Energie

Schlieren interessiert sich nicht für Zertifikat als Energiestadt Gold

Während Schlieren seine Prioritäten woanders setzt, erhielt Dietikon im September das Label «Energiestadt Gold». Chris Iseli

Während Schlieren seine Prioritäten woanders setzt, erhielt Dietikon im September das Label «Energiestadt Gold». Chris Iseli

2000-Watt-Gesellschaft Geht es nach der GLP-Ortspartei, sollte Dietikons Energiepolitik als Vorbild dienen.

Schlieren tut zu wenig im Bereich der Energiepolitik. Dies findet zumindest die GLP-Ortspartei. Zwar hält die Stadt seit sieben Jahren das Label Energiestadt und strebt im kommenden Jahr die Verteidigung dieses Titels an. Dass der Nachbar Dietikon Ende September das Prädikat Energiestadt Gold verliehen bekam, gibt für die GLP aber den Anlass, dieses Thema auch in Schlieren auf das politische Parkett zu bringen. Am Dienstag lud die Ortspartei zur Diskussion.

Der Schlieremer GLP-Gemeinderat Nikolaus Wyss will die Energielabels zwar nicht überbewerten, doch würden sie ein Bekenntnis zu den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft darstellen. «Dies wird in Schlieren unserer Meinung nach zu wenig zielstrebig verfolgt», so Wyss. Um das Energielabel Gold anzustreben, fehle es in Schlieren an zwei Dingen. Einerseits würde es an Kommunikation in den Bereichen nachhaltiges Bauen und Sanieren mangeln, andererseits hätte die regionale Vernetzung noch Verbesserungspotenzial. «Nicht nur zu Dietikon und zu anderen Limmattaler Gemeinden, sondern auch zur Gold-Stadt Zürich, die mittlerweile über viel Know-how in diesen Fragen verfügt.»

Initiative als Grundstein

Dass Dietikon einer der Vorreiter in Sachen Energiepolitik ist, liegt unter anderem an der Initiative «Umweltschutz konkret». Diese wurde zwar vom Volk verworfen, ihr Gegenvorschlag dazu im Jahr 2012 jedoch angenommen. Damit wurde in der Dietiker Gemeindeordnung festgehalten, dass sich die Stadt einer ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltigen Entwicklung verpflichtet.

Gestern wurde bekannt, dass der gebürtige Oberengstringer und heutige Rümlanger Gemeindepräsident sowie SP-Nationalrat Thomas Hardegger nach dem Schweizer Solarpreis auch den europäischen Solarpreis erhält. Die Sanierung seines 4-Familien-Hauses in Oberengstringen belegt den 15. Platz. Der Jurybericht unterstreicht, dass der Gesamtenergiebedarf des Hauses um 72 Prozent gesenkt werden konnte und durch die Photovoltaikanlage eine Eigenenergieversorgung von 131 Prozent möglich wird. Mit dem Solarstromüberschuss von jährlich 5750 Kilowattstunden könne ein Elektromobil die Welt einmal umrunden.

Gestern wurde bekannt, dass der gebürtige Oberengstringer und heutige Rümlanger Gemeindepräsident sowie SP-Nationalrat Thomas Hardegger nach dem Schweizer Solarpreis auch den europäischen Solarpreis erhält. Die Sanierung seines 4-Familien-Hauses in Oberengstringen belegt den 15. Platz. Der Jurybericht unterstreicht, dass der Gesamtenergiebedarf des Hauses um 72 Prozent gesenkt werden konnte und durch die Photovoltaikanlage eine Eigenenergieversorgung von 131 Prozent möglich wird. Mit dem Solarstromüberschuss von jährlich 5750 Kilowattstunden könne ein Elektromobil die Welt einmal umrunden.

Um das vom Forum European Energy Award ausgestellte Label Gold zu erhalten, müssen Anwärter mindestens 75 Prozent der im Rahmen ihrer Möglichkeiten liegenden Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz umsetzen – Schlieren erreicht eine Prozentzahl von 61, mit 77 Prozent übertraf Dietikon dieses Ziel just in diesem September. Die geforderten Massnahmen sind vielfältig: So bezahlt Dietikon unter anderem Fördergelder für Solar- oder andere erneuerbare Energien nutzende Anlagen, bietet kostenlose Vorberatungen und erstellte ein energetisches Sanierungskonzept für städtische Immobilien.

