Schlieren
Pischte 52 gehört nun definitiv der Stadt: Im Fall eines Verkaufs verlangt der Kanton 75 Prozent des Gewinns

Der Schlieremer Stadtrat hat sich die stillgelegte Badenerstrasse gesichert. Was er damit machen wird, ist unklar.

Lukas Elser Jetzt kommentieren
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Die alte Kantonsstrasse gehört jetzt der Stadt Schlieren.

Die alte Kantonsstrasse gehört jetzt der Stadt Schlieren.

Severin Bigler

Was bereits feststand, ist nun beschlossene Sache: Der stillgelegte Teil der Badenerstrasse im Zentrum von Schlieren, den die Stadt letztes Jahr Pischte 52 getauft hat, gehört nun definitiv der Stadt Schlieren.

Im Februar hat die Stadt dem Kanton das insgesamt 8630 Quadratmeter umfassenden Stück der Kantonsstrasse für 2,7 Millionen Franken abgekauft. Damals standen allerdings noch die letzten Formalitäten aus – jetzt wurden sie vollzogen.

Schon bei der Stilllegung vor drei Jahren kam es zu Kaufverhandlungen. Doch weil der Kanton damals einen zu hohen Preis für das Stück Land verlangt hatte, blieben die Kaufbemühungen erfolglos.

Bei der Stadt freut man sich nun über den Abschluss des Geschäfts:

«Das Zentrum ist für die Stadt Schlieren bereits seit 2005 eines der wichtigsten Elemente in der Stadtentwicklung und der Erwerb von Land in diesem Bereich deshalb von strategisch grosser Bedeutung»,

heisst es in ihrer neuesten Mitteilung.

Sollte die Stadt aber plötzlich ihre Meinung ändern und das Land wieder abstossen wollen, gilt eine spezielle Vertragsklausel. Der Kanton hat Anrecht auf einen Teil des Gewinns. In diesem Fall sind es 75 Prozent des Verkaufsgewinns.

«Als Veräusserung gelten der Verkauf, die Einräumung eines Baurechts, Enteignung, Wertgewinne durch Um- oder Aufzonung sowie jedes andere Rechtsgeschäft, das einem Verkauf gleichkommt.» Der Stadt zufolge ist diese Klausel «bei solchen Landgeschäften üblich».

Stadt hat drei Jahre Zeit für die Ideensuche

Ein Verkauf ist allerdings unwahrscheinlich. Stünde er doch den aktuellen Plänen des Stadtrats entgegen. Seit Jahren hegt die Stadtregierung den Plan, eine sogenannte Grüne Mitte im Zentrum zu schaffen.

Derzeit sieht das Konzept den Zusammenschluss von Stadtpark und seinem nördlichen Abschluss zu einem einheitlichen Ganzen vor. Dies insbesondere seit der Kanton die Badenerstrasse im Sommer 2018 stillgelegt hat. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Strasse den Stadtpark vom alten, nördlich davon gelegenen Dorfteil abgeschnitten.

Und jetzt, wo die alte Kantonsstrasse auch noch der Stadt gehört, sollte der Umgestaltung des Zentrums eigentlich nichts mehr im Weg stehen. Konkrete Pläne für das neue Stück Land gibt es allerdings noch nicht. Klar ist nur, dass das stillgelegte Strassenstück «in der heutigen Form und Ausgestaltung keinen weiteren Bestand haben wird», wie der Stadtrat schreibt.

Wohin geht es? Die Schlieremer sollen es sagen

Antworten auf die Frage nach dem Wohin sollen die Schlieremer selbst liefern. So hat der Stadtrat 2019 das partizipative Projekt Pischte 52 gestartet und die Bevölkerung aufgerufen, aus eigener Initiative Anlässe auf dem Areal durchzuführen und Vorschläge für die künftige Verwendung zu machen. Diese Testphase dauert bis 2023. Sie soll Aufschluss darüber geben, was in Zukunft mit dem Gelände geschehen soll.

Was soll man mit dem neuen Stück Land machen? Die Schlieremer sollen die Frage beantworten.

Was soll man mit dem neuen Stück Land machen? Die Schlieremer sollen die Frage beantworten.

Severin Bigler

Und damit die Pläne der Stadt nicht von Privaten Bauherren durchkreuzt werden, hat der Zürcher Regierungsrat im Sommer einen Baustopp für einen Zeitraum von drei Jahren über das Areal nördlich des Stadtparks verhängt. Damit dürfen die Eigentümer der alten Häuser keine massgebenden Veränderungen an ihren Bauten vornehmen. Und so bleibt zumindest für begrenzte Zeit der Wunsch des Stadtrats nach einer Grünen Mitte mit dörflichem Charakter intakt.

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