Limmattal
Schlieren und Urdorf bereiten sich bereits jetzt aufs Musikfest vor

Im kommenden Jahr steht mit dem Eidgenössichen Musikfest in Montreux ein Grossanlass für Schweizer Musikvereine an. Aus der Region nehmen bisher nur die Harmonien Schlieren und Urdorf teil.

Alex Rudolf
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An der Schlussfeier des Eidgenössischen Musikfestes im Jahr 2011 in St. Gallen wurden 170 Vereinsfahnen geschwenkt und 20 000 Musiker nahmen teil.

An der Schlussfeier des Eidgenössischen Musikfestes im Jahr 2011 in St. Gallen wurden 170 Vereinsfahnen geschwenkt und 20 000 Musiker nahmen teil.

Keystone

Noch dauert es 228 Tage bis im Juni nächsten Jahres das Eidgenössische Musikfest seine Tore in Montreux öffnet. Dass der Grossanlass ansteht, ist aber bereits jetzt spürbar. Der Musikverein Harmonie Urdorf beispielsweise sieht das heute Abend anstehende Konzert als eine Etappe der intensiven Vorbereitungen auf den Anlass.

Urs Dannenmann, Präsident des Musikvereins Harmonie Urdorf, freut sich auf die Veranstaltung: «Wir waren bereits am letzten Eidgenössischen Musikfest in St. Gallen vor vier Jahren mit dabei: Es ist eines der grössten Musik-Feste der Welt – vergleichbar mit der Weltmeisterschaft im Fussball.» Er persönlich ist bereits zum fünften Mal an einem eidgenössischen Musikfest dabei. Heute geben Dannenmann und sein Verein in der neuen reformierten Kirche einen Eindruck davon, womit sie beim «Eidgenössischen» hätten auftrumpfen wollen. Wohlgemerkt: hätten wollen. Doch dazu später.

Die Musikgesellschaften treten in zwei Kategorien an: Konzert- oder Unterhaltungsmusik und Parademusik. Jeder Verein im Konzert-Wettbewerb trägt zwei Stücke vor – ein frei wählbares aus einer Werkliste und eines das für jeden Musikverein seiner Kategorie identisch ist. Für den Parademusikwettbewerb bereitet jeder Verein zwei Stücke vor, wovon mindestens eines aus der Feder eines Schweizer Komponisten stammen muss. Die Harmonie Urdorf tritt in der Kategorie konzertante Blasmusik der zweiten Klasse an. «In der Höchstklasse finden sich Profimusiker oder hochkarätige Laienmusiker», so Dannenmann. Vermehrt Laienorchester sind ab der ersten Klasse vertreten. In dieser Kategorie wird die Harmonie Schlieren in den Wettbewerb steigen. Neben der Qualität der dargebotenen Musik spiele aber auch die Anzahl Musiker und die Vertretung der unterschiedlichen Instrumente eine Rolle, so Dannenmann. «Dies sieht man in der dritten Klasse besonders gut. Dort müssen die gespielten Stücke oft ohne Fagott oder Oboe auskommen.»

Auch Marco Lucchinetti, Präsident der Harmonie Schlieren, freut sich auf das Musikfest. «Nach unserem Jahreskonzert und der Winterpause beginnen wir mit den intensiven Vorbereitungen», sagt er. Die Musiker werden neben einem grösseren Probenpensum gar ein Übungswochenende in Andermatt verbringen. Grosse Chancen auf den Meistertitel in der ersten Kategorie rechnet sich Lucchinetti nicht aus: «In anderen Kantonen hat die Blasmusik einen viel höheren Stellenwert als bei uns in Zürich», sagt er. Eine Platzierung im vorderen Mittelfeld wäre ein Erfolg. Doch gelang es der Harmonie Schlieren in früheren Jahren einen Meistertitel ins Limmattal zu hohlen: 1976 bei der Austragung in Biel waren die Musiker siegreich in der ersten Kategorie.

