Haarige Sache
Schlieren und Dietikon suchen «Entlauserinnen»

Laustanten sind gefragt wie eh und je: Schlieren und Dietikon sind beide auf der Suche nach Frauen, «welche Köpfläuse erkennen können». Man stellt sich eine Coiffeuse oder eine Person aus dem Pflegebereich vor.

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Limmattaler Zeitung

Das Anforderungsprofil für die Stelle ist ungewöhnlich: Man stelle sich eine gelernte Coiffeuse oder eine Person aus dem Pflegebereich vor, «welche Kopfläuse erkennen kann», heisst es im Inserat. Wer diese Voraussetzungen erfüllt und 100 Stunden pro Jahr aufwenden kann, soll sich bei der Schule Schlieren melden. Diese sucht eine Gesundheitsbeauftragte Läuse, besser bekannt als «Luustante». Sie soll eine jährliche Reihenuntersuchung in den Schulen durchführen und während der restlichen Zeit auf Anfrage verfügbar sein.

Laustanten sind nach wie vor sehr gefragt – und nicht einfach zu finden. Denn auch Dietikon versucht zurzeit, die entsprechende Stelle wieder zu besetzen. «Bei uns war etwa zehn Jahre lang dieselbe Person für die Lauskontrollen zuständig», sagt Gerold Schoch, Leiter Schulabteilung Dietikon. Nun sei man wieder auf der Suche. «Es ist nicht einfach, jemanden zu finden.»

Anzahl Fälle hat nicht abgenommen

Zurzeit nicht mit diesem Problem konfrontiert ist man in Birmensdorf und Uitikon: Schon seit über zehn Jahren ist dort Rut Schäppi für die Aufgabe zuständig – gemeinsam mit einer Kollegin. Anders als in Dietikon und Schlieren führen die beiden jedoch keine regelmässigen Kontrollen durch: Sie arbeiten auf Abruf. «Es macht finanziell und zeitlich absolut keinen Sinn, alle Klassen präventiv durchzuackern», sagt Schäppi. Falls die Eltern an ihren Kindern Kopfläuse entdeckten, hätten sie eine Meldepflicht der Schule gegenüber, welche die Laustanten auf den Plan rufe, so Schäppi. «Das funktioniert gut.» Im Normalfall werde dann die Klasse des betroffenen Kindes untersucht, je nach dem auch die Klassen der Geschwister.

Wie Schäppi weiss, kommen Läuse besonders oft nach Ferien oder Lagern vor. «Nach dem Pfingstlager der Pfadi haben wir fast immer ein paar Fälle.» Der Lausbefall trete oft in Wellen auf: Nach zwei oder drei ruhigen Monaten könne wieder eine «ganz intensive Zeit» kommen, in der man regelmässig ausrücken müsse. Sicher sei jedoch eines: «Die Anzahl Fälle hat in den letzten zehn Jahren nicht abgenommen», sagt Schäppi. Dies werde sich auch in Zukunft kaum ändern: «Läuse sind so alt wie die Menschheit. Sie werden wohl nicht so schnell aussterben.»

«Fast schon ein Nervengift»

Dem kann auch Ferdinanda Pini, Leiterin des schulärztlichen Dienstes des Kantons Zürich, zustimmen. Auch aus Gesprächen mit anderen Kantonen habe sie feststellen können, dass die Anzahl Lausfälle immer etwa konstant bleibe. «Trotz riesigem Aufwand und grosser Mühe kann man die Läuse nicht fernhalten», sagt sie. «Es gibt immer wieder kleine Epidemien.»

Was sich jedoch geändert habe, sagt Laustante Schäppi, sei die Behandlungsart. Die früheren chemischen Mittel seien «sehr aggressiv» gewesen, «fast schon ein Nervengift». Ausserdem habe man mit der Zeit eine Resistenz der Läuse gegen gewisse Stoffe feststellen können. Die heutigen Mittel auf Basis ätherischer Öle verstopften den Läusen die Atemwege und töteten sie so. «Das ist effektiver und auch angenehmer für die kleinen Kinder», sagt Schäppi.

Tatsächlich sind vor allem jüngere Kinder von Läusen betroffen, wie auch Brigitte Achermann weiss, die seit 13 Jahren als Laustante für die Schulen in Oetwil und Geroldswil zuständig ist. Theoretisch würde sie auch die Oberstufe Weiningen abdecken. «Doch dort hatten wir in den letzten 13 Jahren nur einen einzigen Fall», erzählt sie. «Die Oberstufenschüler stecken halt einfach die Köpfe nicht mehr so zusammen.»

Lästig, aber harmlos

Denn Läuse verbreiten sich fast ausschliesslich über Kopf-zu-Kopf-Kontakt. Trotzdem scheinen laut Achermann gewisse Kinder öfter befallen zu werden: «Afrikanische Kinder zum Beispiel haben weniger oft Läuse. Das liegt wohl an der Haarstruktur.»

Doch treffen kann der Lausbefall generell alle, unabhängig von Alter und Art der Haare. Grund zur Panik besteht aber nicht, wie die Leiterin des schulärztlichen Dienstes, Ferdinanda Pini, betont: «Läuse sind lästig – aber eine harmlose Geschichte.»