Weltumrundung

Schlieremer wagt Weltrekord: Doch zuerst zeigt er sein James Bond-Bike an der «Swiss Moto»

Daniel Bachmann (links) und Roland Bachman mit dem Motorrad «Daytona 1». Mit ihm startet Urs Pedraita im März zur Weltumrundung.

Daniel Bachmann (links) und Roland Bachman mit dem Motorrad «Daytona 1». Mit ihm startet Urs Pedraita im März zur Weltumrundung.

Zwei Brüder aus Schlieren rüsteten einen Töff für ein gewagtes Weltumrundungsprojekt.

Mit dem «Daytona 1» Motorrad will der waghalsige Zürcher Urs Pedraita alias «Grisu Grizzly» im März zu seiner Rekordfahrt aufbrechen wird.

Er hat vor, die Erde auf dem längst möglichen Landweg in weniger als 100 Tagen zu umrunden.

Für alle sechs Kontinente wurde das Wundergefährt gerüstet, alle Klimazonen muss es aushalten können und nicht zuletzt soll es fähig sein, wilde Tiere vom Fahrer fernzuhalten.

Heute werden alle Gadgets der Maschine des Typs «Victory Cross Country Tour» an der Swiss-Motto-Messe endlich enthüllt.

Bis vor wenigen Tagen stand sie noch in der Motorrad-Werkstatt «Roli’s Motostyling» der Schlieremer Gebrüder Roland und Daniel Bachmann, die das Bike in monatelanger Arbeit durch zahlreiche Spezialfunktionen erst richtig rekordtauglich gemacht haben.

Gegen hungrige Wölfe

Urs Pedraita wusste, was sein «Daytona 1» alles können muss. Er ist bereits Halter eines Guiness-Rekords für die schnellste Weltumrundung auf einem Motorrad.

Damals wurde er in Sibirien von einem Rudel Wölfe verfolgt, das ihm bedrohlich nahe kam. «Ich wollte unbedingt eine Signallampe eingebaut haben, deren Licht ein gefährliches Tier erschrecken würde.

Sollte dies keine Wirkung zeigen, so hat Daniel Bachmann das Bike mit Tasern versehen, deren Stromschlag einen hungrigen Wolf bestimmt von mir abhält», sagt der Moto-Fahrer.

«Ich habe für mein Projekt wilde Jungs gesucht. Leute, die der Welt etwas beweisen wollen», sagt Pedraita, der abseits vom Motorrad Bauherrberater ist.

In Roland Bachmann, der sein Geschäft vor neun Jahren als Ein-Mann-Firma eröffnete, und dessen Bruder Daniel, fand der Motorradfahrer die geeigneten Männer.

Die Bachmann-Brüder, die an der Steinwiesenstrasse 1 ihre Garage mit vier Mitarbeitern führen, sind in Bikerkreisen längst kein Geheimtipp mehr.

Neben der Reparatur und dem Verkauf von ausgewählten Marken ist ihre eigentliche Passion die Verwandlung alltäglicher Töffs in exzentrische Unikate.

«Die vielen Stunden, die Daniel und ich als Buben schon an Motorrädern herumgeflickt haben, stellten sich für unsere Firmenpartnerschaft als förderlich heraus», erklärt Roland Bachmann das Erfolgsrezept des Schlieremer Motorradladens.

Auch wenn der Motorradbesitzer bei Massanfertigungen von «Custom Bikes», so der Fachbegriff, etwas tiefer in die Tasche greifen muss, ist die Nachfrage bei Motorradfans gross.

Spezialisten auf ihrem Gebiet

Die Leidenschaft, Motorrädern ein neues Äusseres oder spezielle Fertigkeiten zu verschaffen, erwies sich als gefragtes Nischenangebot: «Grosshändler hätten oft die Zeit gar nicht, spezielle Verkleidungen zusätzlich herzustellen und an den vielen Details zu feilen», erzählt Roland Bachmann. Sie beide hingegen hätten Spass daran, aus Serien-Töffs besondere Einzelstücke zu machen.

In ihrem neunjährigen Werken mauserten sich Roland und Daniel Bachmann zu Top-Spezialisten im Umrüsten von Motorrädern, wobei der Ehrgeiz, auch noch so ungewöhnliche Kundenwünsche erfüllen zu können, sie zu einer der begehrtesten Adressen im Lande gemacht hat.

