Schlieren
Hat sie jetzt mehr Chancen? Die SP versucht es erneut mit ihrer Forderung nach einer Tagesschule

Rixhil Agusi (SP) verlangt in einer Motion eine Ganztagesbetreuung für Schlieremer Schüler. Es handelt sich bereits um den zweiten Anlauf der Partei in dieser Sache.

Lukas Elser
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Rundumbetreuung: Das bietet eine Tagesschule.

Rundumbetreuung: Das bietet eine Tagesschule.

Sandra Ardizzone

Seit fast einem Jahrzehnt pocht die SP auf die Einführung einer Tagesschule in Schlieren. Doch bis anhin konnte sie das Anliegen nicht durchsetzen. In der Hoffnung, dass die Dinge jetzt anders liegen, versucht sie es jetzt auf ein Neues.

Rixhil Agusi (SP) hat zusammen mit 12 weiteren Gemeindeparlamentsmitgliedern der Grünen und der Grünliberalen, des Quartiervereins und ihrer eigenen Partei eine Motion eingereicht. Darin verlangt Agusi vom Stadtrat, «ein Konzept für eine Tagesschule nach Vorbild der Stadt Zürich für die Primarstufe auszuarbeiten». Und zwar soll er dem Parlament eine Vorlage für einen vierjährigen Pilotversuch vorlegen.

Weg- und Zeitersparnis

Agusi argumentiert mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie: «Es möchten oder müssen immer mehr beide Elternteile arbeiten.» Der Vorteil einer Tagesschule für beruflich stark eingebundene Eltern liegt auf der Hand: Kinder werden von morgens bis abends durchgehend betreut. Das Mittagessen nehmen sie in der Schule ein und nach Schulschluss findet womöglich auch noch eine Hausaufgabenbetreuung statt. Die Eltern müssen ihre Kinder also nur am Morgen in der Schule abgeben und am Abend wieder abholen. Damit bleibt ihnen der ganze Tag zum Arbeiten.

Zu einer Tagesschule gehört auch das Mittagessen.

Zu einer Tagesschule gehört auch das Mittagessen.

Georgios Kefalas/ Keystone

Mit dem bestehenden Angebot ist Parlamentarierin Agusi nicht zufrieden. Sie schreibt:

«Zurzeit bietet die Stadt Schlieren Hort und Mittagstisch an. Dies ist nur das Minimum, was vom Volksschulgesetz verlangt wird. Tagesschulen bieten mehr.»

Agusi hebt hervor, dass eine Tagesschule Betreuungsangebote, die sonst womöglich an verschiedenen Orten aufgesucht werden müssten, zentral vereint. Für die Kinder bedeute das eine Wegersparnis. Weiter bringe das Ineinandergreifen von Schule und Betreuung Ruhe und Konzentration in ihren Alltag.

Die Gemeinderätin findet, dass dieses Angebot ein Standortvorteil für die Stadt sein könnte: «Schlieren wird für mittelständische Familien attraktiver, wenn sie für ihre Kinder eine Ganztagsbetreuung in Anspruch nehmen können.»

Agusi verweist zudem auf Dietikon, wo das Angebot kürzlich im provisorischen Schulhaus Stierenmatt eingeführt wurde.

Das Stierenmatt-Schulhaus in Dietikon ist als Tagesschule konzipiert.

Das Stierenmatt-Schulhaus in Dietikon ist als Tagesschule konzipiert.

Severin Bigler

Einst wurde das Anliegen deutlich abgelehnt

Das Anliegen ist nicht neu. Bereits vor neun Jahren hatte die SP eine fast gleichlautende Motion eingereicht. Die damalige Gemeinderätin Béatrice Miller vermochte das Parlament im Jahr 2014 aber nicht von ihrer Forderung zu überzeugen: Es erklärte das Anliegen mit 18 zu 11 Stimmen als nicht erheblich und schrieb die Motion als erledigt ab.

Schulpflegepräsidentin Bea Krebs (FDP) stellte sich damals auf den Standpunkt, dass das bestehende Angebot mit modularen Tagesstrukturen wie Hort, Mittagstisch und Randzeitenbetreuung ausreichend sei.

Die Stadträtin betonte in der Vergangenheit stets, dass sie dem Konzept Tagesschule positiv gegenüberstehe. Sie wandte aber gleichzeitig ein, dass eine Tageschule nur separiert vom herkömmlichen Schulbetrieb funktionieren könne und man deshalb ein zusätzliches Gebäude für sie bereitstellen müsse.

Agusi ist positiv gestimmt

Die «Limmattaler Zeitung» fragte die Motionärin Agusi, wieso dasselbe Anliegen jetzt mehr Chancen haben soll als beim ersten Versuch. Sie antwortete:

«Die Tagesschule wäre sicher schon 2012 beim Volk gut angekommen. Leider hat aber das Parlament die Motion von Béatrice Miller bachab geschickt. Das Volk hatte gar nie die Möglichkeit, auch darüber zu entscheiden.»

Augsi glaubt, dass sich die Bevölkerungsstruktur in Schlieren verändert hat: «Zum einen sind viele Neubauwohnungen in einem höheren Preissegment entstanden und zum anderen sind viele Familien hierher gezogen. Das heisst Doppelverdiener. Und die brauchen eine gute Betreuung für Ihre Kinder.»

Agusi hat im Januar 2020 in einer nicht repräsentativen Umfrage 8300 Schlieremer Haushalte zum Thema befragt. Wer an der Umfrage teilnahm, konnte einen von drei Einkaufsgutscheinen im Wert von 50 Franken gewinnen. Gemäss Agusi haben 103 Personen an der Befragung teilgenommen. 80 davon hätten sich für das Anliegen ausgesprochen.

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