Schlieren
Honig statt Schaltergeschäfte: Warum die Post auf dem Briefzentrum Mülligen imkert

Auf dem Dach des Schlieremer Briefzentrums leben neu Bienen. Bald könnten es bis zu 240'000 sein, die dieses Jahr rund 78 Kilogramm Honig produzieren werden. Die Idee dazu hatte der Post-Mitarbeiter Rudolf Ricklin.

David Egger
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Imker Peter Grütter (links) und Initiator Rudolf Ricklin besuchen gut geschützt die Schlieremer Post-Bienen auf dem Dach des Briefzentrums Mülligen.

Imker Peter Grütter (links) und Initiator Rudolf Ricklin besuchen gut geschützt die Schlieremer Post-Bienen auf dem Dach des Briefzentrums Mülligen.

zvg

Zuletzt machte die Post in der Region vor allem damit Schlagzeilen, dass sie eine Filiale nach der anderen schliesst. Die Schaltergeschäfte rentieren nicht mehr. In Schlieren baut die Post nun aber aus – sie macht jetzt Honig, auf dem Dach des Briefzentrums Mülligen. Dahinter steckt die Eigeninitiative eines Pöstlers.

Rudolf Ricklin, Mitarbeiter von Post Immobilien, sah im Fernsehen eine Dokumentation dazu, dass die Biodiversität in der Schweiz schwindet. Ricklins Fazit: «Es gibt immer weniger Bienen in der Schweiz.» Dagegen wollte er etwas unternehmen. So kam er auf die Idee, auf einer ungenutzten Fläche des Briefzentrums Mülligen in Schlieren Bienen anzusiedeln. Er erkundigte sich beim Verein Zürcher Bienenfreunde und die Sache nahm ihren Lauf.

Pöstler dürfen sich bald in Bienenhaltung weiterbilden

Seit Mitte März stehen sechs Bienenkästen auf dem Dach des Briefzentrums, wie die Post in der neusten Ausgabe ihres Personalmagazins berichtet. Die Zahl der Bienenkästen soll sogar auf 15 erhöht werden, wenn sich die Post-Bienen gut entwickeln. Dann brauche der Stadtzürcher Imker Peter Grütter, der sich um sie kümmert, aber Unterstützung. Deshalb ist angedacht, dass sich interessierte Pöstler dereinst in der Bienenhaltung weiterbilden können.

Aktuell sei die Post an einer Umfrage, um unter den rund 1500 am Standort Mülligen beschäftigten Pöstlern Interessierte zu finden, sagt Post-Sprecher Markus Werner zur «Limmattaler Zeitung». Zudem: Eine Mitarbeiterin sei ausgebildete Imkerin und werde dem verantwortlichen Imker helfend zur Seite stehen. «Das Engagement der Mitarbeitenden wird sehr begrüsst, gilt jedoch nicht als Arbeitszeit», stellt Werner auf Anfrage klar.

Imker Peter Grütter geht zurzeit zwei- bis dreimal pro Woche bei den summenden Pöstlern vorbei. Es sind so einige: In jedem Bienenkasten lebt ein Volk mit aktuell rund 14000 Bienen. Bis zur Sonnenwende am 21. Juni kann ein solches Volk auf rund 40000 Bienen anwachsen. Mal sechs Bienenkästen ergibt das knapp 240000 Bienen. Pro Volk wird mit rund acht Kilogramm Frühjahrshonig im Juni und fünf Kilogramm Sommerhonig im August gerechnet. Dazu Post-Sprecher Werner:

«Die Honig­ernte ist abhängig vom Wetter und dem Futterangebot in der Umgebung.»

Post will einen Beitrag zum Erhalt von Bienen leisten

Es gehe aber nicht darum, möglichst viel Honig zu produzieren. «Wir möchten einen Beitrag leisten, dass die für den Menschen und die Natur so wichtigen Bienen erhalten bleiben.» Der Honig sei nur ein süsses Nebenprodukt.

Er kommt in Zeiten, die für manche Post-Kunden bitter sind: Weil die Schaltergeschäfte nicht mehr rentieren, schliesst die Post im Herbst die Filiale Dietikon 2 Brunau im Schönenwerd-Quartier (die «Limmat­taler Zeitung» berichtete).