Schlieren
Nati-Trainer Patrick Fischer verrät am LiZ-Forum, wie er mit Hilfe von Psychogrammen seine Spieler ans Limit bringt

Am Vernetzungsanlass in Schlieren dachten Natalie Rickli, Priorin Irene Gassmann und Sprüngli-CEO Tomas Prenosil über den Begriff Zeit nach. Derweil trat Ex-NHL-Profi Patrick Fischer als eine Art Motivationscoach auf.

Lukas Elser
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Patrick Fischer, erfolgreicher Eishockeyspieler und Head-Coach der Schweizer Nationalmannschaft erzählte, wie er früher vom Lehrer wegen seiner Rechenleistungen zurechtgewiesen wurde.
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Derweil berichtet die Zürcher SVP-Regierungsrätin Natalie Rickli, wie sie als Gesundheitsdirektorin die Coronakrise bewältigt hatte.
Tomas Prenosil trug aus seinem Erfahrungsschatz als CEO bei Lindt & Sprüngli vor.
Priorin Irene Gassmann gestand, dass sie es gar nicht erträgt, wenn ihre Schwestern im Kloster Fahr in der Kirche das Handy klingeln lassen.
Das LiZ-Forum 2021 fand im Business-Hub JED in Schlieren statt.
Moderiert wurde das Podiumsgespräch von Patrik Müller, Chefredaktor der CH Media Mantelredaktion.

Patrick Fischer, erfolgreicher Eishockeyspieler und Head-Coach der Schweizer Nationalmannschaft erzählte, wie er früher vom Lehrer wegen seiner Rechenleistungen zurechtgewiesen wurde.

Sandra Ardizzone

Menschen können dann hochgesteckte Ziele erreichen, wenn sie ein gutes Team haben. Und damit sie das tun, muss der Chef jeden einzelnen von ihnen kennen. Tut er es nicht, kann er nie das ganze Potenzial seiner Truppe ausschöpfen. Das war verkürzt gesagt die Kernbotschaft, die sich am Dienstagabend durch das gesamte LiZ-Forum zog.

Das Vernetzungstreffen in der Schlieremer JED-Halle wurde von der «Limmattaler Zeitung» organisiert. Bis vor zwei Jahren hiess der Anlass, der nunmehr zum 21. Mal durchgeführt wurde, noch Forum Wirtschaftsstandort Limmattal. Die Ausgabe 2020 fiel Corona zum Opfer.

Das eigentliche Motto des Abends war zwar Zeit, doch weil der Hauptreferent der ehemalige NHL-Profi und Eishockey-Nati-Cheftrainer Patrick Fischer war, erhielt die Debatte einen ziemlich sportlichen Einschlag. Selbst Podiumsteilnehmerin Irene Gassmann, Priorin vom Kloster Fahr, sprach an diesem Abend von ihrer Mannschaft respektive wie in ihrem Fall von ihrer Frauschaft.

Jeder Spieler wird in einem Psychogramm erfasst

Die anderen beiden Gäste, Tomas Prenosil, CEO der Confiserie Sprüngli, und die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP), waren mit der Grundfrage, über die Fischer referierte – wie motiviere ich mein Team? – mit grosser Wahrscheinlichkeit vertrauter.

Der Mann, der als Stürmer 661 Spiele in der höchsten Schweizer Liga gespielt und als Trainer die Nati an der Weltmeisterschaft 2018 zur Silbermedaille geführt hat, weiss, was es heisst, Höchstleistungen aus den Menschen herauszukitzeln. Er wollte deshalb seine Führungserkenntnisse den rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern weitergeben. Wichtig ist zum Beispiel, dass man den Charakter des Spielers genau kennt. Denn dann weiss Fischer, wie er ihn am besten anspornen kann.

Patrick Fischer, Natalie Rickli, Patrik Müller, Irene Gassmann und Tomas Prenosil.

Patrick Fischer, Natalie Rickli, Patrik Müller, Irene Gassmann und Tomas Prenosil.

Sandra Ardizzone

Fischer hat deshalb von jedem seiner Männer ein Blatt mit dessen Psychogramm. Es sieht aus wie beim Berufsberater: Da gibt es etwa eine Skala, die von «extrovertiert» auf der einen Seite zu «introvertiert» auf der anderen reicht. Und je nach Typ steht der Zeiger dann näher beim einen oder anderen Extrem.

«Meine Aufgabe ist es, die Spieler auf den Match richtig vorzubereiten», sagte Fischer. Entsprechend dem Psychogramm wendet er so bei jedem einen etwas anderen Trick an. Ist der Hockeyaner unsicher, redet er ihm gut zu. Kennt einer nur den Wettbewerbsdruck, geht er zu ihm und sagt: «Du, Dein Konkurrent auf der Ersatzbank glaubt, dass er viel besser ist als du.» Und schon stürme dieser aufs Feld, um es dem anderen so richtig zu zeigen.

Fischer verpflichtet seine Spieler auch zu einer Art von Selbsterfahrungsrunden. Dort sprechen die Männer über sich, ihre Zweifel und ihre Ängste. Die Mannschaft zieht sich auch immer wieder zurück, um ihren Teamgeist zu entwickeln.

Rund 130 Personen waren im Business-Hub JED zu Gast.

Rund 130 Personen waren im Business-Hub JED zu Gast.

Sandra Ardizzone

Es sei enorm wichtig, sagt Fischer, dass die Sportler das nötige «Mindset» entwickelten. Ihre Köpfe dürfe nichts anderes beherrschen, als die Überzeugung und der Wunsch, Weltmeister zu werden. In diesem Zusammenhang sei bei den Schweizern, die bekanntlich eher mit Bescheidenheit als mit einem grossen Ego glänzen, ein entsprechendes Coaching besonders wichtig.

Zum LiZ-Forum begrüsst wurden die Gäste von David ­Egger, Chefredaktor der «Limmattaler Zeitung». Wie Regierungsrätin Rickli in ihrem Grusswort sagte, war es für sie der erste grössere Anlass seit langer Zeit, den sie besuchte. Die Gesundheitsdirektorin sprach über ihr Stammgebiet: Corona und die Krise.

Sie erzählte, wie es war, von einer Entwicklung überfahren zu werden. Und wie sie es geschafft habe, aus einem in den Negativschlagzeilen stehenden «Impftrödelkanton den besten zu machen». Eine Aussage, die der Moderator und Chefredaktor der Zentralredaktion von CH Media, Patrik Müller, als Abschlussvotum für einmal unwidersprochen liess.

Entscheidungen treffen unter Hochdruck

Sprüngli-Chef Tomas Prenosil, berichtete, dass er in der Produktion in Dietikon dank Kurzarbeit und staatlicher Hilfsgelder keine Mitarbeiter habe entlassen müssen.

Zur Frage, wie er Entscheidungen unter Druck fälle, betonte auch er die Wichtigkeit eines guten Teams: «Vor 20 Jahren ereignete sich in Dietikon ein Hochwasser. Damals stand unsere Produktion innert weniger Minuten eineinhalb Meter unter Wasser. Da war es gut, dass der damalige Chef Mitarbeiter hatte, die er gut kannte.» So würden die Arbeiten viel leichter fallen, als wenn man erst einen Krisenstab bilden müsse.

Priorin Irene Gassmann hob ihrerseits die Chancen von Krisen hervor: «Man sollte sich bewusst machen, was man im Leben wichtig findet, und was man wirklich braucht – und zwar egal, wie sich die Gesellschaft dazu stellt.»

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