Schlieren
Jungunternehmen kehren Sony-Gebäude den Rücken ‒ neuer Standort wird das ehemalige Zühlke-Gebäude

Diesen Sommer eröffnet das Institut für Jungunternehmen (IFJ) seinen neuen Sitz im ehemaligen Zühlke-Gebäude an der Wiesenstrasse.

Alex Rudolf
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Der ehemalige Zühlke-Hauptsitz an der Schlieremer Wiesenstrasse wird umgenutzt in einen Start-up-Space. Federführend ist das Institut für Jungunternehmen (IFJ).

Der ehemalige Zühlke-Hauptsitz an der Schlieremer Wiesenstrasse wird umgenutzt in einen Start-up-Space. Federführend ist das Institut für Jungunternehmen (IFJ).

Bild: zvg

Der violette Schriftzug des Schlieremer Traditionsunternehmens Zühlke ist schon lange von der Fassade des markanten, weissen Gebäudes verschwunden. Bald erhält es ein zweites Leben: Diesen Sommer bezieht das Institut für Jungunternehmen (IFJ) den Bau an der Wiesenstrasse 10A. Bis dahin wird er umfassenden Sanierungs- und Umbauarbeiten unterzogen.

«Im Rahmen des neuen Start-up- und Innovationszentrums werden wir einen Veranstaltungssaal für rund 350 Personen sowie 400 Arbeitsplätze für mehr als 60 Unternehmen zur Verfügung stellen», sagt André Brühlmann, Co-CEO des IFJ. Dies entspricht einem beträchtlichen Wachstum gegenüber dem heutigen Start-up-Space an der Wiesenstrasse 5. Im dortigen Sony-Gebäude beim Bahnhof stellt das Institut heute 80 Arbeitsplätze zur Verfügung. Das Unternehmen führt weitere Standorte in Lausanne und St.Gallen.

Für 400 Franken monatlich ist man dabei

Die Fläche ist am neuen Standort viel grösser. Stehen heute rund 1500 Quadratmeter zur Verfügung, werden es ab Sommer gut 4000 sein. Bereits rund die Hälfte der Fläche ist vermietet, wie Brühlmann sagt. Für einen Arbeitsplatz samt Möblierung mit Internetzugang, Concierge-Service und Reinigung werden rund 400 Franken monatlich fällig. Wie viel Geld die Umbauarbeiten kosten, will Brühlmann zwar nicht sagen. Doch handle es sich um mehrere Millionen Franken. Da das Gebäude bereits dreissigjährig sei, müsse an manchen Stellen nachgerüstet werden.

Ist der Zeitpunkt für eine Büroflächen-Expansion nicht verfehlt? Immerhin gilt noch immer die Homeofficepflicht und zahlreiche Unternehmen haben gemerkt, dass die Arbeit von zu Hause aus auch funktioniert. Brühlmann verweist darauf, dass man sich bereits vor der Pandemie entschied, auf feingliedrige Büroräume zu setzen. «Wir überlegten uns bereits bei der Planung, ob wir Wände herausreissen sollten, um Flächen zu vergrössern. Glücklicherweise entschieden wir uns dagegen. Der grösste Büroraum, den wir anbieten, ist für zwölf Personen konzipiert, der kleinste für zwei», sagt er.

Für die Verpflegung im hauseigenen Restaurant sorgt die Stiftung Arbeitskette, die auch das Stürmeierhuus betreibt. So werden Menschen mit Beeinträchtigung Arbeits- und Ausbildungsstellen geboten. «Uns, die im Start-up-Bereich tätig sind, ist bewusst, dass wir in einem privilegierten Umfeld arbeiten. Mit einer Zusammenarbeit mit der Arbeitskette wollen wir etwas zurückgeben», so Brühlmann.

Albert Schweizer: «Für den Wirtschaftsstandort Schlieren ist dieses Projekt des IFJ etwas Grossartiges»

Schlieren erhält somit innert kürzester Zeit zwei Hallen für unterschiedlich grosse Anlässe. Zusätzlich zu jener des IFJ für rund 350 Personen eröffnete auf dem Areal der ehemaligen NZZ-Druckerei, genannt JED, eine weitere Halle ihre Tore. Dort haben sogar bis zu 800 Personen Platz. Aus der Sicht von Brühlmann macht dies durchaus Sinn, da man unterschiedliche Bedürfnisse bediene. «Allein die Kapazitäten machen nur unterschiedlich grosse Veranstaltungen möglich», sagt er.

Wäre es nach den Plänen der Stadt gegangen, wäre derzeit noch eine weitere Halle in Planung. Aber 2018 stimmte das Schlieremer Volk deutlich gegen einen Kredit für einen Architekturwettbewerb für eine Stadtsaal auf dem Kulturplatz gleich beim Zentrumskreisel. Für den Standortförderer Albert Schweizer steht fest, dass weder der IFJ-Saal noch der JED-Saal ein Stadtsaal ersetzen kann. «Für den Wirtschaftsstandort Schlieren ist dieses Projekt des IFJ dennoch etwas Grossartiges», sagt er. Die Stadt werde diese Räumlichkeiten bei Gelegenheit ebenso nutzen wie jene im JED. «Dem Ziel, die Start-up-City Nummer eins der ganzen Schweiz zu werden, kommt Schlieren mit diesem Projekt einen grossen Schritt näher», so Schweizer.

Der Bezug des Gebäudes findet bereits diesen Sommer statt. Dann will Brühlmann für die Bevölkerung einen Tag der offenen Tür ausrichten, was wegen der Coronaregeln schwierig werden könnte. Im September soll aber die Preisverleihung der Top 100 Schweizer Jungunternehmen im neuen Gebäude stattfinden – das wäre dann die eigentliche Einweihung.