Schlieren
Schindler treibt 92-Millionen-Bauprojekt voran – lange haben die beiden markanten blauen Hochhäuser nicht mehr zu leben

Die Baueingabe für die Erneuerung des Schindler-Areals ist erfolgt. Die alten Türme werden abgerissen, die neuen sollen wieder 34 Meter hoch werden.

Lukas Elser
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Die alten Riesen müssen weg.

Die alten Riesen müssen weg.

Bild: Lukas Elser

Noch stehen die zwei markanten pastellblauen Kolosse gegenüber dem JED-Areal an der Zürcherstrasse in Schlieren. Doch ihre Tage sind gezählt.

Die Schindler Pensionskasse mit Sitz in Ebikon will das auf den Namen des Unternehmens lautende Areal zwischen Allmend-, Zürcher und Schulstrasse nämlich komplett neugestalten. Dafür müssen die Wohntürme aus dem Jahr 1968 wegen statischer Mängel weg. Und mit ihnen auch die umliegenden Häuser, die teils noch älter sind.

Dem Schlieremer Stadtrat zufolge wurden die Wohnungen ursprünglich für die Arbeiter der Wagi-Fabrik gebaut. Hier sollten sie günstig wohnen können.

Die Blocks befinden sich an der Haltestelle Wagonsfabrik, vis-à-vis des JED-Areals.

Die Blocks befinden sich an der Haltestelle Wagonsfabrik, vis-à-vis des JED-Areals.

Bild: Lukas Elser

Insgesamt sollen acht Gebäude abgerissen werden. Nicht vom Projekt betroffen sind die Häuser an der Schulstrasse 25 sowie an der Zürcherstrasse 48 und an der Allmendstrasse 2.

Der mittlerweile rechtsgültige Gestaltungsplan wurde zusammen mit der Stadt Schlieren erarbeitet, das Parlament hat ihm im November 2019 zugestimmt. Als der Gestaltungsplan im Sommer 2018 öffentlich auflag, wurden fünf Eingaben mit fünfzehn Einwendungen bei der Stadtverwaltung eingereicht. Gemäss Stadtratsprotokoll hatte die Schindler Pensionskasse mit den einwendenden Nachbarn das Gespräch gesucht und in der Folge umfangreiche Projektanpassungen in Sachen Abständen und Gebäudehöhen entlang des westlichen Gestaltungsplanperimeters vorgenommen.

Wie es dereinst hier aussehen soll, zeigen die momentan ausgesteckten Baugespanne. Neu wird es nur noch sechs Bauten geben, zwei davon sollen wieder Hochhäuser sein. Seit kurzem liegen Pläne und Baueingabe auf dem Schlieremer Bausekretariat auf. Sie zeigen, dass die Hochhäuser wie die alten je 34 Meter hoch sein werden. Insgesamt erstrecken sie sich über elf Geschosse.

Magerwiesen und Bänkchen

Die umliegenden Gebäude umfassen vier bis fünf Geschosse. Sie sind länger als die bisherigen und rund um die Hochhäuser angeordnet. Zwischen den Bauten soll eine ganze Menge Grünraum mit Verweilmöglichkeiten, Spielplätzen und Treffpunkten für das Quartier entstehen. Falls der Grünraumentwurf tatsächlich so realisiert wird wie in der Baueingabe dokumentiert, werden die Bewohner hier bald Magerwiesen inmitten von Bänkchen und alle möglichen Pflanzen antreffen.

Visualisierung der Schindler-Überbauung.

Visualisierung der Schindler-Überbauung.

Bild: zvg

Die Bauherrin hat sich zudem verpflichtet, dass die beiden Plätze an der Schul- und an der Zürcherstrasse öffentlich zugänglich sind. Eine weitere Auflage der Stadt: Die Pensionskasse muss einen Kindergarten bauen. Er soll sich im südwestlichen Gebäude der neuen Siedlung befinden. Die Stadt darf ihn während 15 Jahren mietzinsfrei nutzen. Gemäss Schindler Pensionskasse muss die Stadt einzig für Heiz- und Betriebskosten aufkommen.

Unter der Siedlung soll eine Tiefgarage entstehen. Gesamthaft sieht das Projekt 178 Parkplätze für Autos und 575 für Velos vor.

63 Prozent mehr Wohnungen

Hauptgrund für das Neubauprojekt ist die Verdichtung. So holt die Bauherrin aus dem 14'258-Quadratmeter grossen Grundstück statt der aktuellen 142 Wohnungen neu 232 Wohnungen heraus. Das entspricht einem Plus von 63 Prozent. Die bauliche Verdichtung entlang der Limmattalbahn ist im Stadtentwicklungskonzept sowie im regionalen und kommunalen Richtplan festgehalten.

Die Wohnungen reichen von Studios bis zur Fünfeinhalbzimmerwohnung. Gemäss städtebaulichem Vertrag müssen 34 davon altersgerechte Wohneinheiten sein. Zudem sollen Gewerbe- und Gastroräume entstehen.

Terminlich ist man gut auf Kurs. Die Baueingabe erfolgte wie geplant Mitte 2021. Gebaut wird in zwei Etappen. Die voraussichtliche Fertigstellung inklusiv Aussenraumgestaltung ist in der Baueingabe mit Dezember 2026 angegeben.

Die Baukosten sind mit 91'919 Millionen Franken veranschlagt. Wie die Limmattaler Zeitung im Frühjahr berichtete, müssen die 142 Mietparteien bis spätestens Ende März 2024 ihr angestammtes Zuhause verlassen. Die Mieter sind darüber bereits informiert worden.

Der Schindler-Block prägte das umliegende Quartier für lange Zeit.

Der Schindler-Block prägte das umliegende Quartier für lange Zeit.

Bild: Lukas Elser

Ein Fragezeichen gibt es allerdings noch. Die Alterswohnungen befinden sich an der lärmigen Zürcherstrasse. Auf Nachfrage sagt Felix Müller, Mediensprecher der Schindler Pensionskasse: «Die Standortwahl der Alterswohnungen erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der Stadt Schlieren.» Zudem wurde mit der Baueingabe ein spezielles Lärmgutachten eingereicht. Ob die Nachfrage nach den Wohnungen gross sein wird, bleibt demnach abzuwarten.

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