Schlieren
Stadtrat relativiert Gummiböötlerproblem – das kommt bei Gemeinderätin Olivia Boccali nicht gut an

Dem Schlieremer Stadtrat zufolge hielt sich das von Limmatbötlern verursachte Littering im Sommer 2021 in einem überschaubaren Rahmen. In den Augen von Gemeinderätin Olivia Boccali ist die Antwort des Stadtrats auf ihre Anfrage «etwas kurz angebunden».

Lukas Elser
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Hat Schlieren bald auch ein Gummiboot-Problem?

Hat Schlieren bald auch ein Gummiboot-Problem?

Themenbild: Christian Beutler/Keystone

Gummiböötler bedeuten für das Limmattal nicht nur Plausch, sondern auch Lärm und Littering. Besonders betroffen davon ist der Bezirkshauptort Dietikon. Dort nämlich ist die letzte Möglichkeit, um das plauschvolle Vergnügen vor dem Wehr zu beenden und aus dem Fluss auszusteigen.

Aber auch in anderen Gemeinden ärgert man sich über die sommerlichen Ausflügler, die sich nicht an die Regeln halten. Nicht zuletzt in Schlieren. Dort ist das Thema bereits im Parlament diskutiert worden.

Zum Beispiel, als der Gemeinderat im Frühjahr über die Änderungsanträge der Spezialkommission zum neuen Richtplan bestimmte. Bei der Abstimmung zur neuen Gestaltung des Limmatbogens wünschte sich die Kommission «Aufenthaltsbereiche, die auch wasserbezogene Freizeitaktivitäten wie Baden ermöglichen würden». Da sie dies offenbar als mögliche Anlegestelle für Gummiboote interpretierten, warnten manche Ratsmitglieder vor mehr Bootstouristen, sie unterlagen aber in der Abstimmung.

Boccali warnt vor Dietiker «Zuständen»

Im Juli schliesslich griff Gemeinderätin Olivia Boccali (Die Mitte) das Thema in einer Kleinen Anfrage auf. Im inzwischen vom Stadtrat beantworteten Vorstoss wollte sie vom Stadtrat wissen, was dieser gegen die drohenden Missstände zu tun gedenkt.

Boccali schreibt in ihrer Anfrage:

«Die Böötler kommen en masse die Limmat hinunter – und mit ihnen der Abfall: Verpackungen, Glasflaschen, Aludosen, kaputtes Schwimmequipment.»

Sie warnt die Schlieremer vor Dietiker Zuständen: «Auf der Allmend Glanzenberg wie auch im Umkreis der Nötzliwiese am Bahnhof Dietikon türmen sich die Abfälle rund um die Abfalleimer.»

Boccali möchte vom Stadtrat erfahren, wie er Schlieren vor solchen Zuständen bewahren will, wie sich die Stadt auf die Böötlisaison vorbereitet und welche Massnahmen sie ergreift, um den Mehrabfall und den Mehraufwand entlang des Limmatbogens in Schlieren zu bewältigen?

Als Beispiele für mögliche Problempunkte nennt sie insbesondere den Bereich entlang der Chlosterstrasse bis zum Kloster Fahr oder das Clubhaus des Wasserfahrvereins Schlieren.

Stadtrat erklärt die Gemeindegrenzen

Doch bevor der Stadtrat auf die Frage eingehen kann, muss er ein paar Zuständigkeiten klären. Die Orte, die Boccali aufgezählt hat, lägen nämlich ausserhalb des Hoheitsgebiets der Stadt Schlieren – sie befänden sich auf Land von Privaten oder der Gemeinden Würenlos und Unterengstringen. Deshalb beziehe er sich in seiner Antwort allgemein auf das Land, das der Stadt Schlieren gehöre, schreibt der Stadtrat in einer Vorbemerkung.

Bootstouristen bei Unterengstringen.

Bootstouristen bei Unterengstringen.

Themenbild: Alexandra Wey/Keystone

In der eigentlichen Antwort auf die Kleine Anfrage heisst es, dass das Littering grundsätzlich jahreszeitenabhängig sei. Deshalb würden jedes Jahr in etwa zur selben Zeit dieselben Aufgaben anfallen. Und so habe die Stadt auch keine speziellen Vorbereitungsarbeiten im Hinblick auf die Gummibootsaison 2021 treffen müssen.

Der Stadtrat wird dann noch etwas konkreter: «Während des Lockdowns 2020 nahm das Abfallvolumen derart sprunghaft zu, dass neu zusätzliche Touren vorgenommen werden mussten.» Diese seien mit der Gemeinde Unterengstringen koordiniert worden. Anders habe sich die Sache dieses Jahr verhalten: Im eher regnerischen Sommer 2021 konnte «der Mehraufwand innerhalb der ordentlichen Strukturen bewältigt werden».

Bei Gemeinderätin Boccali kommt das relativ knapp gehaltene Schreiben nicht gut an:

«Die Antwort des Stadtrates erscheint mir etwas kurz angebunden. Die Sachlage präsentiert sich unserer Ansicht nach anders, sodass sich zusätzliche Massnahmen im Limmatbogen Schlieren durchaus aufdrängen.»

Boccali will die Angelegenheit deshalb in der Fraktion behandeln und allfällige Schritte prüfen.

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