Schlieren
Die Diskussion zu waghalsigen Manövern in der Freiestrasse ist vorerst beendet – aber zufrieden ist das Parlament noch nicht

Nach wie vor fahren in der Freiestrasse in Schlieren immer wieder Autos auf das Trottoir. Ein Postulat von Beat Kilchenmann (SVP), das sich mit dieser Gefahr befasste, ist nun zwar abgeschrieben. Ob es der letzte Vorstoss zum Thema war, wird sich zeigen.

David Egger
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Autofahrer fahren in der Schlieremer Freiestrasse oft aufs Trottoir – sogar wenn ein Rollstuhlfahrer dieses benutzt (siehe roter Pfeil).

Autofahrer fahren in der Schlieremer Freiestrasse oft aufs Trottoir – sogar wenn ein Rollstuhlfahrer dieses benutzt (siehe roter Pfeil).

zvg

Um keine Sekunde warten zu müssen, weichen Autofahrer in der Freiestrasse in Schlieren immer wieder aufs Trottoir aus. Denn die versetzt platzierten Parkplätze auf der Strasse nehmen Platz weg und machen die Situation zuweilen unübersichtlich. Statt entsprechend langsam und somit sicher durch das Quartier zu fahren, weichen viele Autofahrer immer wieder aufs Trottoir aus. Sie gefährden damit insbesondere Velofahrer und Fussgänger.

Beat Kilchenmann (SVP) hat deshalb im Schlieremer Parlament ein Postulat eingereicht. Der Stadtrat kam aber zum Fazit, die Situation sei «zumutbar». Das passte dem Parlament nicht. Es sagte im Februar Nein zum stadträtlichen Antrag auf Abschreibung des Postulats.

Polizei kontrollierte 49 Stunden lang

Nun hat der Stadtrat die Stadtpolizei Schlieren/Urdorf losgeschickt, um vor Ort zu kontrollieren. Im April führte diese im Rahmen einer Schwerpunktaktion sechs Kontrollen durch. Aus den total 49 Kontrollstunden resultierten dann allerdings nur zwei Anzeigen wegen Befahrens des Trottoirs. Hinzu kamen fünf Ermahnungen und drei Ordnungsbussen wegen fehlendem Licht, Nichttragen der Gurte und Telefonieren am Steuer. Das bestätige, dass die Situation an der Freiestrasse normal sei, fand der Stadtrat, und beantragte erneut, das Postulat Kilchenmann abzuschreiben.

Dieser zeigte sich am Montag im Parlament damit einverstanden. Denn er ist dagegen, Postulate immer wieder stehen zu lassen. Zudem sei der Stadtrat dem Auftrag, die Sache zu prüfen, nachgekommen. Anwohner Kilchenmann machte aber auch klar, dass er in der Sache noch nicht zufrieden ist. Zwei Personen aus seiner Nachbarschaft hatten diesen Sommer an zwei Tagen je zehn Minuten die Freiestrasse beobachtet. Sie stellten viel mehr Verstösse fest als die Stadtpolizei in 49 Stunden, wie Kilchenmann mit eindrücklichen Fotos bewies (ein Beispiel siehe links).

Thomas Widmer (QV) stellte den Antrag, das Postulat nicht abzuschreiben. Seine Parteikollegin Gaby Niederer wies darauf hin, dass im April, als die Polizei vor Ort war, noch Lockdown herrschte. Sie machte beliebt, die Kontrolle nun, wo wieder mehr Verkehr herrscht, nochmals zu wiederholen. Erwin Scherrer (EVP) war ebenfalls dafür, das Postulat auf der Pendenzenliste des Stadtrats zu belassen. Er forderte, dass die Polizei präsenter ist, Bussen verteilt und die Verkehrsteilnehmer erzieht. Markus Weiersmüller (FDP) war für die Abschreibung, aber:

«Auch mir ist aufgefallen, dass die Verkehrssitten in Schlieren verrohen.»

Die FDP wünsche sich, dass solchem Verkehrsgebaren ein Riegel geschoben werde. Auch Manuel Kampus (Grüne) sieht das Problem. Er würde es aber ganz anders lösen: mit einer Begegnungszone oder einem Einbahnregime in der Freiestrasse.

Das Parlament hiess dann mit 25 zu 4 Stimmen die Abschreibung gut. Zum Schluss der Diskussion hatte Kilchenmann festgehalten, dass trotz der Abschreibung die Voten im Parlament relativ klar seien. Das sei auch ein Auftrag an die Stadtpolizei von Sicherheitsvorstand Pascal Leuchtmann (SP). Dieser taxierte die Situation an der Freiestrasse allerdings als «nicht problemlos, aber normal». Und weiter:

«Wenn wir allen Wünschen nachkommen würden, müssten wir die vierfache Mannschaft haben.»

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