Schlieren
Sogar zersägte Tore konnten die Schlieremer Fussballpioniere nicht stoppen

Allen Widerständen zum Trotz wurde vor 100 Jahren der FC Schlieren gegründet. Seither hat der Verein so manche Geschichte geschrieben – auf und neben dem Platz.

Sandro Zimmerli
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Startschuss: 1921 wurde der FC Schlieren aus der Taufe gehoben.

Startschuss: 1921 wurde der FC Schlieren aus der Taufe gehoben.

Bild: zvg

Einfach hatten sie es nicht, die fussballbegeisterten jungen Männer in Schlieren. Bereits 1911 jagten sie dem runden Leder nach. Trotzdem sollte es noch zehn Jahre dauern, ehe der FC Schlieren aus der Taufe gehoben werden konnte. Bis es so weit war, galt es für die Fussballer, noch einige Hürden zu überwinden.

So zum Beispiel im Jahr 1918, als mit einem Freundschaftsspiel die Vereinsgründung gefeiert werden sollte. Alles war bereit, eine Wiese mit zwei Toren war zu einem Fussballfeld hergerichtet. Doch das Freundschaftsspiel und damit auch die Vereinsgründung fielen Vandalen zum Opfer. In der Nacht vor dem grossen Tag zersägten Unbekannte – gemunkelt wurde, dass es sich um Mitglieder des Turnvereins handelte – die Tore. Drei Jahre später stand der Vereinsgründung dann nichts mehr im Wege. Am 21. März 1921 erblickte der FC Schlieren unter Präsident Emil Wild das Licht der Welt.

500 Franken betrug die Jahresmiete für den ersten Sportplatz

Seither hat der Verein so manche Geschichte geschrieben, auf und neben dem Feld. Seine Heimspiele trug der FCS damals auf dem bescheidenen Sportplatz Am Kanal aus, einer Wiese zwischen der heutigen Rietbachstrasse und der Bahnlinie, wie der Chronik zum 75. Geburtstag des Vereins zu entnehmen ist. 500 Franken betrug die Jahresmiete für den Platz. Das belastete den Verein enorm. Über die sportlichen Leistungen in den Anfangsjahren des FC Schlieren ist kaum etwas bekannt. Sicher ist, dass sich der zweitälteste Limmattaler Fussballverein nach dem 1908 gegründeten FC Dietikon im Jahr 1922 dem nationalen Verband anschloss und fortan am regulären Meisterschaftsbetrieb teilnahm.

Holprig: Bis 1948 spielte der FC Schlieren auf dem Sportplatz Am Kanal, einer Wiese zwischen der heutigen Rietbachstrasse und der Bahnlinie.

Holprig: Bis 1948 spielte der FC Schlieren auf dem Sportplatz Am Kanal, einer Wiese zwischen der heutigen Rietbachstrasse und der Bahnlinie.

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Seine erste Jugendmannschaft gründete der FC Schlieren 1932. Prägender für den Verein waren in jenen Jahren aber der dramatische Mitgliederschwund und die schwierige finanzielle Situation. 1933 zählte der FC Schlieren noch 18 Aktive, 15 Junioren, 75 Passive sowie zwei Ehrenmitglieder. Noch düsterer präsentierte sich die finanzielle Lage. Sie war derart schlecht, dass die Lizenzen und die Versicherungen nicht mehr bezahlt werden konnten und deshalb ein Stundungsgesuch an den Verband gerichtet werden musste. Rettung sollte eine Fusion mit dem FC Engstringen bringen. Allerdings hatte der Anfang 1934 erfolgte Zusammenschluss nicht einmal ein Jahr Bestand.

Die Spieler des FC Schlieren wurden zu Blockadebrechern

Trotzdem ging es mit dem FC Schlieren allmählich wieder aufwärts. Auch die Weltkriegsjahre überstand der Verein unbeschadet, obschon viele Mitglieder im Aktivdienst weilten und der Spielbetrieb dadurch arg eingeschränkt war. Nach Kriegsende 1945 stieg die 1. Mannschaft sogar erstmals in die 2. Liga auf. Allerdings ging es nach einer Saison gleich wieder runter.

Wesentlich bedeutender war im Jahr 1946 jedoch ein anderes Ereignis. Am 15. September war der FC Schlieren zu Gast in Villingen im Schwarzwald und trug dort ein Freundschaftsspiel gegen das heimische Team aus. Die Limmattaler waren damit wohl die erste Mannschaft weltweit, die nach dem Krieg für ein Spiel zu Besuch in Deutschland weilte. In den Medien wurden die Schlieremer dafür als «Blockadebrecher» gefeiert. Wie die Partie ausging, darüber schweigen die Chroniken.

Historischer Handschlag: Der Kapitän des FC Schlieren (rechts) wird 1946 von Vertretern des FC Villingen vor dem Freundschaftsspiel begrüsst.

Historischer Handschlag: Der Kapitän des FC Schlieren (rechts) wird 1946 von Vertretern des FC Villingen vor dem Freundschaftsspiel begrüsst.

Bild: zvg

Besser dokumentiert sind die folgenden Reisen, die der FC Schlieren nach Deutschland unternahm. In Plochingen in Württemberg trug der FCS 1947 ein Freundschaftsspiel aus. Es ging mit 1:3 gegen den FV Plochingen verloren. Auch diese Partie, die von 1500 Zuschauern verfolgt wurde, war geschichtsträchtig, wie ein Ausschnitt aus einer Württembergischen Zeitung in der Vereinschronik der Schlieremer dokumentiert. Die Limmattaler waren die ersten Schweizer Sportler nach Kriegsende, die in Württemberg auftraten.

