Mit dem Jazzclub würde einer der wenigen Orte in Zürich und Umgebung verschwinden, an dem man erschwinglichen Jazz auf höchstem Niveau sehen kann.»