Schlieren
«Wir haben hier wirklich Wurzeln geschlagen»: Der Abschied fällt Salvatore Zappoli nicht leicht

Im Juni 2021 kann Salvatore Zappoli, Sigrist der reformierten Kirche Schlieren, seinen wohlverdienten Ruhestand antreten. Er freut sich auf mehr Zeit für seine Hobbys, wird aber die Arbeit für die Kirchgemeinde vermissen.

Carmen Frei
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Salvatore Zappoli mit dem Taufbaum der reformierten Kirche Schlieren.

Salvatore Zappoli mit dem Taufbaum der reformierten Kirche Schlieren.

Sandra Ardizzone

Salvatore Zappoli geht in der alten Kirche in Schlieren auf und ab. Seit zehn Jahren ist er nun schon hier, hat vieles miterlebt und weiss noch mehr zu erzählen. Dieses Jahr wird er als Sigrist der reformierten Kirche pensioniert.

Bereits als 18-Jähriger kam er aus Italien in die Schweiz. Er wuchs als fünftes von neun Kindern in Piedimonte Matese in der Provinz Caserta auf. «Wir waren eine grosse Familie. Finanziell war es nicht möglich, dass sich alle lange ausbilden liessen», sagt Zappoli. Er wäre gerne an die Uni, doch diese lag 90 Kilometer entfernt. «Entweder hätte ich ein Zimmer nehmen oder hin und her fahren müssen», sagt er. Beides war zu teuer. Darum kam er für die Arbeit 1973 in die Schweiz, nach Schlieren.

«Meine beiden Schwestern arbeiteten schon hier bei Geistlich, ich fand dort ebenfalls eine Anstellung», sagt er. 38 Jahre blieb er dort, 15 Jahre davon war er auch in der Betriebsfeuerwehr. Dann schloss die Firma den Standort in Schlieren und Zappoli musste sich eine andere Stelle suchen.

Bereits früh sammelte er Erfahrungen in der Kirche

Ursprünglich wollte er Hauswart beim Stadthaus werden, doch der damalige Sigrist übernahm die Stelle und so bewarb er sich auf die frei werdende Sigrist-Stelle. «Schon in Italien war ich Ministrant bei meinem Onkel und konnte erste Erfahrungen in der Kirche sammeln», erzählt Zappoli. Der Onkel war Sigrist für zwei Kirchen. Zappoli ist nun in Schlieren auch für zwei Kirchen zuständig, für die alte und die grosse, die über ein Zwischengebäude miteinander verbunden sind.

«Ich bin katholisch. Früher wäre es nicht möglich gewesen, dass ich Sigrist in einer reformierten Kirche werde», sagt Zappoli. Heute seien die Kirchen viel offener, der Sigrist der Kirchgemeinde müsse nicht dieselbe Religion haben.

Der Kontrast war dennoch speziell. «Die katholischen Kirchen in Italien waren viel voller, viel dekorierter. Es hatte viele Figuren und Objekte. Hier ist im Vergleich alles sehr leer», findet Zappoli. Die Religion sei aber das verbindende Element. «Das Wort Gottes bleibt.»

Die Veränderungen machen sich überall bemerkbar

In den zehn Jahren hat sich einiges verändert. «Seit sechs Jahren ist das Uhrwerk automatisiert», sagt Zappoli. Auch die Heizung und die Belüftung sind automatisiert. «Zuvor haben wir das von Hand gemacht.» Er zeigt ein Bild des eindrücklichen, alten Uhrwerks. Es wurde inzwischen stillgelegt, ist aber noch vorhanden.

«Ich finde es wichtig, dass die Tradition erhalten bleibt», meint Zappoli. Das werde aber immer schwieriger. «Das Glockenläuten und den Uhrschlag mussten wir begrenzen», sagt er. Es habe immer mehr Anwohner in der Umgebung und viele, die Ruhe möchten. «Von 22 Uhr bis 7 Uhr schlagen die Glocken nun nicht, auch die Dauer beim Einläuten der Gottesdienste haben wir reduziert. Wir respektieren die Umgebung. Es ist wichtig, dass alle zufrieden sind.»

Als wichtigste Aufgabe des Sigrists sieht Zappoli den Kontakt zu den Menschen. «Gerade bei älteren Personen, die einen Ort möchten, um sich auszuruhen. Sie suchen eine Person, die zuhört und der man vertrauen kann», meint er.

«Die Person, die in die Kirche kommt, muss man richtig empfangen, sie mit einem Lächeln willkommen heissen.»

Auch der Kontakt mit dem Pfarrer sei essenziell. «Ich bereite alles für ihn vor, damit der Gottesdienst ohne Probleme stattfinden kann», sagt Zappoli. Wenn ein System nicht läuft oder ein Mikrofon spukt, dann muss er schnell reagieren. Aber Zappoli versichert: «Wir sind auf alles vorbereitet.»

Er blieb noch länger – sogar mehr als ein Jahr

Im Juni 2021 wird Salvatore Zappoli nun pensioniert. «Eigentlich wollte ich schon letztes Jahr aufhören.» Aber dann fragte die Kirchgemeinde, ob er noch länger bleiben könne und nun hört er gemeinsam mit seiner Frau auf. «Sie gehört auch zu meinem Team, wir arbeiten nun zusammen noch bis Ende Mai.» Zappoli hat seine Frau Maria bereits bei der Arbeit kennengelernt, damals noch bei Geistlich. Sie ist ebenfalls Italienerin, aber in Baden aufgewachsen. «Nun sind wir schon 45 Jahre verheiratet», sagt er.

Ihre beiden Kinder leben im Kanton Aargau. Zappolis haben zudem drei Enkelkinder. Im Moment wohnen Maria und Salvatore Zappoli gegenüber der reformierten Kirche in Schlieren, nach der Pensionierung möchten sie gerne in die Nähe der Kinder ziehen. «Aber wir werden Schlieren vermissen, wir haben hier wirklich Wurzeln geschlagen», sagt Zappoli. Er ist auch noch Hauswart vom «Stürmeierhuus», auch diese Tätigkeit wird er Mitte Jahr aufgeben.

An Hobbys fehlt es Zappoli nicht

Privat beschäftigt sich Zappoli mit Technik und Elektronik. «Ich repariere und bastle gerne», sagt er. Auch mit Computern arbeitet er viel. Nach seiner Pensionierung möchte er diesem Hobby wieder mehr Zeit widmen.

Früher war Zappoli bei der Firma Geistlich in der Fussballmannschaft als Trainer und Spieler aktiv. Nun spielt er normalerweise jeden Montag zusammen mit einigen Kollegen Fussball. «Als Plausch haben wir das oft gemacht.» Im Moment ist dies wegen Corona aber nicht möglich.

Für die Musik soll es ebenfalls Platz geben. «Ich habe in Italien intensiv Klarinette gespielt», sagt er. Später kam noch die Gitarre dazu. Damit möchte er sich wieder beschäftigen. «Aber auch mehr Zeit im Garten verbringen, auf Reisen gehen oder einfach mit meiner Frau spazieren gehen.»

Der Abschied fällt schwer

Schlieren sei ein schöner Ort und sie hätten eine schöne Zeit hier gehabt. «Es gab viele Neuzuzüger und auch viele neue Gebäude. Aber es ist immer noch ein wunderbarer Ort, wo man sich eine Zukunft aufbauen kann», sagt Zappoli. «Es ist für uns nicht leicht, von hier wegzugehen.»