Schlieren
Heisses Eisen: Der Stadtrat will die Verantwortung für die Gleisquerung Reitmen an den Kanton abgeben

Weil die Kosten und die Komplexität viel zu hoch für eine Gemeinde seien, fordert der Schlieremer Stadtrat ein Umdenken. Dass er damit dem immer stärker werdenden Widerstand gegen das Projekt entkommen will, sei nicht der Fall, sagt Bauvorstand Stefano Kunz (CVP/Die Mitte).

Alex Rudolf
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Hier in der Nähe des Schulhauses Reitmen könnte die Gleisquerung hinkommen.

Hier in der Nähe des Schulhauses Reitmen könnte die Gleisquerung hinkommen.



Bild: Sandra Ardizzone

In den beiden vergangenen Jahrzehnten legte Schlieren ein beachtliches Wachstum an den Tag. Lebten zur Jahrtausendwende erst knapp 12'800 Menschen in der Stadt, so durchbricht sie bald die 20'000er-Grenze. Vorwiegend im Westen, wo früher mit Gebrauchtwagen gehandelt wurde, stehen heute grosse Wohnblöcke und herrscht buntes Treiben.

Um das Quartier besser ans Netz des städtischen Langsamverkehrs anzubinden, beabsichtigt der Stadtrat, im Gebiet des Schulhauses Reitmen eine Querung der SBB-Gleise zu erstellen. Neben einem direkten Anschluss an die Limmat würde Schlieren West so auch Zugang zur Veloschnellroute erhalten, die zwischen Killwangen und Zürich-Altstetten erstellt werden soll.

Doch die Planung einer solchen Unter- oder Überführung der Gleise geriet ins Stocken. Weil es um die Finanzen der Stadt nicht gerade rosig bestellt ist, sagten einige SVP-Gemeinderäte dem Projekt den Kampf an. Und dies durchaus erfolgreich: In der Budgetsitzung vom Dezember strich das Parlament 50'000 Franken, mit denen die ersten Planungsschritte hätten durchgeführt werden sollen.

Wäre die Finanzlage der Stadt besser, würden auch wir gerne eine Querung bauen, sagte etwa Gemeinderat Thomas Grädel (SVP). «Dies ist jedoch leider nicht der Fall.» Mit 22 zu 10 Stimmen war der Streichungsantrag unumstritten. Bauvorstand Stefano Kunz (CVP/Die Mitte) betonte damals, dass man auch im kommenden Jahr diesen Budgetposten wieder beantragen werde. Da nämlich im kommunalen Verkehrsplan und im Stadtentwicklungskonzept ebendiese Querung vorgesehen sei, bestehe letztlich ein Behördenauftrag, den Stadtrat und Gemeindeparlament befolgen müssten.

Im Agglomerationsprogramm geniesse
Reitmen-Querung geringe Wichtigkeit

Besagte Querung ist auch Teil des Agglomerationsprogramms der vierten Generation. Darin enthalten sind unter anderem Infrastrukturprojekte, die mit Bundesgeldern bedacht werden. Im Limmattal stehen Projekte zur Förderung des Fuss- und Veloverkehrs im Vordergrund unter anderem mehrere Gleisquerungen. Wie aus einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung des Stadtrats hervorgeht, steht er hinter den darin festgehaltenen Massnahmen. Neben der geplanten Veloschnellroute zwischen Killwangen und Zürich-Altstetten, die durch Schlieren führt, ist die Gleisquerung im Bereich Wagistrasse das zweite grosse Projekt auf Stadtgebiet. Bei beiden ist der Kanton federführend.

Bei der Realisierung der Querung Reitmenweg, die auch Teil des Agglomerationsprogramms ist, jedoch eine geringere Wichtigkeit geniesst, kommt es zu Verzögerungen. Der Grund: Arbeiten in Gleisnähe sind stets heikel und müssen über die SBB im gesamten Limmattal koordiniert erfolgen, sagt Kunz auf Anfrage. Eine entsprechende Strategie wird derzeit vom Kanton gemeinsam mit den SBB und den Standortgemeinden erarbeitet. Wahrscheinlich ist, dass die Querung in das nächste Programm aufgenommen wird und somit erst nach 2029 realisiert werden kann. Das hat laut Stadtrat auch Vorteile, denn er möchte die Federführung abgeben:

«Es verschafft uns Zeit, die regionale Bedeutung dieser Gleisquerung noch besser aufzuzeigen und sie damit in kantonale Trägerschaft zu überführen.»

«Mit dem Widerstand aus dem Parlament von vergangenem Dezember hat dies nichts zu tun», sagt Kunz weiter. Eher habe man festgestellt, dass es wenig sinnvoll sei, ein Projekt, das unter laufendem SBB-Betrieb und abgestimmt auf andere kantonale Projekte umgesetzt werden soll, unter kommunaler Federführung anzugehen.

Wie gedenkt der Stadtrat ebendiese regionale Bedeutung aufzuzeigen? Konkrete Massnahmen erwähnt Kunz keine. Doch ergänzt er, dass der Kanton neben der Federführung auch einen Grossteil der Kosten übernehmen solle. Ob dies klappt und die Planungskosten, die das Parlament stets verweigert, somit hinfällig werden, ist offen.

Lehne der Kanton diesen Vorschlag ab und das Parlament verweigere weiterhin den Betrag für Planungskosten, bestehe der Behördenauftrag weiterhin, so Kunz. Schliesslich müsse man sich dann überlegen, wie es weitergehe.

In der Parlamentsdebatte im Dezember machte etwa Songül Viridén (GLP) einen unkonventionellen Vorschlag. Sie wollte wissen, ob man bei den Grossverteilern auf der anderen Seite der Gleise um finanzielle Unterstützung gebeten habe. Schliesslich würden auch diese von einem neuen Zugang profitieren.