Schlieren
Bulldozer versus Schwalben: Grüner Gemeinderat fordert Schutz für Brüter in Abbruchgebäuden

Der Grüne Gemeinderat Dominik Ritzmann pocht auf die Einhaltung der gesetzlichen Pflichten in Sachen Vogelschutz – damit in Schlieren nicht mehr «ohne Rücksichtnahme auf die Brutplätze saniert» wird.

Lukas Elser
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Schwalben sind Gebäudebrüter.

Schwalben sind Gebäudebrüter.

Themenbild: Walter Schwager

Was passiert eigentlich mit den Vogelnestern im Gebälk, wenn unten der Bulldozer alles platt macht? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein aktueller Vorstoss im Schlieremer Parlament.

Vor dem Hintergrund, dass in seiner Stadt viel gebaut und saniert wird, fragt Dominik Ritzmann (Grüne) den Stadtrat in einer Kleinen Anfrage kritisch: «Weshalb führt die Stadt Schlieren kein Gebäudebrüterinventar, obwohl dies vorgeschrieben ist und bereits eine grosse Kolonie verloren ging?»

Und weiter: «Wie wird bis zur Erstellung des Inventars sichergestellt, dass keine Baubewilligungen ausgesprochen werden, welche die Schutzmassnahmen untergraben?» Ritzmann nennt hier zur Illustrierung das Beispiel Schindler-Areal, wo demnächst die alten Blöcke zu Gunsten einer neuen Überbauung abgerissen werden sollen.

Schwalben im Bauernhaus.

Schwalben im Bauernhaus.

Themenbild: Maria Schmid

Schlieren habe während vieler Jahre eine der grössten Mehlschwalbenkolonien des Kantons Zürich beherbergt, schreibt Ritzmann weiter und konstatiert:

«Leider gehört dies der Vergangenheit an, weil ohne Rücksichtnahme auf die Brutplätze saniert wurde.»

Und: «Hätte Schlieren ein entsprechendes Inventar gehabt, hätte der Bauherr rechtzeitig auf die nötigen Massnahmen verpflichtet werden können.» Dem sei aber nicht so gewesen: «Jetzt sind die Brutplätze, ungeachtet ihres Schutzstatus, und somit auch die Schwalbenkolonie weg.» Damit die Vögel in Zukunft besser geschützt sind, fordert Ritzmann darum die Einführung eines Inventars.

Inventar ist eine gesetzliche Pflicht

Die Gesetzeslage sieht folgendermassen aus: Gemäss einem Merkblatt der Baudirektion sind Gemeinden verpflichtet, die Nistplätze von standorttreuen Gebäudebrütern in ein spezielles Inventar aufzunehmen. Damit sollen Vogelarten, die fast ausschliesslich an Gebäuden brüten und sich mit einem Niststandort schwertun, besser geschützt werden. Als Beispiel für solche Arten nennt der Kanton Segler und Schwalben: «Ihre Bestände sind in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken.»

Schwalbennester im Gebälk.

Schwalbennester im Gebälk.

Themenbild: Toni Widmer

Während der Brutzeit gilt für sämtliche Vogelarten ein «absoluter Schutz», heisst es im Dokument weiter. Deshalb sind «störende Eingriffe ins Brutgeschäft verboten». Eine solche Störung könne bereits das Errichten eines Baugerüsts sein. Neben den Tieren selbst sind auch ihre Nester «weitgehend geschützt». Ob ein Umbau durchgeführt werden könne, müsse deshalb im Rahmen einer Interessensabwägung entschieden werden.

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