Schlieren
Parlamentarier blitzt mit seinem Mundartpostulat ab: Stadtrat sieht keine Notwendigkeit für einen Schweizerdeutschkurs

Der Schlieremer Stadtrat hat die Nichtentgegennahme eines Vorstosses zur Förderung des Dialekts beschlossen. Postulant Lukas Speck (GLP) hält den Effort der Stadtregierung für zu gering.

Lukas Elser
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Sprachkurs in Schweizerdeutsch: Braucht's das? An dieser Frage scheiden sich die Geister.

Sprachkurs in Schweizerdeutsch: Braucht's das? An dieser Frage scheiden sich die Geister.

Elisabeth Rizzi

Ist der Dialekt in Gefahr? Das fragt sich der Schlieremer Parlamentarier Lukas Speck (GLP) angesichts der vielen hochdeutschen Ausdrücke, die sein kleiner Sohn verwendet. Um seiner Sorge Ausdruck zu verleihen, hat er Mitte Juli ein Postulat eingereicht. Darin fordert Speck den Stadtrat auf, die Förderung der Mundart zu prüfen.

Der Stadtrat hat mittlerweile über das Geschäft beraten. Und er hat beschlossen, das Postulat nicht entgegenzunehmen. Mit Specks Vorschlag, «einen wöchentlichen Unterricht zur Förderung der Mundart/Kultur» einzuführen, kann er sich nicht anfreunden.

Da der von Speck gewünschte Kurs nicht im Lehrplan der Volksschule vorgesehen und auf dem Bildungsmarkt aktuell kein entsprechendes Angebot gefunden werden könne, müsste «ein konkretes Kursangebot demnach von der Stadt selber konzipiert werden», schreibt der Stadtrat in der Begründung seines Beschlusses. Und:

«Dies würde bedeuten, dass die Finanzierung entweder durch die Stadt oder durch die Teilnehmenden beziehungsweise deren Eltern finanziert werden müsste.»

Der Stadtrat vermutet aber, dass ein solches Freizeitangebot zu wenig gefragt ist. Ihm scheint deshalb eine vertiefte Prüfung «wenig erfolgversprechend».

Weiter macht der Stadtrat darauf aufmerksam, dass es sich beim Schweizerdeutschen um eine Sprache handelt, die immer wieder Änderungen erfahre. Er zieht daraus folgenden Schluss: «Es stellt sich die Frage, ob es eine korrekte Mundart gibt und wer diese definiert.»

Unklar ist, ob diese Aussage als Replik auf Specks Beobachtung zu verstehen ist. Dieser weist im Postulat darauf hin, dass sein kleiner Sohn hochdeutsche Ausdrücke unpassend mit dem Schweizerdeutschen mischt. Vielleicht will der Stadtrat aber auch nur sagen, dass das Unterrichten des Dialekts grundsätzlich eine komplizierte Angelegenheit ist.

Lukas Speck hätte mehr vom Stadtrat erwartet

Speck findet den Beschluss nicht zufriedenstellend. Auf mehrere Punkte seines Vorstosses sei der Stadtrat ungenügend oder gar nicht eingegangen.

«Ich hätte vom Stadtrat eine vertieftere Abklärung erwartet»,

sagt Speck. «Ich habe vorgeschlagen, dass man vielleicht etwas zusammen mit anderen Gemeinden erreichen könnte. Doch der Stadtrat hat nicht einmal eine entsprechende Gesprächsbereitschaft geprüft.» Speck geht davon aus, dass ein gemeindeübergreifendes Angebot günstig ausfallen würde.

Lukas Speck beim Hornussen am Parlamentsausflug 2021 in Rothrist.

Lukas Speck beim Hornussen am Parlamentsausflug 2021 in Rothrist.

Lukas Elser

Auch seinen Vorschlag für einen Schweizerdeutschkurs ausserhalb des schulischen Rahmens habe der Stadtrat nicht wirklich geprüft. Der Stadtrat habe den Vorschlag mit Verweis auf die dadurch möglicherweise für die Stadt entstehenden Kosten verworfen – und dabei nicht einmal gesagt, wie solche Angebote überhaupt aussehen könnten und wie viel sie kosten würden.

Das letzte Wort zum Geschäft hat das Parlament. Wann Specks Postulat auf der Traktandenliste steht, ist derweil noch nicht klar.

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