Für den Schlieremer Ressortvorsteher Bau und Planung, Markus Bärtschiger (SP), fehlte seiner Stadt nicht viel: «Würden wir wie Dietikon eine Energieberatungsstelle betreiben, dann hätten wir womöglich auch das Goldlabel erreicht», sagt er auf Anfrage. Für eine solche Stelle würden jedoch die finanziellen Ressourcen fehlen. Zudem stelle sich die Frage, ob eine Energiebeauftragte für eine Stadt in der Grösse Schlierens sinnvoll sei.

Aspekte zu wenig berücksichtigt

Der Exekutive sei aber bewusst, dass Schlieren in diesem Bereich noch viel Arbeit vor sich hat. Dieser Effort müsse jedoch nicht zwingend zu einem Gold-Label führen. «In Sachen strukturiertem Vorgehen, Marketing-Vorteilen und Wettbewerbswirkung sind solche Labels sicherlich gut», doch würden einige Aspekte nicht ausreichend berücksichtigt. So erhalte die Schlieremer Stadtentwicklung aus Fachkreisen bessere Noten als diejenige Dietikons und dies könne auch etwas Nachhaltiges sein. «Beispielsweise verhindert der gute Kaltluftstrom, auf den unsere Stadtentwicklung abzielt, die übermässige Nutzung von Klimaanlagen,» erklärt Bärtschiger.

Das Thema Nachhaltigkeit werde im Schlieremer Stadtrat derzeit diskutiert: «Die Exekutive tendiert dazu, den Nachhaltigkeitsbegriff auszuweiten», so Bärtschiger. Dies beinhalte neben der Förderung nachhaltiger Energie auch Nachhaltigkeit in wirtschaftlichen und sozialen Bereichen. Konkrete Massnahmen liessen sich aber noch keine ableiten.

Neben den von Bärtschiger ins Feld geführten Vorteilen des Energielabels, wie Marketing-Vorteile oder Wettbewerb, lassen sich andere Vorteile nur schwerlich beziffern. Der Grund dafür sei, dass diese Investitionen langfristig angelegt sind. «Beispielsweise können mit einer Immobilienstrategie und der resultierenden energetisch optimierten Erneuerungsplanung viel eher Fehlinvestitionen verhindert werden», sagt die Dietiker Energiebeauftragte Anita Binz-Deplazes, die seit August 2013 im Dienst der Stadt ist.

Die von der GLP geforderte engere Zusammenarbeit unter den Energie- und Bauspezialisten der Region hält auch Bärtschiger für eine gute Idee. «Solche Synergien lassen sich immer nutzen, doch am Schluss lautet die Frage immer, wie teuer solche Leistungen werden.» Auch Binz-Deplazes ist überzeugt, dass eine engere Zusammenarbeit und Vernetzung unter den regionalen Bau- und Energiespezialisten in den Limmattaler Gemeinden sowie Zürich Vorteile bringen würde. «Es müsste aber sicherlich klar definiert sein, welche Ziele man erreichen will.»

GLP gibt sich zurückhaltend

Zwar versteht die GLP ihre Diskussion über die Energiestadt-Labels als Kick-off-Veranstaltung im Kampf um mehr Nachhaltigkeit. Weitere konkrete Schritte aber, wie etwa eine Initiative, sieht die Partei – zumindest vorerst – nicht vor. «Viel eher möchten wir mit solchen Anlässen darauf aufmerksam machen, dass Schlieren noch mehr leisten müsste», sagt Wyss. Ziel sei, Verbündete zu finden, für die energetische Nachhaltigkeit ebenfalls wichtig sei. «Von heute auf morgen ist dies sicherlich nicht realisierbar», sagt er und fügt an, dass der Zeitpunkt, als sich Dietikon dazu entschied, zur Gold-Stadt werden zu wollen, das politische Klima günstiger war. Heute würden solche Anliegen mehr Gegenwind erfahren.

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