Schlieren
Müssen noch mehr Schrebergärten weichen? Richtplan-Gegner wirft der Stadt schlechte Kommunikation vor – diese widerspricht

Ein weiterer Richtplangegner möchte öffentlich gegen die Pläne der Stadt Schlieren protestieren. Diese entgegnet, dass gewisse Ängste der Gegnerschaft unbegründet seien.

Lukas Elser
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Schlieremer Gärtner bangen um ihre Zukunft. Im Bild: Die Familiengärten Betschenrohr.

Schlieremer Gärtner bangen um ihre Zukunft. Im Bild: Die Familiengärten Betschenrohr.

Cynthia Mira

Noch ein Richtplangegner will seinem Ärger über die Pläne der Stadt Schlieren Luft verschaffen. Nachdem jüngst ein Referendum gegen den im Juni vom Parlament bewilligten Kommunalen Richtplan Siedlung und Landschaft zustandegekommen war und daraufhin zwei Richtplangegner in der «Limmattaler Zeitung» ihre Argumente dargelegt hatten, meldete sich ein weiterer Unterstützer des Referendums bei der Redaktion.

Bruno Essig vom Verein Familiengärten Im Rohr will auf weitere Betroffene aufmerksam machen. Denn nicht nur die Mitglieder der Familiengärten Betschenrohr, sondern auch einige Mitglieder seines Vereins hätten das Referendum unterzeichnet, so Essig.

Essig kritisiert, was bereits seine Vorredner moniert haben: Dass nämlich die Kommunikation der Stadt in Sachen Zukunft des Limmatbogenareals unklar bis gar nicht vorhanden sei:

«Von offizieller Stelle wird nichts kommuniziert und wenn ich an die Stadtverwaltung gelange, merke ich, dass niemand genau Bescheid darüber weiss, was mit dem Gebiet geplant ist.»

Verunsichert habe ihn die Information, die er gemäss eigenen Angaben von einem leitenden Mitarbeiter der Stadt erhalten habe. Dieser habe ihm versichert, dass alle 80 Familiengärten Im Rohr bis in spätestens fünf Jahren aufgehoben würden. Genauer habe der Mitarbeiter diese Behauptung allerdings nicht ausgeführt.

Essig fühlt sich zu wenig ernst genommen: «Auf der Verwaltung kennt niemand mehr die Entstehungsgeschichte und Bedeutung der Familiengärten in Schlieren. Dabei waren wir einmal das Gebiet mit den meisten Gärten im ganzen Kanton, bis sie nach und nach aufgehoben wurden.» Er betont, dass dies für ältere Menschen ein grosser Verlust sei.

Was ist an den Gerüchten dran?

Die «Limmattaler Zeitung» hat die Stadt mit Essigs Vorwürfen konfrontiert und Astrid Romer gefragt, ob die Gärten tatsächlich aufgehoben werden. Mit einem klaren Nein antwortete die städtische Kommunikationsbeauftragte nicht. Ein unmissverständliches Ja lässt sich aus ihrer Antwort aber genauso wenig herauslesen. Romer sagt:

«Aus den Festlegungen des Richtplans kann keinesfalls abgeleitet werden, dass der Stadtrat die Gärten ganz aufheben und ein überregionales Vergnügungsgebiet schaffen will. Im Gegenteil: das Angebot soll, so die bewusst gewählten Formulierungen, ausgewogen, angemessen und in hoher Qualität den Bedürfnissen entsprechen.»

Es seien keine Nutzungsarten ausgeschlossen. Und man wolle «auf bestehenden Qualitäten aufbauen», schreibt Romer in ihrer Antwort an die Zeitung.

In Bezug auf die Betschenrohr-Gärten wird die Stadt noch etwas konkreter. Mit dem Präsidenten des Familiengartenvereins habe man diverse Gespräche geführt. Über deren Inhalt heisst es unter anderem:

«Es wurde klar festgehalten, dass das erwähnte Familiengartenareal nicht vollständig aufgehoben werden soll. Das war nie die Absicht, da dem Stadtrat sehr bewusst ist, dass Familiengartenareale einen hohen Wert mit entsprechenden Qualitäten aufweisen, auch wenn die Flächen nur bedingt öffentlich zugänglich sind.»

Gemäss Romer wird derzeit ein spezielles Familiengartenkonzept ausgearbeitet. Bis Ende Jahr soll es fertiggestellt sein. Romer zufolge sind alle Familiengartenvereine schriftlich über die Entwicklung eines solchen Konzepts informiert worden.

Die Stadt weist zudem auf ihren neuen Masterplan Freiraum und Erholung hin, der derzeit erarbeitet wird und «kurz vor dem Abschluss» stehen soll. Er steht im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt, das der Kanton beim Limmatbogen plant. Der Masterplan soll mögliche Auswirkungen des kantonalen Grossprojekts «einordnen, lenken und kanalisieren». Insbesondere will man mit ihm «Regeln für ein Miteinander von verschiedenen Nutzungen und Infrastrukturen wie Sport, Familiengärten, Freizeit, Wasserfassung, Erholung, Bademöglichkeit, Naturraum, etc. definieren», wie Romer schreibt.

Stadtverwaltung: «Kommunikation geschieht koordiniert»

In Sachen Kommunikationswege sagt Romer: «Die Kommunikation mit den Familiengartenvereinen betreffend Richtplanung geschieht koordiniert über das Ressort Bau und Planung.»

Romer äussert sich auch zur Befürchtung von Hausbesitzer Max Zollinger, derzufolge der Acker nördlich der Bernstrasse mit einer Siedlung überbaut werden könnte: «Die Angst, dass das Erdbeerifeld dereinst grossflächig überbaut werden wird, ist unbegründet.» Das Gebiet sei heute im Nicht-Siedlungsgebiet und als Fruchtfolgefläche ausgeschieden. «Mit einer Genehmigung des Richtplans ändert sich daran nichts.»

Der südliche Spickel solle lediglich im Sinne einer langfristigen Option als Siedlungsfläche geprüft werden, sagt Romer weiter. «Die Stadt Schlieren ist mit dem Prüfauftrag angehalten zu untersuchen, ob und wie Flächen unter Berücksichtigung der Fruchtfolgeflächenthematik abgetauscht werden könnten.»

Doch selbst wenn die Antwort zugunsten eines Abtausches ausfallen würde, wäre die Umsetzung nicht einfach so möglich. Romer schreibt: «Sollte sich daraus ergeben, dass ein Abtausch zielführend sein könnte, müsste die fragliche Fläche erst als Reservezone eingezont werden und könnte erst in einem weiteren Schritt einer Bauzone zugewiesen werden.»

Der Bau- und Planungsvorstand Stefano Kunz (Mitte) betont seinerseits, dass der Richtplan sorgfältig erarbeitet wurde. Für Schlieren sei er «zwingend erforderlich, damit die Behörden die zukünftige Siedlungs- und Freiraumentwicklung steuern und lenken können».

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