Schlieren
«Das Gesamtpaket hat überzeugt»: Dieser Neubau ersetzt das ehemalige Pfarrhaus an der Uitikonerstrasse 20

Fünf Projekte standen in der engeren Auswahl beim Architekturwettbewerb für einen Ersatzneubau an der Uitikonerstrasse 20 in Schlieren. Nun hat die reformierte Kirchgemeinde die einzelnen Projekte sowie das Siegerprojekt präsentiert.

Sven Hoti
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Weisse Holzfassade und farbige Storen: So soll der Mehrfamilienhaus-Neubau an der Uitikonerstrasse 20 in Schlieren dereinst aussehen.

Weisse Holzfassade und farbige Storen: So soll der Mehrfamilienhaus-Neubau an der Uitikonerstrasse 20 in Schlieren dereinst aussehen.

Visualisierung: zVg

Einfamilienhaus ade, Mehrfamilienhaus ahoi: Die reformierte Kirchgemeinde Schlieren plant einen Neubau an der Uitikonerstrasse 20, wo derzeit das ehemalige Pfarrhaus steht. Wie dieser Neubau dereinst aussehen soll, hat die reformierte Kirchgemeinde am Donnerstag im Stürmeierhuus erstmals präsentiert. Dafür hat sie die fünf Projekte aus dem Architekturwettbewerb ausgestellt und das Siegerprojekt näher vorgestellt.

Die Kirchgemeinde hatte zwar bereits im Vorfeld mitgeteilt, dass das Zürcher Architekturbüro Solanellas Van Noten Meister sich den Auftrag sichern konnte. Doch bis anhin war wenig bekannt über das Projekt mit dem Namen Yoko. Nun ist die Katze aus dem Sack. Am Samstag, 3. Juli, werden die einzelnen Modelle aus dem Wettbewerb auch der Öffentlichkeit präsentiert. Sie sind im Stürmeierhuus von 11 bis 14.30 Uhr frei zugänglich zur Besichtigung.

Die grossen Fensterfronten sollen die Zimmer grosszügig mit Tageslicht fluten.

Die grossen Fensterfronten sollen die Zimmer grosszügig mit Tageslicht fluten.

Visualisierung: zVg

Geplant sind insgesamt sieben Mietwohnungen, davon sechs 2,5- bis 3.5-Zimmer-Wohnungen mit Lage zur Strasse oder nach Süden hin zu den gemeinschaftlich nutzbaren Gartenflächen. Im obersten Stockwerk soll zudem eine 4,5-Zimmer-Attikawohnung mit Dachterrassen und Ausblick über die Stadt und zum Schlieremer Berg zu liegen kommen.

Das Haus verfügt gemäss Plan über vier Regelgeschosse sowie zwei Untergeschosse. Es befinden sich, ausgenommen das oberste Stockwerk, jeweils zwei Wohnungen pro Geschoss nebeneinander. Loggien auf jeder Etage sind zum Garten ausgerichtet. Die grossen Fensterfronten entlang der Fassade sollen die Zimmer grosszügig mit Tageslicht fluten. Die Erschliessung des Neubaus erfolgt über Norden her. Geplant sind Veloabstellplätze und eine Tiefgarage mit einem Vorplatz und direktem Zugang zum Garten.

Von aussen kommt das Gebäude mit einer weissen Holzfassade mit Aluminium und farbigen Stoffstoren daher. Die Architekten sehen gemeinsame Gartenflächen mit markanten Bäumen und Gartenpflanzen wie etwa Hortensien auf der Südseite des Hauses vor. Die Terrassen der Hochparterrewohnungen setzen sich mit einem kleinen Plateau zum Garten hin ab. Auf dem begrünten Dach besteht die Möglichkeit einer Photovoltaikanlage.

Die Loggien auf jeder Etage sind zum Garten ausgerichtet.

Die Loggien auf jeder Etage sind zum Garten ausgerichtet.

Visualisierung: zVg

Das Team des Architekturbüros Solanellas Van Noten Meister hatte bei der Umsetzung des Projekts nach eigenen Angaben die städtebauliche Entwicklung Schlierens von der ländlichen Ortsgemeinde in eine urbane Kleinstadt thematisiert. Diese Entwicklung sei auf der Parzelle zwischen den eher ländlichen und städtischen Bauten auf der Uitikonerstrasse 20 besonders spürbar, meinte Architektin Marianne Meister bei der Präsentation im Stürmeierhuus.

