Schlieren
«Es stimmt mich schon ein bisschen wehmütig»: Schwester Elisabeth Müggler stellt ihre Kunst aus und zieht damit einen Schlussstrich

Über 20 Jahre lang hat Elisabeth Müggler Klosterarbeiten angefertigt. Die rund 50 in dieser Zeit entstandenen Werke zeigt sie nun bald im katholischen Pfarreizentrum in Schlieren.

Virginia Kamm
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Schwester Elisabeth Müggler aus Schlieren hofft, die Kunst der Klosterarbeiten, die immer mehr verschwindet, in die Welt tragen und erhalten zu können.

Schwester Elisabeth Müggler aus Schlieren hofft, die Kunst der Klosterarbeiten, die immer mehr verschwindet, in die Welt tragen und erhalten zu können.

Virginia Kamm

«Klosterarbeiten haben für mich etwas Meditatives», sagt Schwester Elisabeth Müggler. «Sie haben mich immer zentriert und zur Ruhe gebracht.» So beschreibt die 81-jährige Schlieremerin ihre Leidenschaft für das aufwendige Erstellen von Kunstwerken, die ihren Ursprung in geschlossenen Klöstern des 17. Jahrhunderts haben. Über 20 Jahre lang hat Müggler, die als Ordensmitglied der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz den Ingenbohler Schwestern angehört, Klosterarbeiten angefertigt. Die rund 50 in dieser Zeit entstandenen Werke stellt sie bald aus: Vom 5. bis 7. November zwischen 10 Uhr und 20 Uhr kann man sie im katholischen Pfarreizentrum in Schlieren bewundern.

Müggler hätte ihre Kunstwerke schon letztes Jahr ausstellen wollen, weil sie 2020 gleich drei Jubiläen feierte: Sie wurde 80, lebte seit 50 Jahren in Schlieren und fertigte seit rund 20 Jahren Klosterarbeiten an. Doch die Coronapandemie machte ihr einen Strich durch die Rechnung. «Ich wurde von allen Seiten gebeten, die Ausstellung dieses Jahr nachzuholen», erzählt sie. Die Ausstellung ist für die Schwester auch ein Abschluss. Weil ihr Augenlicht immer mehr nachlässt, wird sie in Zukunft nämlich keine Klosterarbeiten mehr gestalten können.

Für ein Kunstwerk braucht sie acht volle Arbeitstage

Klosterarbeiten gibt es in vielen verschiedenen Techniken. Am liebsten arbeitet Müggler nach einer Technik namens Krüll. Dabei dreht sie wenige Millimeter breite Papierstreifen mit einer Nadel auf, bis sie spiralförmig sind. So entsteht ein einzelnes Ornament eines grösseren Gebildes. «Ich mag die Nifeliarbeit», sagt Müggler. Eine andere Technik seien die Wickelarbeiten, erklärt sie. Dabei umwickelt man Kartonstücke mit einem feinen Goldbouillon. Auch Stickereien, Blumen aus Seidenfäden, Leinen-Stoffstücke, Kreuze, Heiligenfiguren und andere Kostbarkeiten sind Elemente der Klosterarbeiten.

So sieht eine Klosterarbeit aus, die nach der Krüll-Technik entstanden ist.

So sieht eine Klosterarbeit aus, die nach der Krüll-Technik entstanden ist.

Virginia Kamm

«Für ein Kunstwerk brauche ich etwa acht volle Arbeitstage», sagt Müggler. Manchmal dauere es schon ein oder zwei Tage, bis sie ein Konzept habe, wie das geplante Bild später aussehen soll. Auch das richtige Material darf nicht fehlen: Um Bilderrahmen, Papier, Golddrähte, antike Stoffe und Medaillen aufzutreiben, ist Müggler deshalb auch immer wieder an Flohmärkten unterwegs.

Verkauft hat die Schwester noch kein einziges ihrer Werke. Sie sagt:

«Den Wert dieser aufwendigen Arbeit kann man sowieso nicht zahlen.»

Zudem sei es ihr bei ihrer Kunst nie um Gewinn gegangen. Viel lieber verschenkt sie die Klosterarbeiten. Dies wird sie auch mit ihrer gesamten in den letzten 20 Jahren entstandenen Sammlung tun: «In Ingenbohl eröffnet bald ein neues Alterszentrum», sagt sie. «In dessen Eingang sollen meine Kunstwerke in einer Glasvitrine zu sehen sein.» So hofft sie, die Kunst der Klosterarbeiten, die immer mehr verschwindet, in die Welt tragen und erhalten zu können.

An Kunst sei sie schon immer interessiert gewesen, sagt Müggler. Zu den Klosterarbeiten ist sie schliesslich 1999 gekommen, als sie in Linz ein Seminar gab. Dort besuchte sie eine Ausstellung von Klosterarbeiten und war begeistert. «Ich habe schon lange ein feines Kunsthandwerk für mich gesucht», sagt sie. Darauf folgten mehrere Wochenkurse in Linz und später auch in der Schweiz auf der Alp Gitschenen im Kanton Uri.

Am Apéro gibt es Zöpfe der Urdorfer Bäckerei Lehmann

«Es stimmt mich schon ein bisschen wehmütig, dass mit der Ausstellung für mich Schluss ist mit den Klosterarbeiten», sagt Müggler. Trotzdem freue sie sich sehr auf den Anlass. «Er wird sicher gut besucht sein, schliesslich kenne ich so viele Leute», sagt sie. Der Name der Ausstellung lautet «Klosterarbeiten – Volksfrömmigkeit». «Ich habe die Klosterarbeiten auch immer mit dem Gebet verbunden», begründet sie dies. Sie sei nie eine Nonne gewesen, die stur ihre Anzahl Gebete pro Tag verrichtet habe, denn für sie sei Gott immer mit ihr.

Am Freitag, 5. November, um 18 Uhr findet in der Kirche St. Josef die Eröffnungsfeier der Ausstellung statt. Dabei hält der Schriftsteller Max Feigenwinter eine Laudatio und das Duo Anima, bestehend aus den zwei Schlieremer Musikerinnen Sandra Lützelschwab-Fehr und Susanne Rathgeb-Ursprung, sorgt für musikalische Unterhaltung. Danach erwartet die Gäste ein Apéro mit Wein und verschiedenen Zöpfen der Urdorfer Bäckerei Lehmann. Für die Ausstellung und die Feier ist ein Covid-Zertifikat nötig.