Schlieren
Migros Rietbach setzt auf Ökobatterie: Im Keller der Filiale landet der Solarstrom im Salzspeicher

Vor drei Wochen hat die Genossenschaft Migros Zürich den grössten Akku der Schweiz in Betrieb genommen. Die Anlage ist teuer, dafür aber umweltfreundlich.

Sibylle Egloff
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Andreas Frölich, Energiespezialist der Genossenschaft Migros Zürich, zeigt die 7 Tonnen schwere, 8,5 Meter breite und zwei Meter hohe Akkuanlage im Keller der Migros Rietbach in Schlieren. Den Batteriespeicher einzubauen, war seine Idee.

Andreas Frölich, Energiespezialist der Genossenschaft Migros Zürich, zeigt die 7 Tonnen schwere, 8,5 Meter breite und zwei Meter hohe Akkuanlage im Keller der Migros Rietbach in Schlieren. Den Batteriespeicher einzubauen, war seine Idee.

Severin Bigler

Es ist heiss und laut im Technikraum im Keller der Migros Rietbach in Schlieren. Der Lärm stammt von der Kälteanlage für die Kühlmöbel in der Filiale. Seit der Eröffnung des Geschäfts im Juni 2019 läuft die Maschine auf Hochtouren. Neu im Technikraum sind vis-à-vis die 24 aufeinandergestapelten Batteriemodule. «Sie werden bis zu 300 Grad heiss. Sie sind gut gedämmt, damit sie nicht viel Wärme verlieren», sagt Andreas Frölich, Energiespezialist der Genossenschaft Migros Zürich. Dass die 7 Tonnen schwere, 8,5 Meter breite und 2 ­Meter hohe Anlage heute hier steht, ist ihm zu verdanken. Der 59-Jährige initiierte das Projekt.

Der Akku wurde im Dezember 2020 installiert und vor drei Wochen in Betrieb genommen. «Es handelt sich dabei um den grössten Batteriespeicher seiner Art in der Schweiz», sagt Frölich. Er werde mit dem Energieüberschuss der über 2480 Solarpanels auf dem Dach und dem Autounterstand der Migros Rietbach gespiesen. Die Fotovoltaikanlage liefert seit Juni 2019 bei Idealbedingungen, sprich an einem lichtintensiven Sommertag, bis zu 800 Kilowatt Strom. Damit wird mehr als 100 Prozent der im Gebäude benötigten Energie erzeugt.

Derzeit liefern die 2480 schneebedeckten Solarpanels auf dem Dach der Migros Rietbach nur wenig Energie. An einem lichtintensiven Sommertag erzeugt die Fotovoltaikanlage bis zu 800 Kilowatt Strom.

Derzeit liefern die 2480 schneebedeckten Solarpanels auf dem Dach der Migros Rietbach nur wenig Energie. An einem lichtintensiven Sommertag erzeugt die Fotovoltaikanlage bis zu 800 Kilowatt Strom.

Severin Bigler

Bislang wurde der Überschuss ins Netz eingespiesen. Doch Energiespezialist Frölich fand bereits damals, dass der Energiehaushalt der Migros Rietbach anders gehandhabt werden könnte und schlug vor, den überschüssigen Strom in einer Batterie zu speichern. «Dank ihrer Kapazität von 540 Kilowattstunden kann sie den Energiebedarf des Gebäudes während einer Nacht sicherstellen», erklärt Frölich. Zum Vergleich: Damit könnten etwa fünfzig Einfamilienhäuser einen Tag lang mit Strom versorgt werden.

Nur umweltfreundliche Rohstoffe in der Batterie

Besonders an der Anlage ist aber nicht nur die Grösse, sondern auch der Inhalt. «Die Batteriemodule bestehen im Gegensatz zu vielen Hochleistungsakkus nicht aus Lithium oder Kobalt, sondern aus unbedenklichen und umweltfreundlichen Rohstoffen wie Nickel, Eisen, Keramik und vor allem Kochsalz, das aus den Rheinsalinen im Kanton Baselland kommt», sagt Frölich. Es sei ihm ein persönliches Anliegen gewesen, ein ökologisches Konzept zu unterstützen, das Menschen und der Umwelt möglichst wenig schadet. «Das ­häufig verwendete Lithium wird in Argentinien, Bolivien und Chile gewonnen. Beim Abbau dieses ­Metalls werden riesige Mengen an Wasser verbraucht.»

Wirtschaftlich ist die Anlage noch nicht

Die innovative Technik lässt sich die Genossenschaft Migros Zürich etwas kosten – wie viel wird jedoch nicht verraten. «Da es nur wenige Anbieter gibt und dieses Konzept noch nicht so etabliert ist, ist diese Lösung teurer. Es wird einige Jahre dauern, bis sich die Batterie finanziell auszahlen wird», sagt Frölich. Doch er hoffe, mit diesem Pilotprojekt auch die Weiterentwicklung zu fördern.

Damit die Migros Rietbach ganz energieautark, also unabhängig vom Netz, funktionieren würde, bräuchte es aber noch einen zusätzlichen saisonalen Speicher. «In den könnte man dann die Sommerüberschüsse packen und im Winter beziehen», sagt Frölich. Das Ziel sei nun aber erst einmal Erfahrungen mit dem neu installierten Speicher zu sammeln. «Schweizweit gibt es über 50 Migros-Filialen, die mit Solarstrom betrieben werden. Wir werden anhand unserer Erkenntnisse schauen, wo es sich lohnt, auch eine solche Batterie einzusetzen», sagt Frölich.

Kunden sollen sich über innovative Technik informieren können

Stolz auf die innovativste Migros-Filiale der Schweiz ist Marktleiter André Monn: «Ich finde es super, dass wir auf erneuerbare Energie setzen und kein Öl zum Heizen brauchen.» Nachdem die Migros publik gemacht habe, dass sie diese Anlage hier einbaut, seien einige Kundinnen und Kunden auf ihn zugekommen und hätten sich erkundigt, erzählt Monn.
«Es gibt viele umweltfreundliche Projekte bei der Migros, die unsere Kundschaft nicht kennt – der Speicher ist eines davon.» Deshalb will Monn, sobald die Coronapandemie überstanden ist, einen Tag der offenen Tür veranstalten, an dem interessierte Kundinnen und Kunden einen Blick in die Technik- und Hinterräume der Migros Rietbach werfen können. «Dazu würde dann auch die Besichtigung des Batteriespeichers und der Solaranlage auf dem Dach gehören. Auf der Terrasse hätten wir dann auch noch die Möglichkeit, Würste zu grillieren», sagt Monn.

Marktleiter André Monn präsentiert das frisch eingetroffene Minergie-Zertifikat für die Migros Rietbach. Er ist stolz, dass seine Filiale die innovativste mit dem grössten Batteriespeicher schweizweit ist.

Marktleiter André Monn präsentiert das frisch eingetroffene Minergie-Zertifikat für die Migros Rietbach. Er ist stolz, dass seine Filiale die innovativste mit dem grössten Batteriespeicher schweizweit ist.

Severin Bigler

Eine weitere Idee wäre, eine Anzeigetafel im Eingangsbereich bereitzustellen, auf der die Kundschaft technische Daten nachlesen und sich über die Leistung der Fotovoltaikanlage und den Batteriespeicher informieren kann. Dort wird Monn nun vorerst einmal das an diesem Morgen eingetroffene Schild, das der Migros Rietbach das Minergie-Label bescheinigt, aufhängen.