Die Geschichten in Büchern ermöglichen einen Einblick in eine andere Welt. Zwei Autorinnen, die zum diesjährigen Lesezyklus der Bibliothek Schlieren in Zusammenarbeit mit der Kulturkommission Schlieren für eine Lesung geladen sind, werden die Besucher und Besucherinnen mit ihren Werken in die Bergwelt führen. Gestartet wird am Montag mit der Begegnung der Soziologin Sybille Bayard Walpen, die Einblick in ihre Familiengeschichte mit ihrem Buch «Der Clan vom Berg – eine Walliser Grossfamilie erzählt» gewährt.

Sie sei fasziniert gewesen, erzählt Monique Roth, Leiterin der Bibliothek Schlieren, die seit über 20 Jahren die Abende im Januar jeweils gestaltet: «Es ist ein besonderes Eintauchen in eine andere Zeit im Kanton Wallis zu Beginn des letzten Jahrhunderts und im Buch kommen jene Familienmitglieder zu Wort, die in den 1920er- und 1930er-Jahren zur Welt kamen.» Die Diversität der Beschreibungen und Empfindungen, die die elf Geschwister über das damalige Leben sowie über deren Mutter, die mit starkem Glauben verwurzelt gewesen sei, schildern, sei eindrücklich. Bei der Lesung werden zudem drei Familienmitglieder anwesend sein.

Vorbereitungen im Sommer

Ebenfalls von der bäuerlichen Lebensweise in den Bergen handelt das Buch von Daniela Schwegler, die diese Welt mit ihrem neuen Band «Landluft, Bergbäuerinnen im Porträt» auf eine andere Weise näherbringen wird. Es sei eine Kunst, wie Schwegler die zwölf Menschen im Alter zwischen 18 und 86 zum Reden bringe, und die dazugehörigen Bilder haben eine eigene Sprache und werden auch an der Lesung Ende Januar ein Thema sein, sagt Roth. Es gehe bei der diesjährigen Titelwahl «Menschen und Begegnungen» auch darum, den Raum zu öffnen für diese doch allgemeingültige Aussage, die zu jedem Buch passen könnte. Bereits im Sommer liefen die Vorbereitungen und die Auswahl der Trilogie.

Sprache des Herzens

Eine Begegnung mit einer ganz anderen und fremden Kultur wird im Roman «Chaya» der Basler Autorin Kathy Zarnegin thematisiert: Man müsse die Sprache des Streits lernen und die der Wut, die Sprache des Ehrgeizes und die des Spiels, die des Hasses und die der Liebe, heisst es in ihrer Erzählung über Chaya, die mit 14 Jahren in die Schweiz emigriert und fortan versucht, sich vom persischen Leben, welches sich auch in der Sprache spiegelt, abzulösen: «Ich hatte ja meine Milch-und-Honig-Sprache radikal aufgegeben und mit inniger Sehnsucht begonnen, aus der fremden Schicksalssprache eine Muttersprache zu machen». Die Muttersprache sei die Sprache des Herzens, man könne eben nicht alles so ausdrücken, wie man es in der Erstsprache tun kann.

Begegnung ist auch das Thema der momentanen Ausstellung im Schaufenster der Bibliothek Schlieren, die fleissig angesehen werde und auf Interesse stosse, sagt Roth – ein Thema also, welches fasziniert. Dass ihre Auswahl in diesem Jahr auf drei Frauen fiel, sei aber Zufall gewesen. Die Aktualität der Autoren und Autorinnen und ihrer Werke sei ihr wichtig.