Als Patrizia Dreyer nach Spielende an ihm vorbeiging, konnte sich Trainer Robert Tonic einen Spruch nicht verkneifen. Sie wisse ja, wo das Tor stehe, meinte er zu seiner Spielführerin. Dreyer lachte und erwiderte: «Marina weiss eben, wo ich hinlaufe.»

Der Dialog der beiden bezog sich auf die entscheidende Szene des Spiels vom Mittwochabend. In der 40. Minute waren die Schlieremerinnen im Angriff als Marina Radulovic mit einem klugen Pass in den Strafraum nicht nur die Aarauer Defensive überwand, sondern auch Dreyer fand. Der Schlieremer Captain stand plötzlich frei vor Laura Schneider und schoss den Ball an der chancenlosen Aarauer Torhüterin vorbei in die Ecke. Die Limmattalerinnen führten, und das gegen Aarau, das in der Nationalliga B an der Tabellenspitze steht.

Dreyers Tor war ein Dämpfer für die Offensivbemühungen der Gäste, die bis zu diesem Zeitpunkt mehr Torgefahr ausgestrahlt hatten. Plötzlich war das Spiel deutlich ausgeglichener, vor allem in der zweiten Halbzeit, als die Schlieremerinnen mit ihren Angriffen die favorisierten Gäste ein ums andere Mal in Verlegenheit brachten. So hätte Katharina Wistel gleich zweimal einen Querpass in den gegnerischen Strafraum zum wohl vorentscheidenden 2:0 für die Limmattalerinnen nutzen können. Und auch die eingewechselte Hakime Ismaili vergab zweimal allein vor Schneider.

Doch auch Aarau blieb gefährlich. So setzte die stark spielende Antje Notter den Ball aus kurzer Distanz über das Tor, und in der Nachspielzeit musste Schlierens Torhüterin Sibylle Schmitter vor der heranstürmenden Julia Höltschi retten. Es war die einzige nennenswerte Szene, der Aarauer Topskorerin, die mit 17 Treffern in der bisherigen Saison Platz 1 in der Torschützenliste belegt.

Richtig turbulent wurde es dann nochmals in der vierten Minute der Nachspielzeit. Erst schoss Aaraus Torhüterin Schneider bei einem Befreiungsschlag Dreyer an. Der Ball prallte von der Schlieremerin beinahe ins Tor der Gäste. Und dann kam Aaraus Mara Gloor im Schlieremer Strafraum plötzlich völlig frei zum Kopfball, verfehlte das Tor aber knapp. So blieb es am Ende beim Erfolg für Schlieren.

Tonic warnt vor Abstiegsrunde

«Dieser Sieg war nicht geplant. Wir haben gegen das Team gewonnen, das die beste Stürmerin in seinen Reihen hat und am wenigsten Gegentore zulässt. Aber leider haben wir in anderen Spielen unnötig Punkte abgegeben», sagte Tonic nach dem Schlusspfiff. Der Schlieremer Coach spielte damit auf die Partien der Schlieremerinnen gegen St. Gallen und Thun an, als man jeweils geführt hatte, den Sieg aber nicht festhalten konnte. «Hätten wir die Punkte geholt, könnten wir womöglich um den Aufstieg mitspielen», meinte Tonic. Die Aufstiegsspiele waren das grosse Ziel der Schlieremerinnen zu Saisonbeginn.

Auf die Aufstiegsplätze haben die Limmattalerinnen nun jedoch sechs Punkte Rückstand und können diese auch mit einem Sieg in der letzten Partie der regulären Saison nicht mehr erreichen. Stattdessen werden sie die Abstiegsrunde bestreiten. In dieser Runde spielen sie gegen die anderen sieben Mannschaften, die es nicht auf einen der beiden Aufstiegsplätze geschafft haben, jeweils eine Partie. Danach wird abgerechnet. Die beiden Tabellenletzten steigen ab. Das wären momentan Kloten als Tabellenschlusslicht und Football Féminin Chênois GE als Vorletzter. Auf die Westschweizer haben die Schlieremerinnen zwar zehn Punkte Vorsprung, doch für Tonic wird die Abstiegsrunde kein Selbstläufer: «Wir müssen drei Spiele gewinnen, um die Liga sicher zu halten.»

Immerhin können Tonic und seine Spielerinnen sich in der Abstiegsrunde über einen kleinen Vorteil freuen. Schlieren steht nämlich momentan auf Platz 5 und kann selbst bei einer Niederlage am nächsten Wochenende höchstens noch auf den sechsten Platz zurückfallen. Und die Teams, die auf den Rängen 3 bis 6 klassiert sind, haben in der Abstiegsrunde ein Heimspiel mehr. Bevor es so weit ist, steht aber noch die letzte Partie am Samstag an – gegen Aïre-le-Lignon. Tonic hofft, dass sein Team den Schwung aus dem Spiel gegen Aarau mitnimmt und mit einem positiven Resultat aus der Romandie zurückkehrt. Es würde den Limmattalerinnen zusätzlichen Schub für die Abstiegsrunde geben.