Gegen den Schlieremer Stadtsaal war niemand. Zumindest haben sich keine Gegner in der Öffentlichkeit gezeigt. Das Parlament war sogar deutlich dafür. Dennoch ist die Vorlage an der Urne wuchtig verworfen worden. Warum?

Wollten die Stimmbürgerinnen und -bürger das Unterfangen bereits im Keim ersticken, bevor überhaupt ein konkretes Projekt für einen Saal vorlag? Zur Abstimmung stand nämlich erst die Freigabe eines Kredits für einen Architekturwettbewerb. Oder hat gerade dieses Vorgehen dem Projekt geschadet? Kam das Thema Stadtsaal nämlich verfrüht vors Volk, bevor die vielen offenen Fragen wie konkrete Finanzierung oder Ausgestattung des künftigen Saals geklärt waren? Vielleicht lag gerade dies — wie böse Zungen behaupten — im Kalkül der 13 Parlamentarier, welche diese Abstimmung mittels Behördenreferendum erwirkt hatten? Ganz gegen die Absicht des Stadtrats, der einen andern Fahrplan im Auge hatte?

Fakt ist: Schlieren ist nicht die einzige Stadt in der Agglomeration, die über keinen eigenen Saal verfügt. Viele — auch grössere — scheitern mit der Idee mehrmals an der Urne, wie das Beispiel Dübendorf zeigt. Fakt ist aber auch, dass es unschön ist, wenn eine Stadt wie Schlieren mit 18'500 Einwohnern auf die 200 Plätze eines Singsaals oder einer Aula ausweichen muss.

Zur Stadtentwicklung gehören schliesslich mehr als nur Strassen und Wohnblöcke, Shoppingzentren oder ein gutes öV-Netz. Es braucht auch einen Ort, wo man sich treffen kann. Wo das Stadtleben stattfindet. Eben — ein Herz, das mittendrin pulsiert. Von daher hat Schlieren gestern mehr als nur eine Abstimmung verloren.