Schlieren
Der Ingenieurberuf ist im Wandel – auf dem JED-Areal soll seine Zukunft gestaltet werden

Die Bau- und Immobilienbranche steht vor grossen Herausforderungen. In den Räumlichkeiten auf dem Schlieremer JED-Areal soll dieser Entwicklung Rechnung getragen werden.

Sven Hoti
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Ist das der Arbeitsort der Zukunft? Markus Mettler, CEO der Halter AG, führte Unternehmen am Dienstag durch die Räume auf dem Jed-Areal.

Ist das der Arbeitsort der Zukunft? Markus Mettler, CEO der Halter AG, führte Unternehmen am Dienstag durch die Räume auf dem Jed-Areal.

Bild: Sandra Ardizzone

Egal ob die morgendliche Dusche, die Fahrt ins Büro oder die Arbeit am Computer: Ermöglicht werden sie alle durch Ingenieurarbeit. Dank Ingenieurinnen und Ingenieuren funktionieren die Dinge so, wie sie sollten (meist zumindest). Um mehr Licht auf die Bedeutung dieses Berufs zu werfen, haben die beiden Ingenieure Daniel Löhr aus Urdorf und Christian Vils 2018 den Tag der Ingenieurinnen und Ingenieure ins Leben gerufen. Seither fanden jeden 4. März Veranstaltungen mit Vorträgen statt. Auch in diesem Jahr referierten Ingenieurinnen und Ingenieure aus der ganzen Schweiz über ihre Motivation für den Beruf – coronabedingt vor allem online.

Um die Bedeutung des Ingenieurberufs weiss auch Markus Mettler, CEO der Immobilienfirma Halter, die den Tag der Ingenieurinnen und Ingenieure seit Anbeginn finanziell unterstützt. Mettler sieht die Experten in Zukunft als zentrale Treiber des Fortschritts:

«Die Ingenieure werden aus meiner Perspektive in der nächsten Phase der Wirtschaftsentwicklung eine ganz dominante Rolle spielen.»

Dafür müssten künftige Ingenieurinnen und Ingenieure vor allem Kreativität und Selbstbewusstsein mitbringen – Attribute, die nach Mettler im heutigen Bildungssystem zu wenig vermittelt werden: «Mein Vorwurf an den Ingenieurberuf ist, dass man in den letzten Jahren viel zu konform gewesen ist. Die Ausbildungen werden immer normierungs- und regulierungslastiger.» Innovation und neue Ideen gebe es allerdings nur, wenn man aus dem starren Regelgeflecht ausbreche, so Mettler.

Zuspruch erhält Mettler vom Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Der Verwaltungsratspräsident der Bauunternehmung Walo Bertschinger AG Bern mit Mutterhaus in Dietikon – ebenfalls Unterstützerin des Tages der Ingenieurinnen und Ingenieure – wünscht sich, dass der Ingenieurberuf vermehrt auch als kreativer Beruf wahrgenommen wird. So gebe es in diversen Entwicklungsabläufen Raum für kreative Ideen, etwa bei der Gestaltung des Aussehens, der Herstellung oder des Preises eines Produktes. Wasserfallen:

«Diesen Gestaltungsraum sollte man meiner Meinung nach viel mehr ins Zentrum rücken, nicht bloss die sehr technischen Aufgaben.»

Wie der Arbeitsplatz der Zukunft aussehen könnte, der den neuen Anforderungen an die Branche entspricht, wollte Halter-CEO Markus Mettler am vergangenen Dienstag am Beispiel seines Unternehmens zeigen. Anlässlich des Donatoren-Tages zum Tag der Ingenieurinnen und Ingenieure lud er verschiedene Spezialisten der Branche auf einen Rundgang durch den Hauptsitz der Halter AG im Schlieremer JED-Areal ein. Die Immobilienfirma hatte die ehemalige NZZ-Druckerei im Auftrag der Eigentümerin Swiss Prime Site um- und ausgebaut. Ende 2020 bezog sie als Ankermieterin einen Gebäudeteil gemeinsam mit ihren Schwesterfirmen und The Branch, wo auch Drittfirmen Arbeitsplätze buchen können.

Auf einer Fläche von rund 5000 Quadratmetern erstrecken sich die rund 200 Arbeitsplätze der Halter AG in diesem Teil des JED-Areals. Es gibt viel Platz, Pflanzen schmücken die Räume. Als krasser Gegensatz zur modernen Innenausstattung stehen die Wände, deren weisse Farbe abblättert. Ziel sei es gewesen, die DNA der Industrievergangenheit des Gebäudes zu übernehmen, erklärt Mettler beim Rundgang. Gleichzeitig habe man eine warme Atmosphäre schaffen wollen. «Industrial cozyness» nennt sich dieser Einrichtungsstil.

Das Jed-Areal liegt in unmittelbarer Nähe des Schlieremer Bahnhofs.
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Die neuen Arbeitsplätze befinden sich in den Räumlichkeiten der ehemaligen NZZ-Druckerei.
Die Arbeitsplätze sollen den sich ändernden Anforderungen an die Bau- und Immobilienbranche Rechnung tragen.
Teppichboden trifft abblätternde Betonwand: Das Industrielle der einstigen NZZ-Druckerei wurde bewusst beibehalten.
Pflanzen, Sessel und der Holzboden sollen eine wohlige Atmosphäre schaffen.
Neben der Ankermieterin Halter AG können auch Drittfirmen Arbeitsplätze auf dem Jed-Areal buchen.
Der Austausch steht im Vordergrund: Auf dem Areal gibt es diverse Orte und viel Platz für Meetings.

Das Jed-Areal liegt in unmittelbarer Nähe des Schlieremer Bahnhofs.

Bild: Sandra Ardizzone

Im Vordergrund dieser futuristischen Arbeitswelt steht der offene Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitenden und Firmen, die hier per Smartphone Arbeitsplätze für sich reservieren können. Dazu stehen verschiedene Sitzgelegenheiten, Glaskabinen, Big Rooms und nicht zuletzt die breiten Gänge im Gebäude zur Verfügung. Halter-CEO Markus Mettler erklärt: «Know-how ist wichtig, aber kurzfristig aufbaubar. Was uns wirklich differenziert, ist die von den Mitarbeitenden getragene unternehmerische und innovative Unternehmenskultur. Deren Aufbau braucht ein langfristig konsequentes Leben und Vorleben von Werten.»

Christian Wasserfallen zeigte sich nach dem Rundgang beeindruckt ob der Optik der Arbeitsräume. Die Umnutzung des alten Industriegebäudes zu einem Ort, wo man sich «in angenehmer Atmosphäre» trifft, sei «absolut genial», meinte Wasserfallen. Nicolas Durville, CEO des Schlieremer Traditionsunternehmens Zühlke, betrat am Dienstag zum ersten Mal den neuen Trakt auf dem JED-Areal. Zühlke hat den vorderen Hallenbau des JED-Gebäudekomplexes im Mai 2020 bezogen. Man habe sich stark wiedergefunden in den Räumlichkeiten von Halter. Vieles sei ähnlich, sagt Durville. «Es ist eine Philosophie dahinter erkennbar. Das bestärkt uns, dass wir auf einem guten Weg sind.»