Fussball
Schlieren schlägt sich fast selbst

Nach einem verrückten Spiel gewinnen die Limmattaler gegen Unterstrass mit 5:4.

Michel Sutter (Text und Foto)
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Schlierens Anthony Gullo (rechts) und der Unterstrasser Philippe Fischer.

Schlierens Anthony Gullo (rechts) und der Unterstrasser Philippe Fischer.

«Die sorgen dafür, dass ich mit 40 einen Herzinfarkt bekomme», scherzte Davide Molinaro. Der Trainer des FC Schlieren hatte gegen Unterstrass soeben ein nervenaufreibendes Spiel erlebt. Nervenaufreibend deswegen, weil seine Mannschaft eine Achterbahnfahrt der Gefühle durchlebte und eine 5:1-Führung beinahe noch preisgegeben hätte.

Aber von Anfang an. Nach einer kurzen Phase des Abtastens übernahmen die Schlieremer auf dem Kunstrasenplatz Steinkluppe in Unterstrass mehr und mehr das Kommando.

Nach 20 Minuten sorgte Jan Erik Schnidrig mit einem flachen Schuss für die Führung der Gäste, nur zwei Minuten später erhöhte Gaël Baillargeault auf 2:0. Doch Unterstrass zeigte sich nicht schockiert, sondern versuchte, zu reagieren.

Das gelang den Gastgebern nach knapp einer halben Stunde, als Davide Lo Russo zum 1:2 für die Gastgeber traf. Wer nun eine Aufholjagd der Gastgeber erwartete, sah sich getäuscht. Denn vier Minuten nach Lo Russos Treffer nahm Pierre Gattiker einen Eckball direkt ab und schoss das dritte Tor für die Gäste.

Als in der zweiten Halbzeit Anthony Gullo und wiederum Baillargeault noch zwei weitere Treffer nachlegten, schien die Partie endgültig gelaufen. Die Schlieremer hätten aufgrund der Spielanteile sogar noch höher führen können.

Doch zehn Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit konnte sich der Unterstrasser Shaady Hasan mit einem Dribbling durchsetzen und den Ball aus kurzer Distanz zum 2:5 einschiessen, die Schlieremer Proteste wegen einer angeblichen Abseitsposition ignorierte der Schiedsrichter. Und nur drei Minuten später kamen die Hausherren durch Albert Miller gar zum 3:5.

Gastgeber machen Druck

Doch dann schien diese abwechslungsreiche Partie erneut eine Wende zu nehmen: Torschütze Miller wurde kurz nach seinem Treffer wegen eines überharten Foulspiels vom Platz gestellt. Die Unterstrasser agierten nun also in Unterzahl, was sich aber nicht als Nachteil herausstellen sollte – im Gegenteil.

Die Gastgeber machten jetzt plötzlich Druck, während die Schlieremer sich in die eigene Hälfte zurückzogen und auf Konter lauerten. Und dann, in der Nachspielzeit, passierte das, was die Gäste unbedingt hatten vermeiden wollen: Unterstrass kam nochmals zu seinem ersehnten Anschlusstreffer, und zwar mittels Penalty.

Hasan war nach einem Zweikampf zu Fall gekommen, Gattiker und Davide Lopez protestierten aufgebracht – doch der Schiedsrichter blieb bei seinem Entscheid. Penalty für Unterstrass, Laurent Claverie trat an – und verwandelte sicher zum 4:5.

Die Unterstrasser warfen nun alles nach vorne und versuchten ihr Glück mit hohen, weiten Bällen in den Schlieremer Strafraum. Aber die Schlieremer retteten ihren Vorsprung über die Zeit. Es blieb beim am Ende glücklichen 5:4-Sieg für Schlieren.

«Wir haben es unnötig spannend gemacht», fand Molinaro. Bis zum 5:1 habe seine Mannschaft eine gute Leistung gezeigt. «Wir waren dem 6:1 näher als Unterstrass dem 2:5, aber wir sind nach diesem Anschlusstreffer nervös geworden.» Auch der Platzverweis gegen Miller habe das Schlieremer Spiel nicht beruhigt.

Platz 2 ist zum Greifen nah

Am Ende hat es dennoch für den Sieg gereicht. Es ist bereits der dritte in Serie, nach dem 4:3-Erfolg gegen Leader Einsiedeln und dem 3:1 auswärts in Wädenswil. Damit haben die Limmattaler den dritten Tabellenplatz erobert.

Entsprechend zufrieden ist Molinaro mit dem bisherigen Verlauf der Hinrunde. «Wir haben eigentlich nur anderthalb schlechte Spiele gezeigt: dasjenige gegen Kilchberg und die zweite Hälfte gegen Horgen», sagte er.

«Daher trauere ich den verlorenen Punkten nach. Wir haben unter anderem mit unserem Sieg gegen Einsiedeln gezeigt, welches Potenzial in uns steckt. So gesehen müssten wir eigentlich mehr Punkte haben.»

Molinaro hofft nun, dass seine Schlieremer ihre Siegesserie im letzten Spiel der Hinrunde gegen Red Star Zürich 2 fortsetzen und drei Punkte holen können. Mit einem Sieg könnten die Limmattaler auf Platz 2 vorstossen.

Leader Einsiedeln liegt allerdings mit fünf Punkten vorne. «Sie müssten mal einen Ausrutscher haben, von dem wir profitieren könnten», sagte Molinaro. Aber in erster Linie achte er auf seine eigene Mannschaft: «Wir müssen zuerst unsere Hausaufgaben lösen.»