Schlieren
«Nicht in allen Teilen überzeugend» – aber das Parlament sagt Ja zum Gestaltungsplan Kesslerplatz

Beim Schlieremer Kesslerplatz wird bis 2025 viel gebaut – das Projekt ist nun einen wichtigen Schritt weiter.

David Egger
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Das weisse Hochhaus bleibt bestehen, das Geschäftsgebäude rechts mit der Migros und dem grünen Dach wird abgerissen.

Das weisse Hochhaus bleibt bestehen, das Geschäftsgebäude rechts mit der Migros und dem grünen Dach wird abgerissen.

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Das rund 60-jährige Hochhaus am Schlieremer Kesslerplatz mit seinen 102 Wohnungen wird umfassend saniert und die Gegend soll insgesamt als westliches Eingangstor Schlierens attraktiver werden. Geplant wird seit mehreren Jahren.

Der Geschäftshaustrakt, in dem sich die Migros befindet, wird im Gegensatz zum Hochhaus abgerissen. Dafür entstehen vier neue Gebäude. Östlich des Hochhauses ein Hauptgebäude mit Migros, Denner sowie weiteren Geschäftsflächen, drei darüberliegenden Wohngeschossen und begrüntem Innenhof. Westlich des Hochhauses sollen drei kleinere Mehrfamilienhäuser entstehen, dort wird auch der neue Doppelkindergarten – der den heute bestehenden ersetzt – sowie ein Mehrzweckraum für die Stadt untergebracht werden. Total entstehen so 103 neue Wohnungen, wovon 59 altersgerecht sind. Darüber hinaus sollen unter anderem ein neuer hochwertiger Platz, eine Wertstoffsammelstelle, oberirdische Parkplätze für Anlässe in der Reitmen-Aula, vier Autoabstellplätze mit Ladestationen für E-Fahrzeuge, ein öffentlicher Spielplatz und neue Bepflanzungen umgesetzt werden. Der Zeitplan sieht vor, dass die Bauarbeiten bis 2025 fertig sind.

22 Ja und 4 Nein zum Gestaltungsplan

Für das Projekt der Anlagestiftung der Migros-Pensionskasse ist ein privater Gestaltungsplan nötig. Diesem – sowie einem mit dem Projekt verbundenen Landabtausch – hat das Schlieremer Parlament am Montagabend zugestimmt. Vor dem Entscheid (22 Ja, 4 Nein, zwei Enthaltungen) wurde aber einige Kritik laut. Ein Rückweisungsantrag, den Dominik Ritzmann (Grüne) stellte, wurde mit 23 zu 5 Stimmen abgelehnt. Er hatte sich unter anderem daran gestört, dass die Stadt «nicht auf günstigen Wohnraum gepocht hat» und dass zu viel Boden versiegelt werde – es müssten doch mehr als «ein paar Bäume» möglich sein, fand er.

Während Andres Uhl (Die Mitte) sagte, dass das Projekt aus einem «Unort» einen «Ort» mache, sprach sich Thomas Widmer (QV) gegen die im Vergleich zu heute dichtere Bebauung aus. Er fürchtet, dass sich wieder die Frage stellen wird: «Wer will dort wohnen?» So wie sich das auch beim Geistlich- oder Reitmen-Areal viele fragen würden. Das brachte Daniel Frey (FDP) auf den Plan, der im Geistlich-Areal wohnt und es «cool» findet:

«Es muss nicht immer so popelig stier sein wie in einem Einfamilienhüsliquartier. Es kann auch super moderne urbane Wohnformen geben.»

Frey sagte zudem, es zeuge nicht von viel Weitsicht, dass nur vier E-Ladestationen geplant sind. Aber:

«Jede Fraktion hat ihre Kröte geschluckt.»

Auch die SP war nicht voll und ganz zufrieden, stellte sich aber klar hinter das Projekt. «Sehr wichtig ist uns, dass die neuen Häuser mit Fernwärme und nicht mit Gas geheizt werden», sagte Walter Jucker (SP).

Thomas Grädel (SVP) sagte, dass der Gestaltungsplan seine Partei «nicht in allen Teilen» überzeuge. Gerade der Wegfall von 37 Kundenparkplätzen sei störend. Der Stadtrat wisse ja, dass «beim Schulhaus Reitmen zu wenig Parkplätze vorhanden» seien. Darum habe sich der Stadtrat im städtebaulichen Vertrag mit der Migros-Pensionskasse ja ausbedungen, dass die oberirdischen Parkplätze gratis für die Aula Reitmen zur Verfügung stehen.

«Der Witz ist nur, dass die zusätzlich benötigten Parkplätze nur von 20 bis 24 Uhr und sonntags zur Verfügung stehen.»

Wegen des Kindergartens stimmte die SVP aber mehrheitlich zu.

Schlieremer Ratstelegramm