So war es kein Zufall, dass Rekordjäger Pedraita sein Rekordbike ausgerechnet bei den beiden Schlieremern bauen lassen wollte: «Es gibt nur drei Spezialwerkstätten in der ganzen Schweiz, die ein Bike mit den Ansprüchen wie den meinen hätten bauen können.

Roland und Daniel waren meine erste Wahl.»

Nicht jedes Mal muss es aber ein Gross-Umstyling à la «Daytona 1» sein. Die meisten Kunden hätten bescheidenere Vorstellungen, wollten ihr Motorrad lediglich optisch etwas verändern: «Für eine Kundin haben wir einst eine Verkleidung mit Swarovski-Steinen versehen, eine andere wollte ihren Töff pinkfarben gespritzt haben», erinnert sich der Geschäftsführer.

Der Klassiker schlechthin bliebe jedoch das Totenkopf-Motiv, von dem Daniel Bachmann als Airbrush-Künstler des Teams unzählige Variationen im Repertoire hat.

Jährlich ändernde Trends sind gemäss Roland Bachmann im Motostyling klar erkennbar. Im einen Jahr würden die Biker den Retro-Look bevorzugen, im nächsten Jahr führte eine Chromverkleidung die Rangliste an und im darauffolgenden eine schlichte schwarze Oberfläche.

Manche würden gar ihr einst neu verkleidetes Motorrad erneut in die Garage bringen, wenn der Trend umgeschlagen habe. Der gute Ruf der Schlieremer Motostyler ist in der Motoszene längst verankert, weshalb sie in ihrer Garage Kunden aus der ganzen Schweiz empfangen.

Trotz allem bleibt der Gründer bescheiden: «Ich staune immer noch jedes Mal, wenn Leute aus entfernten Ecken der Schweiz uns anrufen, um ihr Bike ausgerechnet in Schlieren umstylen zu lassen.»

Grossprojekte anvertraut

Auch Hersteller von Motorrad-Einzelteilen haben für Werbezwecke schon Themenbikes bei den Brüdern Bachmann in Auftrag gegeben.

«Die Firmen geben uns Rahmenvorgaben und lassen uns dann bei der Ausführung ziemlich freie Hand. Regelmässig lassen wir den Auftraggeber das Zwischenergebnis sichten, um sicher zu gehen, dass wir noch auf seiner Linie sind», so Roland Bachmann.

Genauso wurde beim «Daytona 1»-Bike verfahren, wenn auch deutlich intensiver: «Urs Pedraita erklärte uns, wo seine Route durchführen würde, welche Temperaturen das Bike aushalten müsse und für welche Gefahren er gerüstet sein wollte», sagt Roland Bachmann.

Expertenteam für den Supertöff

Bruder Daniel nahm sich des Projekts an und tüftelte zusammen mit dem Weltumrunder und dessen Team aus Sicherheitsexperten, Informatikern und Physiotherapeuten über drei Monate täglich am Rekord-Töff.

Bis auf den Motor wurde das Motorrad komplett zerlegt, bevor es zum ultimativen Überlebens-Mobil zusammengebaut wurde, das auch gegen Aggressoren in menschlicher Form gerüstet ist.

Dazu wurde «Daytona 1» mit 28 chinesischen Metalldreiecken von je 4cm Stärke ausgestattet, die im Notfall auf die Pneus von Verfolgern gespuckt werden können.

Betreffend Ästethik vertraute Pedraita ganz auf Daniel Bachmanns künstlerische Ader. «Wir sind sehr stolz, dass wir praktisch alle seine Wünsche umsetzen konnten», sagt Roland Bachmann.

Mit «Daytona 1» trägt das Motorrad von Projekt-Sponsor «Victory USA» den Namen der Stadt Daytona im amerikanischen Florida, dem Austragungsort wichtiger Motorradrennen und Conventions und Ausgangsort der Weltumrundung.

Wegen der aussergewöhnlichen Verteidigungs-Fertigkeiten, die von den Bachmann-Brüdern eingebaut wurden, hat Pedraita dem Bike übrigens einen passenden Übernamen verpasst: James Bond.

Der Rekordversuch der Weltumrundung von Urs «Grisu Grizzly» Pedraita kann ab 11. März via App und im Internet verfolgt werden.

«Roli’s Motostyling» hat an der «Swiss Moto» die heute in Zürich statt findet einen Stand, bei dem das Motorrad bestaunt werden kann.

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