Schlieren
Ab Frühling 2022 soll das künftige Eingangstor im Westen der Stadt entstehen

Die Migros-Pensionskasse will beim Kesslerplatz in Schlieren vier neue Gebäude mit 103 Wohnungen erstellen. Inzwischen wurde das Vorprüfungsverfahren ohne Einwendungen abgeschlossen. Als Nächstes wird der Gemeinderat den privaten Gestaltungsplan beraten.

Florian Schmitz
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Das ikonische Hochhaus am Kesslerplatz, das 2019 ins kantonale Denkmalschutzinventar aufgenommen wurde, wird erhalten bleiben. Auf beiden Seiten des Hauses entstehen Neubauten.

Das ikonische Hochhaus am Kesslerplatz, das 2019 ins kantonale Denkmalschutzinventar aufgenommen wurde, wird erhalten bleiben. Auf beiden Seiten des Hauses entstehen Neubauten.

Bild: zvg/Stadt Schlieren

Ab Ende 2022 wird die Limmattalbahn über die Badenerstrasse von Schlieren nach Urdorf und Dietikon fahren. Auch entlang der Bahnstrecke wird sich einiges verändern. Nach seiner Umgestaltung und Aufwertung soll der an die Badenerstrasse grenzende Kesslerplatz zum westlichen Eingangstor Schlierens werden.

Vor gut einem Jahr stellte die Anlagestiftung der Migros-Pensionskasse ihre Umbaupläne vor. Nun ist klar, dass im Frühling oder spätestens Sommer 2022 mit den Bauarbeiten gestartet werden soll, wie die Stadt Schlieren in einer Mitteilung schreibt. «Das ist ein weiterer Meilenstein für die Stadt», sagt Bauvorstand Stefano Kunz (CVP).

Inzwischen konnte das Vorprüfungsverfahren für den privaten Gestaltungsplan der Pensionskasse erfolgreich abgeschlossen werden. Bei der öffentlichen Auflage gingen keine Einwendungen ein. Der Stadtrat ist laut Mitteilung von der städtebaulichen, architektonischen und landschaftsgestalterischen Qualität des Projekts überzeugt und hat den Gestaltungsplan zuhanden des Gemeinderats verabschiedet.

Auf beiden Seiten des Hochhauses wird gebaut

Auf ihrem knapp 11'000 Quadratmeter grossen Grundstück im südwestlichen Bereich des Kesslerplatzes plant die Migros-Pensionskasse vier Neubauten mit insgesamt 103 Wohnungen; 59 davon sollen altersgerecht gebaut werden. Das Anfang der 1960er-Jahre entstandene Kesslerhochhaus, das im Herbst 2019 in das kantonale Denkmalschutzinventar aufgenommen wurde, wird erhalten bleiben. Es soll noch dieses Jahr innen und aussen umfassend saniert werden.

So soll das Hofgebäude, das östlich des Hochhauses gebaut wird und den Kesslerplatz prägen soll, nach der Fertigstellung 2024 aussehen. Auf der anderen Seite des Hochhauses entstehen drei Mehrfamilienhäuser.

So soll das Hofgebäude, das östlich des Hochhauses gebaut wird und den Kesslerplatz prägen soll, nach der Fertigstellung 2024 aussehen. Auf der anderen Seite des Hochhauses entstehen drei Mehrfamilienhäuser.

Visualisierung: zvg

Östlich davon sehen die Planer ein Hofgebäude mit gewerblichen Nutzungen vor, das den Kesslerplatz neu fassen soll. In diesem sind eine Migros-Filiale mit grösserer Verkaufsfläche als heute und eine neue Denner-Filiale geplant. Westlich des Hochhauses sollen drei Mehrfamilienhäuser entstehen.

Nach einer zweijährigen Bauzeit soll der Bezug ab Frühling oder Sommer 2024 starten. Dann werden auf dem Areal rund 200 Wohnungen zur Verfügung stehen, fast doppelt so viele wie bisher. Dafür, dass die Stadt Schlieren der Migros-Pensionskasse erlaubt, so viel dichter zu bauen, hat sie im Gegenzug mit einem städtebaulichen Vertrag diverse Gegenleistungen für sich vereinbart.

Wegen der Grösse und Wichtigkeit des Projekts habe die Stadt ihre Anliegen möglichst gut einbringen wollen, sagt Kunz. Das sei gelungen. Er lobt:

«Die Zusammenarbeit mit der Migros-Pensionskasse war beispielhaft. Wir hatten einen guten Partner, dem wir auf Augenhöhe begegnen konnten.»

Der Vertrag verpflichtet die Pensionskasse unter anderem dazu, nebst den altersgerechten Wohnungen einen Doppelkindergarten, einen multifunktionalen Raum, einen öffentlichen Spielplatz und eine Wertstoffsammelstelle zu erstellen. Bei Bedarf müssen zudem oberirdische Parkplätze für besucherreiche Anlässe in der Aula Reitmen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Stadt habe auch auf eine hochwertige Aussenraumgestaltung geachtet, sagt Kunz.

Landabtausch und zwei Millionen Entschädigung für Kindergarten

Der 1964 erstellte und 2005 ausgebaute Kindergarten am Kesslerplatz wird im Zuge des Neubaus verschwinden. Um auch künftig vor Ort einen Doppelkindergarten betreiben zu können, hat die Stadt mit der Anlagestiftung der Migros-Pensionskasse einen Landabtausch und eine Entschädigung von 2,11 Millionen Franken vereinbart, heisst es in der Mitteilung. In einem der neuen Mehrfamilienhäuser stellt die Pensionskasse Platz für zwei Kindergärten sowie Aussenflächen zur Mitbenützung kostenlos für 30 Jahre zur Verfügung.

Die Migros erstellt die Räume bis zum sogenannten Edelrohbau, der weitere Ausbau erfolgt in Zusammenarbeit mit der Stadt. Die erwarteten Kosten von rund 840'000 Franken sind bereits in der Entschädigung enthalten, welche die Stadt der Pensionskasse entrichtet. Der neue Doppelkindergarten soll im Sommer 2025 bezogen werden.

Nicht zuletzt weil bei der öffentlichen Auflage keine Einwendungen eingingen, blickt Bauvorstand Kunz der Beratung des Geschäfts im Gemeinderat optimistisch entgegen. «Sicher können immer Fragen oder Vorbehalte auftauchen. Aber ich bin überzeugt, dass wir einen guten städtebaulichen Vertrag ausarbeiten konnten», sagt er.

Die Kooperation zwischen der Stadt und der Migros-Pensionskasse hat für Kunz Vorbildcharakter für die Zukunft: «Um die im kantonalen Richtplan vorgesehene innere Verdichtung in Schlieren auf gute Art und Weise umzusetzen, werden Kooperationen mit privaten Immobilieninvestoren und Eigentümern sehr wichtig sein.»