25 Jahre nach der Eröffnung des Birmensdorfer S-Bahnhofs ist es so weit: Die SBB schaffen hier bis 31. Dezember 2017 ihr letztes menschliches Dienstleistungsüberbleibsel komplett ab. Der Schalterverkauf wird ersatzlos gestrichen, die Bahn wird hier nur noch mit Automaten präsent sein. Der Grund: Die Verträge der SBB mit 52 Drittverkaufsstellen laufen Ende 2017 aus. Um Geld zu sparen, haben sie diese Verträge nicht mehr verlängert. Der Service-Abbau kommt vor allem für Birmensdorf überraschend, steht er doch im Gegensatz zu früheren Beteuerungen, dass so etwas hier nicht passieren werde.

So wurde im Dezember 2008 auf einen entsprechenden Vorstoss eines SVP- und eines GLP-Politikers im Zürcher Kantonsrat hin ein 2003 abgeschlossener Vertrag zwischen den SBB und dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) publik. In diesem Vertrag legten SBB und ZVV fest, welche SBB-Standorte im Kanton Zürich und einigen angrenzenden Gemeinden der Kantone Aargau und Schwyz mit Personal bedient sein sollten. Neben den Bahnhöfen Dietikon und Schlieren ebenfalls auf der sogenannten A-Liste: der Bahnhof Birmensdorf. Doch nur ein Jahr nach Vertragsabschluss gaben die SBB bekannt, ihren Schalter in Birmensdorf zu schliessen.

Dank des grossen Engagements des einheimischen Birmensdorfer Geschäftsmanns Luc Vuilleumier wurde der Totalabbau aber verhindert: Sein Reisebüro Skyways mit Sitz am Bahnhof Birmensdorf baute 2004 das Angebot aus und wurde zu einer beliebten SBB-Schalter-Agentur. Die Limmattaler Zeitung war zum Beispiel gestern Nachmittag um 14.30 Uhr vor Ort: Innert fünf Minuten wurden am Schalter zwei Personen bedient. Von einer geringen Kundenfrequenz kann nicht die Rede sein. Das ist denn auch nicht die Begründung, auf die sich die SBB berufen.

Die SBB verweisen darauf, dass die Drittverkaufsstellen weniger als ein Prozent des gesamten Absatzes ausmachen. Die Kosten für diesen Verkaufskanal seien hoch: So zahlen die SBB den Drittverkäufern Provisionen. Ausserdem würden sie die Kosten übernehmen, die beim Ausstellen der Billette entstehen. All das summiert sich auf fünf Millionen Franken jährlich. Das entspricht sechs Promille des gesamten Betriebsaufwands von rund 8,5 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Die SBB geben über 14-mal mehr Geld für Werbung aus. Die Werbekosten sind in den letzten vier Jahren sogar um 4,7 Millionen Franken gestiegen – was also fast den fünf Millionen Franken entspricht, die nun gespart werden, indem zahlreiche Schalter und Verkaufsstellen geschlossen werden.

Wie viel Geld sie mit der Schalterschliessung in Birmensdorf allein einsparen, wollen die SBB nicht offenlegen. Das Reisebüro Skyways könnte jedenfalls eine der lukrativeren Drittverkaufsstellen gewesen sein: Denn Skyways nutzte die spezielle Konstellation auch dazu, Billette an mehrere hundert andere Reisebüros weiterzuverkaufen – was wohl so einigen Umsatz in die SBB-Kassen gespült haben dürfte. Luc Vuilleumier vom Reisebüro Skyways kann zurzeit keine Stellung nehmen, da er im Ausland weilt.

Mit Touchscreens auf Kriegsfuss

Die Schliessung des Bahnhofschalters kommt in Birmensdorf nicht gut an. So sagt beispielsweise Andrea Streif, die Präsidentin des Birmensdorfers Frauenvereins, der regelmässig Anlässe für Senioren organisiert: «Bisher habe ich nur negative Reaktionen gehört. Auch persönlich gefällt mir das nicht, denn viele stehen mit den Touchscreens der SBB-Automaten auf Kriegsfuss.» Das Bedürfnis vieler Senioren sei klar, so Streif: «Wegen der Probleme mit den Automaten bevorzugen viele ein Vis-à-vis, dem sie sagen können, welches Billett sie wollen und dieses dann auch problemlos erhalten.»

Ähnlich denkt auch Gemeinderat Paul Gähler (CVP), der das Ressort Verkehr innehat. «Das ist ein weiterer Service-public-Abbau auf dem Buckel der Älteren, die sich zum Teil nicht gewohnt sind, über das Smartphone oder an Automaten Billette zu lösen. Ich finde es ganz schlecht, dass die für sie elementare Möglichkeit des Billettkaufs am Schalter verloren geht.»

Protestiert der Gemeinderat?

Da man sehe, dass der Schalter in Birmensdorf benutzt wird, sei doch klar, dass man den Verkauf aufrechterhalten müsste, so Gähler weiter. Der Gemeinderat überlege sich derzeit noch, wie er auf den Schliessungsentscheid reagieren soll. «Wir arbeiten sicher eine Stellungnahme zuhanden der SBB aus», sagte Gähler gestern auf Anfrage. Die SBB hatten die Gemeinde am 6. September mit einem kurzen E-Mail vor vollendete Tatsachen gestellt.