Schlieren
Mehr Konflikte im Stadthaus führen zu mehr Aufwand – das steckt hinter dem Personalausbau

Der Schlieremer Stadtrat begründet die Schaffung von über vier neuen Stellen in der Stadtverwaltung. Es geht auch um Arbeitszeugnisse.

Lukas Elser
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Die Ausgaben für die Schlieremer Stadtverwaltung steigen.

Die Ausgaben für die Schlieremer Stadtverwaltung steigen.

Virginia Kamm

Die Diskussion um die aus der Sicht der Kritiker aufgeblähte Schlieremer Stadtverwaltung ist noch nicht zu Ende. Nach einem aufreibenden Tauziehen um notwendige und nicht notwendige Staatsausgaben bei der Budgetdebatte zeigen zwei aktuelle Stadtratsbeschlüsse genauer auf, was die Hintergründe zweier Aufstockungen bei der Stadtverwaltung sind.

Das Schlieremer Parlament hat vergangene Woche den Voranschlag 2022 angenommen. In der Debatte wurde der Stadtrat von den Mitte- und Rechtsparteien heftig für seine Ausgabepolitik kritisiert. Um ihn zum Sparen zu zwingen, hat eine Mehrheit des Parlaments die von ihm beantragte Steuerfusserhöhung abgeblockt. So wurde der Steuerfuss an der Schlussabstimmung nicht wie vorgeschlagen um fünf Prozentpunkte erhöht, sondern auf 111 Prozent belassen.

Wie der Stadtrat bereits bei der Budgetdebatte ausführte, sind im Voranschlag einzelne Stellenprozenterhöhungen bei der Verwaltung enthalten. Zwei nun publizierte Stadtratsbeschlüsse zeigen, dass einerseits das Stadtbüro im nächsten Jahr 50 Stellenprozent mehr erhält und andererseits das Ressort Präsidiales um total 390 Prozent aufgestockt wird. Zusammen entspricht das 4,4 zusätzlichen Vollzeitstellen.

Ausgebaut werden unter anderem die Fachstelle Kommunikation sowie der neu geschaffene Bereich Gesellschaft. Der Ausbau dieser Bereiche wurde bereits in früheren Stadtratsbeschlüssen begründet und festgelegt. So wurde etwa entschieden, die Fachstelle Kommunikation auszubauen, um «einen wesentlich grösseren Teil an Menschen zu erreichen».

Neu ist, dass auch der Bereich Personal aufgestockt wird. Begründet wird das so: «Aufgrund des Wachstums der Stadtverwaltung, dem zunehmenden Bedarf an Beratung und Unterstützung der Abteilungen in personalrechtlichen Fragestellungen sowie dem anstehenden Entwicklungsbedarf scheint eine angemessene Erhöhung des Stellenplans als angezeigt und notwendig.»

Arbeitskonflikte haben zugenommen

Der gesamte Stellenplan der Stadt ist seit 2009 von rund 210 Vollzeitstellen auf mittlerweile knapp 300 angewachsen. Dazu schreibt der Stadtrat:

«Durch die Zunahme der Stellen und der Anzahl beschäftigter Personen hat auch die Arbeitslast im Bereich Personal in den letzten Jahren deutlich zugenommen.»

Zudem hätten insbesondere die Anzahl der Krankheitsfälle und der Rechtsverfahren im Zusammenhang mit Arbeitskonflikten, Einwendungen gegen Arbeitszeugnisse sowie Trennungsverfahren zugenommen.

Mit den aktuellen Ressourcen könne «knapp das anfallende Tagesgeschäft bewältigt werden», weshalb andere Tätigkeiten liegen bleiben würden: «Die Tätigkeiten des Bereichs Personal sind aktuell vor allem auf administrative Arbeiten, die Begleitung von arbeitsrechtlichen Konflikten sowie die Begleitung von Krankheitsfällen ausgerichtet und erfolgen grossmehrheitlich reaktiv.»

Die letzte Aufstockung ist erst gerade erfolgt

Es handelt sich nicht um die erste Aufstockungsmassnahme des Stadtrats, die in diesen Tagen mit einem entsprechenden Stadtratsbeschluss genauer erklärt wird. So hatte er erst gerade die Erweiterung der Abteilung Bau und Planung um 90 Stellenprozente beschlossen.

Parlamentarier Markus Weiersmüller (FDP) kritisierte den Stadtrat bereits in der Budgetdebatte für seine Ausgabenpolitik. In einem am Mittwoch erschienenen Leserbrief führte er seine Argumente erneut aus. «Gemäss Budget 2022 werden in 13 Teilbereichen der Stadtverwaltung die Stellenprozente hochgefahren», sagt er zudem auf Anfrage. Beim Bereich Personal seien die Vollzeitstellen von 2,6 auf 4,0, also um die Hälfte angewachsen, sagt er weiter. «Das passt für mich nicht mit der Aussage der Stadträte zusammen, dass gespart wird. Es kann nicht sein, dass die Personalkosten prozentual stärker steigen als die Bevölkerung.»

Der Stadtrat schreibt zum Ausbau des Bereichs Personal unter anderem, dass der entsprechende Stellenplan letztmals 2013 erhöht ­worden sei.

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