Schlieren/Dietikon
Mieter dürfen beim Imkern helfen: Die Bienen von Roger Wigger summen neuerdings auch in der Schlieremer Reitmen-Siedlung herum

Der 20. Mai ist offizieller Weltbienentag. Der Dietiker Imker Roger Wigger hält rund 100 Völker. Seinen Honig gibt es unter anderem in der Oberstadt-Bäckerei in Dietikon zu kaufen.

Virginia Kamm
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Der Dietiker Imker Roger Wigger hat seit gut einem Monat fünf Bienenkästen in der Schlieremer Reitmen-Siedlung.
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Fünf interessierte Mieterinnen und Mieter der Siedlung haben je einen persönlichen Bienenkasten und dürfen helfen, diesen zu betreuen.
Nicht alle seien über die neuen tierischen Nachbarn erfreut gewesen: «Die direkten Anwohner sind etwas erschrocken, weil Bienen an einem neuen Ort jeweils zuerst die Gegend erkunden und daher sehr aktiv herumfliegen», sagt Wigger.
Keine Berührungsängste: Wigger trägt oft keinen Schutz, wenn er bei seinen Bienen ist.
Rund 100 Bienenvölker mit 10'000 bis 40'000 Tieren hat Wigger.
Wiggers Bienen sind auf acht Standorte im Limmattal und der Umgebung verteilt.
Dem Dietiker gefällt es vor allem, draussen mit den Bienen arbeiten zu können.

Der Dietiker Imker Roger Wigger hat seit gut einem Monat fünf Bienenkästen in der Schlieremer Reitmen-Siedlung.

Britta Gut

Der Dietiker Imker Roger Wigger hat alle Hände voll zu tun: An acht verschiedenen Standorten im Limmattal und Umgebung hält er Bienen. Seit gut einem Monat befinden sich auch in der neuen Schlieremer Siedlung Reitmen fünf seiner Bienenvölker. Das besondere dort ist, dass interessierte Mieterinnen und Mieter Wigger, der auch Hauswart der Siedlung ist, beim Imkern helfen dürfen. «Ich habe eine Umfrage bei den Mietern gemacht und fünf Interessierte haben sich darauf gemeldet», erzählt der 56-Jährige anlässlich des Weltbienentags am 20. Mai. Diese haben nun je ein persönliches Bienenvolk, das sie unter seiner Anleitung betreuen. Als erstes durften sie mithelfen, die Kästen aufzustellen.

Die Bienenkästen befinden sich hinter der Reitmen-Siedlung direkt an den Bahngleisen. Nicht alle Anwohner seien erfreut gewesen, als die neuen tierischen Nachbarn eingezogen sind, sagt Wigger. «Die direkten Anwohner sind etwas erschrocken, weil Bienen an einem neuen Ort jeweils zuerst die Gegend erkunden und daher sehr aktiv herumfliegen.» Nach zwei Stunden lege sich das. Die Freude über die Bienen sei mittlerweile gross. Das besondere am Schlieremer Honig und generell am Honig aus der Agglomeration sei, dass er aromatischer ist als derjenige vom Land. «In der Agglo ist die Biodiversität oft höher als auf dem Land, wo es viele Monokulturen gibt», sagt Wigger.

Auch in Dietikon, Urdorf, Oetwil, Geroldswil, Wettingen, Altstetten und im Wiesentäli hat Wigger Bienenvölker. Rund 100 sind es insgesamt. Ein Volk zähle im Winter 10'000 bis 15'000 Tiere, im Sommer etwa 40'000, erklärt er. Die Bienenkästen befinden sich unter anderem bei Privatpersonen, die ihm den gewonnenen Honig abkaufen. Auch bei Wigger privat ist der Honig erhältlich. Zudem verschenkt er sein flüssiges Gold, das eine Mischung aus Blüten- und Sommerhonig ist, gerne, etwa an Kunden seiner Firma Huuswartservice.

2020 hat er zwei Tonnen Honig geerntet

Seit Kurzem verkauft Wigger seinen Honig ausserdem in der Dietiker Oberstadtbäckerei. «Weil die Bäckerei auf mich einen guten Eindruck machte, wollte ich den Mitarbeitern mit meinem Honig ein Geschenk machen», erzählt er. «Die Bäckerei war gerade auf der Suche nach einem Honiglieferanten und so ist die Zusammenarbeit zustande gekommen.»

2020 sei für ihn ein absolutes Rekordjahr gewesen, sagt Wigger. «Ich habe insgesamt rund zwei Tonnen Honig ernten dürfen.» Der Aufwand für sein Hobby sei gross: Jedes Bienenvolk koste pro Jahr etwa 20 Stunden Arbeit. Wigger ist dabei jedoch nicht ganz alleine. «Einige meiner 25 Angestellten helfen mir beim Imkern», sagt er. Zudem sei seine Frau für die Honiggewinnung durch eine Schleuder zuständig.

«Meistens trage ich keine Schutzkleidung, wenn ich mit den Bienen arbeite», sagt Wigger. Als er die verschiedenen Waben aus den Bienenkästen nimmt, trägt er lediglich Gummihandschuhe. Diese schützen aber nicht vor Stichen, sondern seien nur zum Schutz vor klebrigen Fingern da. Mittlerweile sei er etwas abgehärtet. Er sagt:

«Ich hatte schon Bienen in der Nase und in den Ohren.»

Am besten gefalle ihm am Imkern, dass er draussen mit den Tieren arbeiten könne, sagt Wigger, der vor sechs Jahren in Dietikon mit seinem Hobby begonnen hat. Seine Begeisterung geht allerdings viel weiter zurück: Sie wurde geweckt, als er als kleiner Junge den Nuggi unter die Honigschleuder seines Grossvaters halten durfte. «Ich schaue gerne, dass es den Bienen gut geht», sagt er. Zudem fasziniere ihn das komplexe System, das hinter einem Bienenvolk steckt:

«Die Bienen können uns einiges an Staatskunde lehren. Ohne Königin sind sie nicht gleich verloren, sie wissen sich zu helfen.»