Bedeutsam waren die Jahre 1946 und 1947 für den FC Schlieren noch aus einem weiteren Grund. Der Ruf nach einem neuen Sportplatz wurde endlich erhört. Mit der Stadt Zürich konnte ein Vertrag über die Benutzung des Platzes östlich der Nordrampe der Überführung Engstringerstrasse abgeschlossen werden. Ein Jahr später bewilligte die Gemeindeversammlung einen Kredit über 75'000 Franken für den Bau eines Garderobengebäudes und einer kleinen Zuschauertribüne.

Regionalmeister: Der FCS war 1969 das beste Zürcher 2.-Liga-Team

Auch auf dem Feld lief es in den folgenden Jahren rund. In der Saison 1949/1950 schaffte der FC Schlieren erneut den Aufstieg in die 2. Liga. Vier Jahre später ging es dann aber wieder runter. Erst 1964 schnupperten die Schlieremer wieder an der 2. Liga. Doch das Entscheidungsspiel um den Aufstieg ging gegen Wädenswil mit 0:3 verloren. Ein Jahr später klappte es dann aber doch. In den Aufstiegsspielen wurden Einsiedeln mit 4:1 und Engstringen mit 3:1 bezwungen.

Vier Jahre später folgte dann der bislang grösste sportliche Erfolg des FC Schlieren. 1969 wurde die 1. Mannschaft Zürcher Regionalmeister der 2. Liga. Mit dem Aufstieg in die 1. Liga sollte es allerdings nichts werden. Die beiden Kontrahenten in den Aufstiegsspielen, Widnau und Rorschach, waren zu stark für die Limmattaler.

Regionalmeister 1969: Das war der bislang grösste Erfolg der Schlieremer Herren.

Regionalmeister 1969: Das war der bislang grösste Erfolg der Schlieremer Herren.

Bild: zvg

Trösten konnten sich die Spieler und weitere Vereinsmitglieder ein Jahr später auf einer besonderen Reise. Während dreier Wochen ging es über Teheran, Bombay, Bangkok, Hongkong nach Singapur und von dort über Colombo und Istanbul zurück in die Schweiz. Höhepunkt der Reise, die von 124 Personen angetreten wurde, war ein Freundschaftsspiel gegen eine Ceylon-Auswahl vor 11'000 Zuschauern. Die Partie entschieden die Gastgeber mit 2:0 für sich.

Sportlich lief es dem FC Schlieren im folgenden Jahrzehnt ganz gut. Die 1. Mannschaft belegte in der 2. Liga immer wieder vordere Plätze. Höhepunkt jener Jahre war aber die Gründung der Frauenabteilung 1979, die noch für einige sportliche Glanzlichter sorgen sollte. Sportlich weniger erfreulich gestaltete sich der Start ins neue Jahrzehnt für die Männer. 1981 mussten sie den Gang in die 3. Liga antreten.

Meilenstein: 1979 wurde die Frauenabteilung des FC Schlieren gegründet.

Meilenstein: 1979 wurde die Frauenabteilung des FC Schlieren gegründet.

Bild: zvg

Gute Nachrichten gab es dafür an einer anderen Front. 1982 übernahm Urs Hügli das Vereinspräsidium. Noch im selben Jahr konnte der FC Schlieren seinen neuen Platz auf dem Zelgli einweihen. Bis heute ist der Verein dort heimisch. Auch sportlich ging es wieder aufwärts. Mit Rolf Mazzurana an der Seitenlinie, der schon die erfolgreichen 1960er-Jahre als Spieler mitgeprägt hatte, stiegen die Herren 1986 wieder in die 2. Liga auf. Die Freude währte allerdings nur kurz. Ein Jahr später ging es wieder runter.

Die Frauen schafften 2008 Historisches

Sportliche Höhepunkte waren in den nächsten Jahren rar gesät. Dafür ging auf der Sportanlage einiges. 1991 gastierte der FCZ auf dem Zelgli anlässlich des 70. Geburtstags des FC Schlieren. Bis 1996 wurden auf der Anlage zudem eine Beleuchtung sowie die Plätze 2 und 3 in Betrieb genommen. Bald darauf trug die 1. Mannschaft der Herren dort 4.-Liga-Heimspiele aus. Denn das ambitionierte Team musste in der Saison 2000/2001 böse unten durch. Die Folge war der Abstieg aus der 3. Liga. Ein Jahr später kehrte man jedoch wieder dorthin zurück.

Wesentlich erfolgreicher waren da die Frauen des FC Schlieren. Die kontinuierliche Entwicklung zeigte immer mehr Früchte und gipfelte 2008 im erstmaligen Aufstieg in die Nationalliga A und ein Jahr später in der Qualifikation für den Cupfinal. Dieser ging dann jedoch mit 0:8 gegen Rot-Schwarz Thun verloren. Zudem stiegen die Schlieremerinnen nach nur einer Saison wieder in die Nationalliga B ab. 2011 schafften sie noch einmal den Aufstieg in die höchste Spielklasse, stiegen aber erneut nach nur einem Jahr wieder ab. Seither konnten sich die Schlieremer Frauen in der NLB halten.

Historisch: 2008 schafften die Frauen erstmals den Aufstieg in die Nationalliga A.

Historisch: 2008 schafften die Frauen erstmals den Aufstieg in die Nationalliga A.

Bild: Ruedi Burkart

Ebenfalls 2011 konnte der neue Kunstrasen auf dem Zelgli eingeweiht werden. Die 1. Mannschaft der Herren spielte da immer noch in der 3. Liga. Bis zu ihrem nächsten Aufstieg mussten sie sich noch etwas gedulden. 2014 war es dann aber so weit. Der FC Schlieren feierte die Rückkehr in die 2. Liga. Dort spielt er heute immer noch.