Schlieren
Schluss mit den günstigen Wohntarifen: Stadtrat passt per 2022 die Taxordnung an

Betagte Schlieremer werden im neuen Jahr zur Kasse gebeten. Die Pflegeinstitutionen seien defizitär, sagt der Stadtrat.

Lukas Elser
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Pflegebedürftigen wird 2022 etwas weniger Geld fürs Essen bleiben.

Pflegebedürftigen wird 2022 etwas weniger Geld fürs Essen bleiben.

Themenbild: Christof Schuerpf/Keystone

Der Schlieremer Stadtrat passt die Taxordnung der Pflegeinstitutionen an. Betroffen sind die Bewohner der betreuten Wohnungen im Mühleacker, des Alterszentrums Sandbühl und der beiden Pflegewohnungen der Stadt Schlieren.

Per 1. Januar 2022 erhöht der Stadtrat die Hotelleriekosten für das Alterszentrum Sandbühl und der beiden Pflegewohnungen um 10 Franken. Die Bewohner zahlen statt 128 Franken pro Tag neu 138 Franken. Ebenfalls wird die Pensionstaxe (Mietzins) der betreuten Wohnungen im Mühleacker aufs neue Jahr um 10 Prozent erhöht. Wer bis anhin 2226 Franken für eine 3,5-Zimmer-Wohnung bezahlte, muss jetzt 2448 Franken berappen. Ihm fehlen also monatlich 222 Franken im Portemonnaie.

Der Stadtrat begründet seinen Entscheid finanziell: «Seit mehreren Jahren schreiben die Pflegewohnungen Mühleacker, Bachstrasse und Giardino ein Defizit», heisst es in seinem Beschluss. Ähnlich sehe die Situation im Alterszentrum Sandbühl aus. Der Stadtrat führt Beispiele auf. Das Minus bei den Pflegewohnungen etwa ist gemäss seiner Gegenüberstellung von rund 220’000 Franken im Jahr 2017 auf rund 760’000 Franken im Jahr 2020 angewachsen.

Die Pandemie hat das Problem verschärft

Der Stadtrat führt das Problem in erster Linie auf die ungenügende Auslastung bei gleichbleibenden Fixkosten zurück. Verschärft habe sich die Ausgangslage durch die Coronakrise. So habe der vorübergehende Aufnahmestopp und die pandemiebedingte tendenzielle Zurückhaltung bei den Bewohnern, in eine Pflegeinstitution zu gehen, auf die Belegungszahlen gedrückt. Eine Verbesserung der Situation zeichnet sich für den Stadtrat nicht ab.

Er betont aber:

«Die aktuellen Pensionstaxen sind merklich die tiefsten im Bezirk.»

Auch hier nennt er Zahlen: Während man bei Senevita 155 Franken, im Spital Limmattal 170 Franken und im Tertianum 190 Franken bezahle, seien es im Sandbühl aktuell die erwähnten 128 Franken.

Langsame Gewöhnung an höhere Tarife

Auf Anfrage gibt der Ressortvorsteher Alter und Soziales, Christian Meier (SVP), einen weiteren Grund für die höheren Preise an. Er erklärt: «Die Tarife im geplanten Alterszentrum werden höher ausfallen als bis anhin.» Dies entspreche dem höheren Standard der Wohnungen. Und damit die Mieten nicht quasi von einem Tag auf den anderen sprunghaft ansteigen, habe man sich für die langsame Angleichung der Tarife entschieden.

Meier betont allerdings: «Die Tarife in Schlieren bleiben auch dann noch tiefer als in den umliegenden Gemeinden.»

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