Die Gegner eines fussgängerfreundlichen Platzes zwischen den Zentren «Lilie» und «Parkside» machen Druck und fordern den Stadtrat auf, die Planung neu an die Hand zu nehmen. Dies machten der Gewerbeverein, die Detaillistenvereinigung, die IG Rietbach, die Wirtschaftskammer und der örtliche Hauseigentümerverband in einem gestern verschickten Communiqué deutlich. Am kommenden Montag wird das Schlieremer Parlament über ein entsprechende Postulat von FDP-Gemeinderat Andreas Geistlich befinden. Es wurde von Vertretern aller bürgerlichen Parteien mitunterzeichnet.

Stadtrat will attraktives Zentrum

Der Stadtrat möchte das neue Zentrum attraktiver gestalten und setzt deshalb auf einen Platz, der als Begegnungsort dient, und der entsprechend fussgängerfreundlich ist. Um dies zu erreichen, wird nur mehr eine einspurige Strasse das Zentrum passieren. Die Umgestaltungsarbeiten sind mit 8 Millionen Franken veranschlagt. Ein Ziel: Der Verkehr soll auf die nördlich gelegene Bernstrasse verdrängt werden. Das kantonale Tiefbauamt hat deshalb bereits Massnahmen getroffen und die Kapazität der Kantonsstrasse ausgebaut.

Die Gegner dieses Projekts argumentieren, dass das heutige Zentrum primär ein Verkehrsknoten bleibt: hier kreuzten sich zwei Kantonsstrassen und auch die Limmattalbahn soll dereinst Platz finden. Werde die Kapazität der Verkehrsachse nun reduziert, so die Kritiker, dann sei Stau programmiert. Entsprechend polemisch fragen sie: «8 Millionen Franken für einen Verkehrskollaps?»

Kommt der Verkehr in die Quartiere?

Tatsächlich dürfte ein neues Zentrum in einer Anfangsphase zu einem verkehrstechnischen Nadelöhr werden. Das hat eine Studie des Kantons aufgezeigt und wird vom Stadtrat nicht bestritten. Es wird allerdings damit gerechnet, dass sich der Verkehr auf die neue Situation einstellt, und entsprechende Umfahrungsmöglichkeiten – eben die Bernstrasse – suchen wird.

Die Interessenvertreter weisen den Stadtrat nachdrücklich darauf hin, dass die «aktuell relativ gute Verkehrssituation in Schlieren ein Standortvorteil ist, der nicht mit städtebaulichen Experimenten verschlechtert werden darf». Das Limmattal sei eine der am schnellsten wachsende Regionen der Deutschschweiz. Wohnbevölkerung und Betriebe aus Gewerbe und Dienstleistungen könnten sich nur wohlfühlen, wenn der Quell- und Zielverkehr für alle Beteiligten möglichst störungsfrei funktioniert. Der Stadtrat dürfe nicht am Wirtschaftsast sägen, auf dem die Stadt sitze.

Die Gegner argumentieren, dass sich der Verkehr in die Wohnquartiere verlagern könnte. Das würde die Lebensqualität der Schlieremerinnen und Schliermer beeinträchtigen und die Attraktivität der Liegenschaften mindern. Der Gewerbeverein, die Detaillistenvereinigung, die IG Rietbach, die Wirtschaftskammer und der örtliche Hauseigentümerverband werfen dem Stadtrat vor, mit seinem Projekt Kreisel- und Stauschikanen zu errichten, wie sie «im linksgerichteten Zürich teilweise bewusst geplant» würden. Dies müsse das Stadtparlament am Montag verhindern.