Nachruf
Schlieren verliert mit Heiri Meier eine grosse Persönlichkeit

Alt Stadtpräsident Heiri Meier ist verstorben – er war über Jahrzehnte das politische Gesicht der Stadt.

Jürg Krebs
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Heiri Meier (1927-2015): Er war über Jahrzehnte das politische Gesicht der Stadt Schlieren.
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Rückblenden: Schlieremer alt Stadtpräsident Heinrich Meier verstorben
Heinrich Meier, alt Stadtpräsident von Schlieren, Zeitzeuge des 2. Weltkriegs. Er war bei Ausbruch des Krieges 12 Jahre alt.
Heinrich Meier auch als «Heiri» bekannt: Er war Stadtpräsident von Schlieren 1967 bis 1990.
Am volkstümlichen Dreikönigs-Anlass in Schlieren.
Alt Stadtpräsident Heiri Meier. Hier 77 Jahre alt. Er war dabei, als diese Flasche vor 69 Jahren neben einer frisch gepflanzten Linde vergraben wurde. Am 10. August 2004 ausgegraben, Flasche zerschlagen und Zettel herausgenommen. Das Stück Papier geht ins Ortsmuseum Schlieren.
Ein kleines Geschenk von Werner an Heiri. Werner von Aesch ( Schlieremer Chind - Cabaret Rotstift ) erhält am 29.10.2004 den ersten Kulturpreis der Stadt Schlieren die " Goldene Lilie der Stadt Schlieren". Werner von Aesch übergibt alt Stadtpräsident Heiri Meier fürs Ortsmuseum eine CD-Kollektion der Schlieremer Chind.

Heiri Meier (1927-2015): Er war über Jahrzehnte das politische Gesicht der Stadt Schlieren.

fni

Heiri Meier, der Schlieren wie kein Zweiter in der Nachkriegszeit verkörpert hat, ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 87 Jahren.

Dass Heiri Meier in Schlieren zur Institution geworden ist, hängt mit seinem enormen gesellschaftlichen und politischen Engagement zusammen. Aber auch mit seinem unglaublichen Fundus an Anekdoten und Wissen über die Stadt und ihre Bewohner. Ich habe manche eigene Recherche mit einem Anruf bei Heiri Meier gestartet, zwischendurch mit einem Kaffee am Küchentisch des Familien-Hofs oberhalb des Schulhauses Kalktarren.

In Schlieren 1927 geboren, war Heiri Meier als Landwirt buchstäblich mit seiner Scholle verbunden. Schlieren war seine Heimat, in der er in diversen Vereinen aktiv tätig war und sich zur prägenden politischen Figur entwickelte. 1962 wurde er zunächst Gemeinderat, führte die Ressorts Landwirtschaft und Polizei. Von 1967 bis 1990 amtete er als Präsident von Schlieren und wurde dadurch in der Region zum Gesicht der Stadt. Dies zu einer Zeit als deren Markenzeichen Gasometer, Wagon-Fabrik und «Cabaret Rotstift» waren.

Von der Macht der Argumente

Während Heiri Meiers langer Amtszeit mutierte Schlieren vom Dorf zur Stadt. Sinnbild dafür war die Einführung des Parlaments 1974. Meier wollte das Parlament nicht, doch als guter Demokrat akzeptierte er den Volksentscheid. Ihm, dem SVP-Vertreter, war die volkstümlichere Variante der Entscheidungsfindung – die Gemeindeversammlung – stets sympathischer. Eine «Gmeind» zu präsidieren sei die «schönste Aufgabe, die man in der Schweiz haben kann», erzählte er einmal.

Heiri Meiers politischer Stil war nicht der des Scharfmachers. Prägend dafür war in jüngeren Jahren sein Amt als Präsident des Turnvereins: «Ich musste lernen, andere mit Argumenten zu überzeugen», sagte er einmal. Seine Haltung war mit ein Grund, dass er von Freund und Feind gleichermassen respektiert wurde.

In Heiri Meiers Amtszeit geschah so vieles, was Erwähnung finden müsste, jedoch diesen Rahmen sprengen würde. Alleine die Gründungsgeschichte des Bezirks Dietikon, der Bau des Stadthauses oder der Kampf für einen unverbauten Schlieremer Berg wären eine Abhandlung wert.

Der Niedergang der Wagi

Die grösste Bewährungsprobe für den Politiker Meier war nach eigenen Aussagen die Schliessung der Wagon-Fabrik 1984 im Zuge des Niedergangs der Schweizer Industrie. 700 Personen verloren auf einen Schlag ihren Job. Es war ein Schock, der die Stadt auf Jahre hinaus lähmte. Über das Ereignis schrieb Meier: «Das Ende dieses dominanten Schlieremer Unternehmens erschütterte die Bevölkerung und die Behörden (und mich ganz speziell) wie kaum ein anderes lokales Ereignis in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.» Sein (letztlich vergebliches) Engagement für die Büezer und deren Arbeitsplätze brachte dem bürgerlichen Stadtpräsidenten den Vorwurf ein, linker zu sein als ein Sozialdemokrat. Er entgegnete mit Verweis auf sein Gewissen: Er habe nicht anders reagieren können.

Heiri Meier blieb über seine aktive politische Zeit hinaus engagiert – erst zuletzt ist es um ihn ruhiger geworden. Als Mitbegründer und Ehrenpräsident der Vereinigung für Heimatkunde beispielsweise gab er das Historische Jahrheft heraus. Einige sind seiner Autorenschaft zu verdanken. Zuletzt das Heft von 2008 mit dem einfachen Titel «Schlieren zwischen 1960 und 1990» – Heiri Meiers wichtigste politische Jahre. Mit seiner Arbeit half er das historische Wissen lebendig halten, aber auch zu sichern und der Nachwelt zu erhalten – und sie ist Teil seines Vermächtnisses.

Mit Heiri Meier ist nicht nur ein wichtiger Zeitzeuge von uns gegangen, sondern auch eine grosse Persönlichkeit.

Abdankung: Dienstag, 20. Januar, 14 Uhr, Reformierte Kirche Schlieren.