Der Schlieremer Stadtrat muss sich weiter dafür einsetzen, dass der geplante Tunnel der Limmattalbahn zwischen Badener- und Färberhüslistrasse bis nach Urdorf verlängert wird. Das Parlament verwehrte ihm an der Sitzung von gestern Abend mit 19 zu 12 Gegenstimmen, ein Postulat abzuschreiben, mit dem CVP-Gemeinderätin Heidemarie Busch genau das forderte.

Damit versuchte der Stadtrat nach 2012 und 2013 bereits zum dritten Mal erfolglos, sich dieser Aufgabe zu entledigen.

Dabei stand die gestrige Verhandlung unter völlig anderen Vorzeichen als bei den letzten beiden Versuchen: Ein parlamentarischer runder Tisch hatte sich Ende 2014 mit den Projektplanern der Limmattalbahn AG darauf geeinigt, statt eines längeren Tunnels eine «optimierte Tempo-30-Zone» entlang der Spitalstrasse einzurichten.

Darauf zog der Stadtrat seine Einsprache gegen die Linienführung zurück, die er im Dezember 2013 contre coeur eingelegt hatte.

Busch: «Alles verworfen»

Der Verein «Limmattalbahn – so nicht!», dem Postulantin Busch angehört, kritisiert schon lange, dass die Bahn im Quartier entlang der Spitalstrasse die Wohnqualität einschränkt und zu einem Sicherheitsrisiko wird. Sie warf dem Stadtrat gestern Abend vor, die Bewohner des Spitalquartiers im Stich gelassen zu haben, als er die Einsprache zurückzog.

«Denn alles, was im runden Tisch gefordert wurde, wurde von der Limmattalbahn AG verworfen», sagte sie. So etwa Lösungsvorschläge wie ein grosser Kreisverkehr über die Spital-, Schönenwerd- und Bundentalstrasse. Busch bat ihre Ratskollegen, das Postulat auch diesmal nicht abzuschreiben. So solle der Stadtrat dazu bewegt werden, erneut gegen das Projekt Einsprache einzulegen.

Denn: Falls sich im Quartier wesentliche verkehrstechnische Veränderungen gegenüber dem geplanten Projekt ergeben, wird es erneut ausgeschrieben. Es zeichnet sich derzeit ab, dass der Kreisel an der Schlieremerstrasse in Urdorf zur Schönenwerdstrasse hin geschlossen bleibt und die Spitalstrasse für Einbieger aus der Schönenwerdstrasse offengelassen wird.

Bleibt es dabei, ergäbe sich wohl eine solche wesentliche Veränderung, wie auch Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) gestern bestätigte.

Er bat das Parlament, das Postulat abzuschreiben. Der runde Tisch und die Projektverantwortlichen der Limmattalbahn hätten eine «gute Lösung für die gesamte Schlieremer Bevölkerung» gefunden, sagte er. Es sei das Ziel gewesen, die Linienführung der Limmattalbahn durch die Spitalstrasse sicher zu machen und den Landbedarf dort möglichst zu reduzieren.

«Das ist uns auch gelungen.» Zwar sei die Tempo-20-Zone bei der Kantonspolizei auf wenig Gegenliebe gestossen, aber der Stadtrat werde wieder darauf zurückkommen, so Bärtschiger.

Busch erhielt in der Debatte Unterstützung von Thomas Grädel (SVP) und vom Quartierverein. Dessen Fraktionssprecherin Gaby Niederer sagte, dass ihre Partei das Postulat nach dem Rückzug der Einsprache nicht abschreiben lassen wolle. Sie kritisierte unter anderem, dass mit dem Zaun, der entlang des Trassees gebaut werden soll, das Quartier gespalten werde.

Wie vor ihr auch Busch verwies sie ausserdem auf einen Brief der Stadtpräsidenten von Schlieren und Dietikon sowie der Urdorfer Gemeindepräsidentin an den Kantonsrat, der ihr vorlag.

Darin würden die Kritiker der Bahn als «Ewiggestrige, Verhinderer und Vertreter von Eigeninteressen» verunglimpft, sagte sie: «Ein Stadtrat, der immer betont, wie ernst er die Bevölkerung nehme, verliert dadurch seine Glaubwürdigkeit.» Die Mehrheit der Parlamentarier stellte sich am Ende hinter Buschs Bitte, das Postulat nicht abzuschreiben.

Stadtrat diskutiert Einsprache

Bärtschiger erklärte bereits zuvor, dass es bei einem Ja des Kantonsrats zum Kredit für die Limmattalbahn an der Sitzung vom 30. März für die Anliegen der Postulantin «schwierig» werde. Nachdem das Parlament die Abschreibung des Vorstosses verweigert hatte, erklärte er: «Der Stadtrat wird nun diskutieren müssen, ob wir Einsprache erheben werden, falls sich diese Gelegenheit nochmals ergibt.»