Schlieren
Nach Kritik an der Zufahrt: «Die Abstimmungen zum Alterszentrum und zum Stadtsaal sind nicht vergleichbar»

Die Herrin über die Schlieremer Finanzen gibt Auskunft zur immer lauter werdenden Kritik an der Planung des neuen Alterszentrums an der Bachstrasse. Es steht viel auf dem Spiel: In einem Jahr stimmt das Volk über einen 45-Millionen-Kredit ab.

Alex Rudolf
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«Obwohl die Kritikerinnen und Kritiker die Anbindung scharf kritisieren, sind sie sich einig, dass Schlieren dieses Alterszentrum braucht und dass bei der Geissweid der richtige Standort dafür ist», sagt die parteilose Stadträtin Manuela Stiefel.

«Obwohl die Kritikerinnen und Kritiker die Anbindung scharf kritisieren, sind sie sich einig, dass Schlieren dieses Alterszentrum braucht und dass bei der Geissweid der richtige Standort dafür ist», sagt die parteilose Stadträtin Manuela Stiefel.

Bild: Alex Spichale

Wer Manuela Stiefel zuhört, der merkt, dass das neue Alterszentrum an der Bachstrasse in ihrer Vorstellung bereits existiert. Detailliert beschreibt sie die Höhe, die Zufahrt und das Material (es soll vorwiegend Holz aus dem städtischen Wald sein). Die «Limmattaler Zeitung» trifft die parteilose Finanzvorsteherin auf dem Stück Land beim Geissweidplatz, um über das Millionenprojekt zu sprechen. Ein Fauxpas ihres Stadtratskollegen, Bauvorstand Stefano Kunz (CVP), bezüglich der verkehrstechnischen Anbindung des Alterszentrums hatte zahlreiche Leserbriefe zur Folge, in denen sich der Stadtrat so einiges anhören musste.

Konkret geht es darum, dass Bewohnende und Besuchende, die mit dem Auto unterwegs sind, das Gebäude über die Nassacker-, die Freie- und schliesslich die Obere Bachstrasse erreichen werden. Die Zufahrt auf der Nordseite, wo auch der Geissweidplatz ist, ist ausschliesslich Zulieferern und Taxis vorbehalten. Bewohnende der Oberen Bachstrasse befürchten massiven Mehrverkehr, der durch die 60 zusätzlichen Wohneinheiten des Alterszentrums entstehen wird und verlangen, anders zu planen. Die ganze Anbindung soll über die Badenerstrasse, eine Kantonsstrasse, vonstattengehen. Dem Stadtrat wird vorgeworfen, er habe sich beim Kanton nicht vehement genug für diese Lösung eingesetzt.

Von allen Seiten hagelt es derzeit Kritik. Gerät Ihnen das 45-Millionen-Projekt ausser Kontrolle?

Manuela Stiefel: Keinesfalls. Bei der geäusserten Kritik rückte nur ein einziger Aspekt der Planung ins Zentrum. Obwohl die Anbindung scharf kritisiert wird, ist man sich einig, dass Schlieren dieses Alterszentrum braucht und dass auf diesem städtischen Grundstück am Rande des Stadtparks der richtige Standort dafür ist.

Dennoch wird dem Stadtrat vorgeworfen, er habe sich beim Kanton nicht stark genug für die Bedürfnisse der Quartierbewohner eingesetzt.

Solche Aussagen schmerzen natürlich. Denn befasst man sich detailliert mit dem Projekt, sieht man schnell, dass dies nicht der Fall ist. Als wir im Anfangsstadium mit diesem Projekt beim Kanton vorstellig wurden, hiess es, sämtliche Erschliessung mit dem motorisierten Individualverkehr müsse über die Freie- und Obere Bachstrasse abgewickelt werden. Uns war auch bewusst, dass man bei einer Kantonsstrasse wie der Badenerstrasse nicht beliebig viele Ein- und Ausfahrten erstellen darf. Im Planungs- und Baugesetz ist genau festgehalten, was möglich ist und was nicht.

Was ist hierfür der Grund? Befürchtet man Rückstau auf der Badenerstrasse?

Das Bauvorhaben befindet sich im Nahbereich einer Staatsstrasse und unterliegt den Bestimmungen des Planungs- und Baugesetz. Es war sehr aufwendig, dem Kanton den Nachweis zu erbringen, dass die Einfahrt von der Badenerstrasse zum Alterszentrum für Zulieferer und Taxis überhaupt bedenkenlos möglich ist.

