Schlieren
Warum Corona für das Blutspendezentrum kein Problem war und wie aus einer Blutspende drei Produkte entstehen

Das Blutspendezentrum in Schlieren zeigte bei einem Rundgang durch die Labore, wie das Blut vom Spender zum Empfänger kommt und wie die Sicherheit bei den Proben gewährleistet wird.

Carmen Frei
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Beat Frey, Direktor Blutspende SRK Zürich, erklärt die Produktion des SRK-Blutspendezentrums Zürich in Schlieren.
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Das PCR-Testgerät wird fürs Plasma- und Blutscreening verwendet.
Im Blutspendezentrum stehen gleich zwei Geräte für die Tests bereit.
Tiziana Janner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Blutspende SRK Schweiz, erläutert, wie neue Krankheitserreger beobachtet und eingeschätzt werden.
Laut Christoph Niederhauser, Leiter Labordiagnostik der Interregionalen Blutspende SRK Bern, besteht nur noch ein sehr kleines Restrisiko, durch eine Bluttransfusion infiziert zu werden.
«Wir treffen alle Massnahmen, damit kein Risiko einer Infizierung besteht», sagt Bernhard Wegmüller, Direktor Blutspende SRK Schweiz.
Die Blutproben werden für die Auftrennung vorbereitet.
Das zentrifugierte Blut wird durch Druck auf den Entnahmebeutel in die Komponenten Plasma, Thrombozyten sowie Erythrozyten aufgeteilt.
Die verschiedenen Bestandteile des Blutes, die getrennt wurden: Das Plasma, das Thrombozyten- sowie das Erythrozyten-Konzentrat.
Die Beutel mit Erythrozythen-Konzentrat werden nach Blutgruppe und Abnehmer sortiert. Danach werden sie im Kühllager aufbewahrt.
Das Thrombozyten-Konzentrat wird eingefroren, um es haltbar machen zu können.
Erst wenn alle Tests gemacht sind und die Abläufe korrekt vorgenommen wurden, wird das Erythrozythen-Konzentrat für die Verwendung freigegeben.

Beat Frey, Direktor Blutspende SRK Zürich, erklärt die Produktion des SRK-Blutspendezentrums Zürich in Schlieren.

Severin Bigler

Viele kennen die ausführlichen Fragebögen bei der Blutspende. Was dahinter steckt und was mit dem Spenderblut nach der Entnahme geschieht, zeigt das Blutspendezentrum Zürich in Schlieren. Denn mit der Blutspende beginnt ein komplizierter Prozess.

Nach der Entnahme wird das Blut über Nacht auf mögliche Infektionen getestet. Danach wird die Blutgruppe bestimmt. Das geschehe, um allfällige Verwechslungen zu vermeiden, erklärt Beat Frey, der Direktor von Blutspende Zürich. Denn die Mitarbeitenden beschriften die Blutproben manuell. Eine Verwechslung sei aber äusserst selten. «Das kommt weniger als einmal im Jahr vor», sagt Frey.

Die Blutproben werden anschliessend in ein Erythrozyten- und Thrombozyten-Konzentrat sowie in Blutplasma aufgetrennt. «Aus einer Blutspende können wir drei Blutprodukte herstellen», erklärt Frey.

Die Bestandteile müssen unterschiedlich gelagert werden

Das Erythrozyten-Konzentrat wird für Transfusionen verwendet und kann 42 Tage gelagert werden. Das Thrombozyten-Konzentrat wird mit Konzentraten aus anderen Spenden gepoolt und ebenfalls als Transfusion verwendet. Es ist nur sechs Tage haltbar. Aus fünf Spenden erreicht man genügend Thrombozyten-Konzentrat für eine Transfusion für eine erwachsene Person. Das Blutplasma wird selten auch für Transfusionen verwendet, dient aber grösstenteils zur Herstellung von medizinischen Produkten. Es kann eingefroren zwei Jahre lang verwendet werden.

48'000 Spenden wurden im Jahr 2020 vom Blutspendezentrum so zu 60'000 Produkte verarbeitet. Dies entspricht einem Rückgang verglichen mit den Vorjahren. «In der Pandemie gab es einen deutlichen Spendenrückgang», sagt Frey. Es sei wegen des Versammlungsverbots auch schwierig gewesen, Spendeaktionen durchzuführen. Durchschnittlich 450 davon führt das Blutspendezentrum Zürich durch. Die Gemeinden, für die das Blutspendezentrum solche Aktionen durchführt, reichen bis in die Kantone Schwyz und Schaffhausen.

Es wird immer weniger Blut gebraucht

Der Rückgang der Spenden traf im vergangenen Jahr aber auch auf eine verminderte Nachfrage. Diese habe sich bei den Spitälern inzwischen erholt. «Sie ist aber noch nicht wieder auf dem Level vor der Pandemie», erklärt Frey. Er erwarte auch nicht, dass die Nachfrage wieder auf denselben Stand ansteige, sagt Frey.

Denn aktuell gebe es 30 Prozent weniger Erythrozyten-Transfusionen als noch vor etwa zwölf Jahren. Dies sei der Fall, da heute bereits vor Operationen zusätzliche Abklärungen zum Blutzustand der Patienten stattfinden und generell weniger oft Transfusionen gegeben werden, erklärt Bernhard Wegmüller, Direktor Blutspende beim Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) Schweiz.

Corona hat bei den Spenderinnen und Spendern für Verunsicherung gesorgt. Allerdings sei schnell klar gewesen, dass Coronavirus nicht über das Blut übertragen werden könne, erklärt Tiziana Janner, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Blutspende SRK Schweiz.

Auch bei der Impfung seien die Risiken schnell bekannt gewesen.

«Mit Impfungen haben wir schon jahrzehntelange Erfahrung»,

erklärt Wegmüller. Nur gut 48 Stunden Sperrzeit gelten bei der Covid-Impfung.

Die Blutproben müssen laut Janner aber auch auf viele andere Erreger geprüft werden. Um das Risiko zusätzlich zu vermindern, dient der Fragebogen vor dem Blutspenden. Zudem wird auch von jeder Spende eine kleine Probe zur Nachverfolgung eingefroren.

Die Krankheiten behält die Blutspende im Blick

Neue Krankheitserreger behalte die Blutspende Schweiz durch wöchentliche Überwachung und Berichte im Blick. Der Travelcheck der Blutspende Schweiz zeige zudem, welche Regionen Risikogebiete für gewisse Krankheiten sind und wie lange nach einem Besuch auf eine Blutspende verzichtet werden muss.

Laut Christoph Niederhauser, Leiter Labordiagnostik der Interregionalen Blutspende SRK Bern, bestehen mit den aktuellen Testverfahren nur sehr kleine Restrisiken einer Übertragung durch eine Bluttransfusion. Auch bei den Tests der Blutproben gebe es immer weniger Proben, die man ausschliessen müsse.

«Wir treffen alle Massnahmen, damit kein Risiko einer Infizierung besteht»,

sagt Wegmüller. Bereits vorab verweisen die Blutspendedienste auf die Kriterien für eine Blutspende. «Damit man nicht erst im Blutspendezentrum merkt, dass man nicht spenden kann», meint Wegmüller.

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