Sicherheit
Schlieren verbietet Konzertauftritt von Thompson – Juso triumphiert

Der kroatische Sänger sei eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit – die Juso Kanton Zürich jubelt.

Alex Rudolf
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Ein Lied von Marko Perković soll bei EM-Spielen der kroatischen Nationalmannschaft im Stadion gespielt worden sein.Imago

Ein Lied von Marko Perković soll bei EM-Spielen der kroatischen Nationalmannschaft im Stadion gespielt worden sein.Imago

imago/Pixsell

Der umstrittene kroatische Sänger Thompson wird am 3. September nicht in der Schlieremer Sporthalle Unterrohr auftreten. Dies teilte der Stadtrat am Freitagnachmittag mit. So verbietet er die Durchführung der kroatischen Nacht, im Rahmen derer Marko Perkovic alias Thompson hätte singen sollen. „Aufgrund der hohen Medienpräsenz und der damit einhergehenden Reaktionen erachtet der Stadtrat die öffentliche Sicherheit bei einer Durchführung des Anlasses als gefährdet“, schreibt die Exekutive. Es müsse damit gerechnet werden, dass einzelne Personen oder Gruppierungen versuchen, den Anlass zu stören, heisst es weiter.

Wie der Schlieremer Sicherheitsvorstand Pierre Dalcher (SVP) auf Anfrage sagt, seien bei der Stadt mehrere Mails von besorgten Bürgern eingegangen. «Da das Gefahrenpotenzial, welches vom Anlass ausgeht, sehr schwierig einzuschätzen ist, traf der Stadtrat unter Beratung der Zürcher Kantonspolizei diesen Entscheid», so Dalcher. Das öffentliche Interesse habe der Stadtrat höher gewichtet als das private, sagt er. Den Veranstalter Cronight habe man darüber informiert.

Zwar wurde der Entscheid aus Sicherheitsgründen gefällt, doch ist es für Dalcher wichtig zu betonen, dass dem Stadtrat die Integration am Herzen liege. «Die serbischen und kroatischen Familien leben bei uns in Schlieren friedlich zusammen – dies soll auch so bleiben», sagt Dalcher. In mehreren Liedern macht Thompson nationalistische Äusserungen und bedroht das serbische Volk mit dem Tod.

Möglichkeit auf Rekurs

Der Veranstalter Cronight war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Vor einer Woche verwies ein Sprecher aber darauf, dass sich Thompson seit den 1990er Jahren gewandelt habe und er heute über Familie und Heimat singe. Zudem müssten seine Texte in einem «historischen Kontext» betrachtet werden.

Erst Mitte Juli geriet der Auftritt des kroatischen Sängers in die Medien, nachdem die Zürcher Jungsozialisten in einem offenen Brief den Schlieremer Stadtrat zum Verbieten des Anlasses aufforderten. An dessen Konzerten komme es immer wieder zu faschistischen Demonstrationen, monierten die Juso. Weiter sei er ein Feind der demokratischen Gesellschaft.

Vor einer Woche dann sprang auch das Konzertportal Starticket ab und stellte den Verkauf von Billetts ein. Weil sich mehrere Kunden wie auch Vertriebspartner über den Anlass beschwert hatten, liess Starticket damals verlauten.

In einer Mitteilung zeigen sich die Juso erfreut. Co-Präsidentin Nina Hüsser meint zum Entscheid: «Ich bin persönlich sehr zufrieden. Schlieren hat mit diesem Vorgehen Mut gezeigt und verteidigt so demokratischen Werte», lässt sie in einem Communiqué mitteilen.

Auch Dietikon verbot Konzert

Das letzte Wort ist jedoch noch nicht gesprochen. Wie die Schlieremer Stadtschreiberin Ingrid Hieronymi auf Anfrage sagt, bleibe dem Veranstalter die Möglichkeit, Rekurs gegen den Stadtratsentscheid beim Statthalteramt Dietikon einzulegen. Dies mag zeitlich knapp erscheinen, doch Hieronymi weiss: in dringlichen Fällen könne die Standardfrist von 30 auf 10 Tage verkürzt werden. «Ob ein allfälliger Rekurs während der Sommerferien vom Statthalteramt behandelt wird, ist jedoch fraglich.» Der Entscheid des Statthalters könnte anschliessend weitergezogen werden.

Bereits im Jahr 2008 verbot der Dietiker Stadtrat ein Konzert des Sängers in der Stadthalle, da er ebenfalls eine Gefährdung von Ruhe und Ordnung befürchtete. Ein Jahr später wurde Thompson gar die Einreise in die Schweiz verweigert, da das Bundesamt für Polizei eine mögliche Verletzung des Antirassismusgesetzes vermutete.

Auch im aargauischen Aarburg wurde am Freitag bekannt, dass das Konzert eines Sängers aus dem Balkan aus Sicherheitsgründen nicht durchgeführt werden darf. Mirko Pajcin aus Serbien, besser bekannt unter dem Namen Baja Mali Knindza, hätte am 10. September in der Mehrzweckhalle auftreten sollen.