Bezirksgericht

Schlieremer Tempo-Sünder zu 7,5 Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt

Hier auf der Bernstrasse in Schlieren auf Höhe der Gasometerstrasse fuhr der Mann mit 119 km/h in Fahrtrichtung Zürich.

Hier auf der Bernstrasse in Schlieren auf Höhe der Gasometerstrasse fuhr der Mann mit 119 km/h in Fahrtrichtung Zürich.

Ein Motorradfahrer, der ein Auto zu schnell überholte, stand vor dem Dietiker Bezirksgericht. Er ging der Polizei vor einem Jahr ins Netz – mit 59 Kilometern pro Stunde zu viel auf dem Tacho.

An einem Donnerstag im Oktober letzten Jahres, kurz vor Mittag, war auf der Bernstrasse in Schlieren ein Motorradfahrer einer Polizeikontrolle ins Netz gegangen. Der Zweiradlenker war im 60-km/h-Bereich mit netto 59 km/h zu viel unterwegs.

Die Staatsanwältin hatte den 31-Jährigen der mehrfachen groben sowie der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln angeklagt: Der Beschuldigte sei so massiv zu schnell gefahren, um rechtzeitig wieder einbiegen zu können, nachdem er ein Auto sowohl mit viel zu geringem seitlichem Abstand als auch trotz Gegenverkehr überholt hatte. Dafür sei der junge Mann zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten zu verurteilen, bedingt erlassen mit einer dreijährigen Probezeit, sowie zu 3000 Franken Busse.

Vor Einzelrichter Bruno Amacker erschien, in Begleitung eines Anwalts, ein grossgewachsener junger Mann mit kurz geschnittenem Haar, Mammut-Jacke und -Rucksack im Bezirksgericht Dietikon. Auf die Frage des Richters, ob er die ihm zur Last gelegten Straftatbestände gestehe, verneinte der Beschuldigte. Zwar müsse es wohl so sein, dass er während des Überholmanövers kurzzeitig zu schnell fuhr, «doch der seitliche Abstand war ausreichend gross, um niemanden zu gefährden.» Wie gross? «Sie betrug mindestens eine Armlänge.» Zudem habe es zu dem Zeitpunkt absolut keinen Gegenverkehr gehabt. «Ich empfinde mich nicht als Fahrer, der Risiken eingeht. Schliesslich gefährde ich als Motorradfahrer mich selbst am meisten.» Warum er denn das Auto überhaupt überholt habe? «Ich hatte Arbeitsstress, war zu spät dran.» Er fahre seit gut zwei Jahren Motorrad und sei bis dahin nie zu schnell gefahren.

Kein entgegenkommendes Fahrzeug

In seinem Plädoyer betonte der Verteidiger, sein Mandant habe sich nicht der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gemacht, sondern mit der Geschwindigkeitsübertretung lediglich einer einfachen. Von den weiteren Anklagepunkten sei er freizusprechen. Einerseits sei in dem Polizeivideo die Sicht auf den seitlichen Abstand zum überholten Auto sehr eingeschränkt, sodass der Beschuldigte nach dem Grundsatz in dubio pro reo in diesem Punkt freigesprochen werden müsse. «Was den Gegenverkehr betrifft, so ist auf dem Video weit und breit kein weiteres Fahrzeug sichtbar.» Ebenfalls könne von einer «nicht übersichtlichen Situation», wie die Anklage unterstellt, nicht die Rede sein, sei die Bernstrasse doch eine breite und an der Stelle, schnurgerade Strasse. Drei Monate Freiheitsstrafe, bedingt auf zwei Jahre und 1000 Franken Busse seien angemessen.

Richter bemängelt Anklage

Richter Amacker bemängelte in seiner Urteilsfindung die Anklage: Die darin erhaltene Formulierung, der Motorradfahrer sei «nur wenig rechts von der Sicherheitslinie und somit mit viel zu geringem Abstand zum überholten Fahrzeug an diesem vorbeigefahren», sei eine Würdigung, aber keine objektive Tatsache. Die Staatsanwältin hätte — analog zur Tempoüberschreitung von 59 km/h — den Abstand in Zentimetern beziffern müssen. Da das Manöver weder auf dem Video noch auf Fotos genau zu sehen sei, müsse, so der Richter, auf die Aussage des Beschuldigten abgestellt werden: «Und eine gute Armlänge war ausreichend.»

Zudem stehe in der Anklageschrift «trotz Gegenverkehr», obwohl auf dem Video tatsächlich «keine Spur von entgegen kommenden Fahrzeugen auszumachen ist. Auch hier fehlt also die objektive Tatsache, was, wie vom Anwalt gefordert, in zwei Punkten zu einem Freispruch führt», so der Richter.

Richter Bruno Amacker verurteilte den 31-Jährigen zu siebeneinhalb Monaten Freiheitsstrafe, bedingt auf drei Jahre. «Hätten Sie nur einen km/h mehr auf dem Tacho gehabt, hätte die Mindeststrafe ein Jahr betragen.» Der Verurteilte müsse sich bewusst sein, so der Richter, dass die Staatsanwältin den Entscheid anfechten könne. Die Gerichts- und Verfahrenskosten in Höhe von 2600 Franken werden dem Verurteilten auferlegt.

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