Schlieren
25 statt 75 Franken: Warum die Stadt jetzt SBB-Tageskarten zum Billigtarif verkauft

Schnäppchenjäger aufgepasst: In Schlieren gibt es ab sofort Gemeinde-Tageskarten zum Spottpreis. Ermöglicht hat das SP-Gemeinderat Walter Jucker.

Lukas Elser
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Ein Reiseziel könnte zum Beispiel die Jungfrau-Region sein. Wer bis aufs Joch will, muss allerdings noch etwas draufzahlen.

Ein Reiseziel könnte zum Beispiel die Jungfrau-Region sein. Wer bis aufs Joch will, muss allerdings noch etwas draufzahlen.

Bild: Severin Bigler

Eine gute Nachricht für Schlieremer Sparfüchse: Neuerdings bietet die Stadt Schlieren Last-Minute-Tageskarten à 25 Franken an.

Damit werden die Gemeinde-Tageskarten, die ohnehin schon 40 Prozent günstiger sind als diejenigen der SBB, noch günstiger.

Analog zum Last-Minute-Flug nach Santo Domingo kann man nun also auch zum Schnäppchenpreis im Zug nach Genf. Voraussetzung dafür ist eine gewisse Flexibilität. Auf der Website der Stadtverwaltung steht:

«Der Last-Minute Preis gilt ab 12 Uhr am Vortag des Reisetags.»

Sollte die Verwaltung an diesem Tag gerade geschlossen sein, verschiebt sich das Ganze auf den nächstfrüheren Tag.

Ein weiterer Punkt, den man beachten sollte: Die Karten lassen sich weder reservieren noch elektronisch erwerben. Der Käufer muss sie persönlich am Schalter des Stadtbüros abholen.

Städtisches Defizit eindämmen

Die Idee geht auf einen Vorschlag von Gemeinderat Walter Jucker (SP) zurück.

Er hatte ein Postulat eingereicht. Darin forderte er den Stadtrat auf, «SBB-Tageskarten, die kurz vor Gültigkeit nicht verkauft wurden, zu einem verminderten Preis» anzubieten. Und zwar zu den obengenannten Konditionen.

Er begründete den Vorschlag mit einem Defizit in der Rechnung 2020: «Statt des budgetierten Gewinns mit dem Verkauf von SBB-Tageskarten von 6000 Franken musste ein Verlust von 27'455 Franken verbucht werden.»

Der Politiker vermutet, dass das Problem mit Corona zu tun hat. Wie die «Limmattaler Zeitung» und andere Medien berichteten, hatten verschiedene Gemeinden einen Einbruch bei den verkauften Tageskarten während der Pandemie verzeichnet.

Jucker stellt in Aussicht, dass die Stadtkasse durch das Last-Minute-Angebot entlastet werden wird. Auch den Verkaufsaufwand hält er für überschaubar.

Tatendrang beim Stadtrat

Der Stadtrat war von der Idee offenbar derart angetan, dass er sie gleich umgesetzt hat. Er hat die Einführung des neuen Angebots per 1. Juli beschlossen.

Grundsätzlich steht die Stadtregierung aber auch dem herkömmlichen Angebot positiv gegenüber. Die SBB-Tageskarten seien bei der Bevölkerung sehr begehrt, heisst es in der Antwort auf Juckers Postulat:

«In den vergangenen Jahren haben die Einnahmen für die SBB-Tageskarten deren Kaufpreis mindestens gedeckt.»

Und weil das Anliegen des Postulanten damit bereits erfüllt sei, hat der Stadtrat dem Parlament jetzt die Nicht-Entgegennahme des Vorstosses beantragt.

Zufrieden ist auch Gemeinderat Walter Jucker (SP). Überrascht hat ihn die positive Resonanz des Stadtrats allerdings nicht: «Es handelt sich um eine Win-win-Situation: Die Stadt bleibt nicht auf ihren Tageskarten sitzen und die Bevölkerung kann die Karten billiger beziehen.»