«Wir haben versucht, hier eine vermittelnde Rolle einzunehmen, gleichzeitig aber auch, einen stolzen Gebäudekörper zur Strasse hin zu realisieren.»

Das Beurteilungsgremium bestehend aus Architekten und Vertretern der reformierten Kirchgemeinde zeigt sich im Jurybericht zum Architekturwettbewerb beeindruckt von der Ausgestaltung des Projekts durch die Jungarchitekten. «Die präzise städtebauliche Setzung, der hohe Gebrauchswert der Wohnungen und der Aussenräume und der stimmige architektonische Ausdruck überzeugen gleichermassen.»

Was sie am meisten überzeugt habe, könne sie nicht sagen, meint Ursula Katz, Finanzverantwortliche der reformierten Kirchenpflege und Teil des Beurteilungsgremiums. «Das Gesamtpaket hat überzeugt.» Wie hoch die Wohnungsmieten dereinst sein werden, ist noch unklar. Kirchenpflegepräsident Robert Welti, ebenfalls Mitglied der Jury, sagt dazu:

«Wir hoffen, dass auch der Mittelstand einziehen kann.»

In einem nächsten Schritt sind die Verantwortlichen dazu angehalten, weiter am Projekt zu feilen. Das Beurteilungsgremium hat dazu diverse Empfehlungen im Jurybericht formuliert, etwa was die baurechtlich erlaubte Ausnützung des Gebäudes angeht. So durchstosse etwa das geplante Attikageschoss gegenwärtig noch das zulässige Dachprofil.

Ein Dorn im Auge der Jury ist zudem das geplante zweite Untergeschoss im Neubau, auf das sie lieber verzichten würden. Ferner sei die Rotbuche auf dem Grundstück beim Zugang zum Haus, die gemäss Bericht infolge ihres schlechten Gesundheitszustandes gefällt werden musste, mit einem markanten Solitärbaum zu ersetzen.

Für die genauere Projektierung hat die reformierte Kirchgemeindeversammlung Mitte Juni einstimmig einen Projektierungskredit über 150'000 Franken genehmigt. Die Finanzierung erfolgt über Eigenmittel und die Investitionsrechnung. Die Kirchgemeindeversammlung hatte bereits im Juni 2019 einen Wettbewerbskredit über 156'000 Franken für die Durchführung des Architekturwettbewerbs genehmigt.

Das aus dem Projektierungskredit auszuarbeitende Vorprojekt dient als Grundlage für eine Urnenabstimmung, die entweder im Herbst 2021 oder im Frühjahr 2022 stattfinden soll. Kirchenpflegepräsident Welti rechnet damit, dass der Neubau, sofern er denn an der Urnenabstimmung gutgeheissen wird, bis 2024 fertiggestellt ist.

Das alte Pfarrhaus muss weichen: Gestützt auf eine Machbarkeitsstudie hat sich die reformierte Kirchgemeinde Schlieren für einen Ersatzneubau an der Uitikonerstrasse 20 entschieden.

Das alte Pfarrhaus muss weichen: Gestützt auf eine Machbarkeitsstudie hat sich die reformierte Kirchgemeinde Schlieren für einen Ersatzneubau an der Uitikonerstrasse 20 entschieden.

Severin Bigler

Das jetzige Einfamilienhaus an der Uitikonerstrasse 20 stammt aus dem Jahr 1928 und diente zuerst als Wohnung für einen Direktor des ehemaligen Schlieremer Gaswerks. Die reformierte Kirchgemeinde erwarb das 111 Gebäude grosse Liegenschaft 1946 und nutzte sie fortan als Pfarrhaus mit Büro. Durch den Wegfall der Wohnsitzpflicht für reformierte Pfarrer per 2019 wurde es nicht mehr für den ursprünglichen Zweck benötigt. Seither steht es leer.

«Das bestehende Gebäude ist in einem schlechten Zustand», schreibt die reformierte Kirchgemeinde in ihrem Jurybericht zum Architekturwettbewerb für den Ersatzneubau. Für eine Weitervermietung seien grössere Investitionen erforderlich. Darüber hinaus sei das 676 Quadratmeter grosse Grundstück mit dem Einfamilienhaus «stark unternutzt», heisst es im Bericht.

Gestützt auf eine Machbarkeitsstudie habe sich die Kirchgemeinde für einen Ersatzneubau entschieden. Eine Aufnahme in das Inventar der kantonalen Denkmalpflege ist laut Jean-Claude Perrin, Liegenschaftsvorstand der reformierten Kirchenpflege, vorgängig beim Kanton abgeklärt, jedoch abgelehnt worden