Rolf Wegmüller ist erzürnt. Nicht nur hält er das Bauprojekt für den Schlieremer Zentrumsplatz für misslungen und zu teuer, auch sei es nur zu dessen Ausarbeitung gekommen, weil ein Parlamentarier bei der Abstimmung zum Planungskredit geschlafen habe, so Wegmüller.

Doch von vorne: Im Juli vergangenen Jahres wurde im Parlament hart diskutiert, ob ein Ausarbeitungskredit in der Höhe von knapp 800 000 Franken für die Planung des Schlieremer Zentrums gesprochen werden sollte. Das Vorprojekt sah vor, einen neuen Stadtplatz mit Flügeldach und Sitzgelegenheiten zu schaffen. Am Ende hätte die Entscheidung knapper nicht ausfallen können. 15 zu 14 Gemeinderatsmitglieder sprachen sich dafür aus, dass die Planung in Angriff genommen werden kann. «Eigentlich wäre das Resultat aber andersrum gewesen», behauptet Rolf Wegmüller (CVP) nun. Der CVP/EVP-Fraktionspräsident hatte damals das Parlamentspräsidium inne und leitete die Sitzung. «Im Anschluss kam ein Gemeinderat zu mir und gestand, dass er aus Versehen falsch abgestimmt habe», so Wegmüller und ergänzt: «Hätte er nicht geschlafen und so gestimmt wie seine Fraktion, dann wäre es nicht zu diesem Projekt gekommen.» Weder Namen noch Fraktionszugehörigkeit will Wegmüller bekannt geben.

«Es wird Steuergeld verlocht»

Am letzten Donnerstag dann präsentierte der Stadtrat in einer Weisung das ausgearbeitete Projekt. Bis auf wenige Änderungen enthält es die gleiche Stossrichtung wie das Vorprojekt. Der beantragte Kredit beläuft sich auf 8 Millionen Franken. Laut Zeitplan der Exekutive soll sich der Gemeinderat Mitte Dezember mit dem Projekt befassen, im kommenden Februar soll es an die Urne kommen. Nun, nach der Präsentation der Pläne fürs Zentrum wurden Wegmüller die Konsequenzen des Fehlers seines Gemeinderatskollegen erst richtig bewusst: «Hier wurde Steuergeld verlocht.»

Doch auch dem definitiven Entwurf für das Zentrum Schlierens kann Wegmüller nicht viel Positives abgewinnen. «Die Kosten von 8 Millionen Franken sind schlichtweg zu hoch», sagt er. Die stetigen Ausgaben würden die Stadt irgendwann finanziell schmerzen.

Auch die Gestaltung mit dem «sinnlosen» Dach und dem «schwachsinnigen» Nebelbrunnen überzeuge ihn nicht. «Ich verstehe nicht, warum man alles zubetonieren muss.» Wegmüller vergleicht den geplanten Schlieremer Stadtplatz mit dem Zürcher Albisriederplatz: «Dort hält sich niemand gerne auf.»

SP/Grüne stehen hinter Projekt

Aus den anderen Fraktionen sind deutlich wohlgesinntere Töne zu hören. Für SP/Grüne-Fraktionspräsident Walter Jucker steht fest, dass im Zentrum etwas passieren muss. «Unsere Fraktion steht hinter der Neugestaltung des Zentrums», sagt er. Bedenken habe er einzig zum sportlichen Zeitplan des Stadtrates, der das Gemeindeparlament bereits Mitte Dezember darüber befinden lassen will. «Dabei spielt es eine grosse Rolle, wie viele Fragen die beratende Kommission und das Parlament zum Projekt haben».

Auch Lucas Arnet, FDP-Fraktionspräsident, steht hinter dem Schlieremer Zentrum: «Dass bei dessen Gestaltung die Meinungen auseinandergehen, ist klar.» Die Kosten für das Projekt würden aber auch in seiner Fraktion sicherlich kritisch beäugt. Für Gaby Niederer, Präsidentin der QV-Fraktion, ist diese Vorlage interessant und wegweisend. «Es ist sicherlich eine gute Gelegenheit, Schlieren zu dem Zentrum zu verhelfen, das es verdient», sagt sie. Doch wolle Niederer nicht den Kommissionen vorgreifen: «Diese werden das Projekt noch auf Herz und Nieren prüfen.»

Für die SVP-Fraktion ist es noch zu früh für eine Einschätzung. Präsident Beat Kilchenmann will sich erst in die Unterlagen einlesen. Er verweist jedoch darauf, dass die Zahl von acht Millionen auf den ersten Blick durchaus schockiert: «Nun muss man aber erst abklären, was man für dieses Geld denn überhaupt bekommt.»