Auf diesem Landstück, das von der Alten Badenerstrasse (Pischte 52), dem Ortsmuseum und dem Geissweidplatz umgeben ist, soll das neue Alterszentrum entstehen.

Auf diesem Landstück, das von der Alten Badenerstrasse (Pischte 52), dem Ortsmuseum und dem Geissweidplatz umgeben ist, soll das neue Alterszentrum entstehen.

Bild: Alex Spichale

Also erachten Sie die vorliegende Lösung als Erfolg?

Als ganz grossen Erfolg. Unser Argument lautete, dass die drei Bauernhäuser zwischen Alter und Neuer Badenerstrasse auch für den Autoverkehr erschlossen werden müssen. Dass der Kanton uns erlaubt, die grossen Fahrzeuge der Zulieferer und die Taxis ebenfalls über diese Einfahrt verkehren zu lassen, ist zu Gunsten der Anwohner der Oberen Bachstrasse ein grosses Zugeständnis. Hätte der Kanton uns diese Lösung nicht in Aussicht gestellt, wäre dieser Standort für ein neues Alterszentrum für uns überhaupt nicht infrage gekommen.

Als Quartierverein-Gemeinderätin Gaby Niederer in der Parlamentssitzung von November fragte, warum die Zufahrt über die Badenerstrasse nicht möglich sei, sagten Sie, eine solche sei schlichtweg nicht vorgesehen. War dies zu unpräzise?

Meine zurückhaltende Antwort hatte einen Grund. Damals hatten wir vom Kanton noch keine definitive Zusage, dass die Zufahrt für Anlieferer und Taxis bewilligt wird. Zwischenzeitlich fällte der Kanton diesen Entscheid.

Einsprachen sind chancenlos?

Über die Obere Bachstrasse, die 6 Meter breit ist, werden heute 21 Wohnungen erschlossen, mit dem Alterszentrum kommen 60 dazu. Gemäss der kantonalen Zugangsnormalie können im dicht bebauten Umfeld mit guter öV-Erschliessung jedoch bereits über eine Strasse mit 4,75 Meter Breite rund 60 Wohneinheiten erschlossen werden. Anwohner können sich zwar auf ihr Gewohnheitsrecht berufen, aber das Grundstück befindet sich in der Kernzone und ist klar bewilligungsfähig.

Spielraum für Änderungen am Projekt besteht keiner?

Nicht bezüglich der Anbindung. Bezüglich des Bauprojekts, welches wir voraussichtlich im ersten Halbjahr 2022 den Stimmberechtigten unterbreiten, gibt es noch offene Punkte. Beispielsweise die Anzahl Parkplätze.

Das Projekt ist komplex und die Pandemie macht es unmöglich, Informationsveranstaltungen durchzuführen. Wie macht der Stadtrat der Bevölkerung diesen 45-Millionen-Baukredit schmackhaft?

Der Stadtrat ist sich der Bedeutung der «Limmattaler Zeitung» als amtliches Publikationsorgan sehr bewusst und schätzt die Berichterstattung. Das physische Zusammensein in Form von Partei- oder Informationsveranstaltungen können auch wir aktuell nicht ersetzen. Über das Projekt wird jedoch erst 2022 abgestimmt, bis dann werden Veranstaltungen hoffentlich wieder möglich sein.

Die Zufahrt von der Badenerstrasse zu den bestehenden Wohnhäusern besteht bereits. Über diese werden dereinst auch Taxis und Anlieferer zum Alterszentrum gelangen.

Die Zufahrt von der Badenerstrasse zu den bestehenden Wohnhäusern besteht bereits. Über diese werden dereinst auch Taxis und Anlieferer zum Alterszentrum gelangen.

Bild: Alex Spichale

Hand aufs Herz: Droht ein Debakel wie vor drei Jahren, als das Volk den Kredit für den Stadtsaal-Architekturwettbewerb bachab schickte?

Die Parallelen dieser beiden Geschäfte bestehen nur auf den ersten Blick. Der Alterszentrum-Baukredit gelangt zur Volksabstimmung und wird sehr konkret bezüglich Kosten und Architektur. Beim Stadtsaal war dies anders, da ein Architekturwettbewerb verunmöglicht wurde und konkrete Antworten noch nicht erarbeitet waren. Die Abstimmungen zum Alterszentrum und zum Stadtsaal sind somit nicht vergleichbar.