Ins Auge sticht, dass die Stadtmusik Dietikon sich noch nicht für das Fest angemeldet hat. Wie Präsidentin Mirjam Peter auf Anfrage bestätigt, wird dies auch so bleiben: «Im 2016 feiert die Stadtmusik Dietikon ihr 125-jähriges Bestehen. Zur Feier sind durch das Jahr hindurch vier Hauptanlässe geplant, die viel Aufwand bedeuten», sagt sie weiter. So werde just im Juni ein Fest gemeinsam mit dem Regionalmusiktag durchgeführt und im Mai stehe das Jahreskonzert im Rahmen einer Gala samt Neuuniformierung auf dem Programm. «Für den Verein stand fest: Wenn wir teilnehmen, dann wollen wir uns auch seriös vorbereiten», sagt Peter. Wehmütig sei sie trotzdem, denn die Stadtmusik Dietikon habe schon seit längerem nicht mehr an einem «Eidgenössischen» teilgenommen.

Für den Musikverein Harmonie Urdorf ist die Ausgangslage für dieses Fest ein wenig speziell. Denn ein Stück mit dem Titel «Minimalist Dance», das sie eigentlich am Eidgenössischen als Beitrag freier Wahl spielen wollten, wurde von der Musikkommission des Verbandes abgelehnt. «Es war zu kurz und entsprach somit den Richtlinien nicht. Doch haben wir bereits Ersatz gefunden», so Dannenmann. «Moses and Ramses» werden die Musiker nach dem Jahreskonzert von Ende Januar vorzubereiten beginnen. «Die Musikkommission der Harmonie hat sich für dieses Stück entschieden, da hier die Stärken unseres Vereins gezeigt werden», so der Präsident. Die Holz- und Blechbläser können an den beschwingten Stellen und beim teils hohen Tempo zeigen, was sie können. «Bräuchte es in einem Stück beispielsweise sehr viel tiefes Blech, dann wäre dies nichts für uns, da der Verein eine relativ kleine Vertretung dieser Instrumente hat.»

Erst zehn Wochen vor Beginn des Festes wird den Vereinen ihr zweites, das Aufgabenstück, bekannt gegeben. Für alle Teilnehmer derselben Kategorie ist es jeweils dasselbe. Bisher ist nur bekannt, welcher Komponist es geschrieben hat. «Zweieinhalb Monate ist für das Einstudieren eines Stückes eine ziemlich kurze Zeit», sagt Dannenmann. Diesem Umstand ist im Vereinskalender bereits Rechnung getragen worden: «In dieser Zeit treffen wir uns nicht wie üblich ein Mal wöchentlich, sondern absolvieren jede zweite Woche eine Zusatzprobe.

Wer die Konzerte nicht abwarten kann, erhält in der neuen reformierten Kirche in Urdorf einen Vorgeschmack: Heute um 17 Uhr spielt die Harmonie Urdorf unter dem Titel «Abendmusik: Faszinierend!». Der Eintritt ist frei.

150 Juroren bewerten rund 550 Musikgesellschaften

Das erste Eidgenössische Musikfest wurde im Jahr 1864 in Solothurn durchgeführt. Unter der Schirmherrschaft des Schweizer Blasmusikverbands wird es seither grosso modo alle fünf Jahre in einer anderen Schweizer Stadt veranstaltet. Dabei handelt es sich aber nicht um blosse Konzerte, es herrscht ein Wettkampf unter den Orchestern. Von den schweizweit 1883 Musikgesellschaften haben sich deren 548 bereits für den Wettbewerb eingeschrieben, ihre Darbietungen werden von 150 Juroren aus insgesamt 15 Ländern bewertet. Gesamthaft erwarten die Organisatoren 25 000 Musizierende, die ihre Darbietungen vor rund 200 000 Festbesuchern zeigen. Von den 128 Musikgesellschaften des Kantons Zürich machen 41 definitiv mit. Die bislang einzigen Vertreter der Region sind die Harmonien von Urdorf und Schlieren. Heute läuft die Anmeldefrist für die Teilnahme am 34. Eidgenössischen Musikfest ab. Es findet vom 10. bis 12. und vom 17. bis 19. Juni 2016 in Montreux statt. Auf der Website können sich interessierte Vereine noch anmelden. (aru)