NZZ-Mediengruppe

Schliessung der NZZ-Druckerei in Schlieren ist definitiv

NZZ-Druckerei in Schlieren wird im Juni geschlossen.

NZZ-Druckerei in Schlieren wird im Juni geschlossen.

Die NZZ schliesst ihr Druckzentrum definitiv. Das sei schmerzlich – aber richtig. Angestellte und Gewerkschafter sind empört.

Das Konsultationsverfahren hat nichts gebracht. Die NZZ-Gruppe hält an ihrem Entscheid fest, den sie im November angekündigt hatte; sie wird ihre Druckerei in Schlieren Mitte Jahr definitiv zumachen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Bereits am kommenden Montag werden die Verhandlungen über den Sozialplan für die 125 betroffenen Angestellten aufgenommen.

Der Chef der NZZ-Mediengruppe, Veit Dengler, spricht von einem Entscheid, der schmerzlich sei. Er sei aber «für die Zukunft der Mediengruppe richtig und wichtig». In einem Communiqué hält das Unternehmen zudem fest, dass «aus betriebswirtschaftlicher und strategischer Sicht kein anderes Szenario auch nur annäherend so zielführend ist wie die Schliessung».

Das bezweifeln die betroffenen Angestellten, die während des Konsultationsverfahrens verschiedene Vorschläge zur Rettung ihrer Arbeitsplätze eingereicht hatten (oder sich zumindest einen Aufschub bis 2018 erhofft hatten). Auch die Gewerkschaft Syndicom spricht von einem Entscheid, der jeglicher ökonomischer und publizistischer Notwendigkeit entbehre. «Er dient einzig dazu, den Profit für die NZZ-Aktionäre hoch zu halten», sagt der zuständige Regionalsekretär Dominik Dietrich. «Die Schliessung kommt zum falschen Zeitpunkt. Sie ist absolut unnötig.» Mit dem Entscheid, die «Neue Zürcher Zeitung» und die «NZZ am Sonntag» ab Mitte Jahr im Druckzentrum der Konkurrentin Tamedia zu drucken, gebe die NZZ ihre Unabhängigkeit auf.

Im Rahmen des Konsultationsverfahren hatten die Betriebs- und die Personalkommissionen der NZZ verschiedene Vorschläge eingereicht. Ein solches Verfahren ist bei Massenentlassungen gesetzlich vorgeschrieben. Der Betrieb muss die Anregungen der Mitarbeiter «zur Kenntnis nehmen und ernsthaft prüfen». Die Gewerkschaft Syndicom zweifelt daran, dass die NZZ dieser Pflicht nachgekommen ist. «Kunden, die in Schlieren drucken lassen, wurden bereits in den vergangenen Wochen über die Schliessung informiert», sagt Dominik Dietrich. Sie seien an andere Druckereien verwiesen worden. Die Betriebsschliessung sei von der NZZ-Führung offenbar nie ernsthaft infrage gestellt worden». Die NZZ spricht hingegen von einem «intensiven, transparenten Austausch» mit der Belegschaft. Nach einer sorgfältigen Prüfung der Vorschläge habe sich aber gezeigt, dass an der Einstellung des Druckbetriebes festzuhalten sei.

Dass die NZZ-Druckerei Ende Juni geschlossen wird, bedauert der Schlieremer Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin ausserordentlich. Der Verlust der Arbeitsplätze sei schmerzhaft. Er hoffe nun darauf, dass im attraktiven Areal, auf dem das Druckereizentrum steht, eine gute Nachfolgelösung gefunden werden könne.

Wie die NZZ am Dienstag mitteilte, will sie «die Folgen für die betroffenen Mitarbeiter möglichst mildern». Syndicom hat den Kampf noch nicht aufgegeben; sollten die Verhandlungen über den Sozialplan unbefriedigend verlaufen, schliesst die Gewerkschaft weitere Massnahmen nicht aus.

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