Schlieren

Schlieremer Stadtrat will kein eigenes Mandatszentrum

«Ginge es um Millionäre, wäre der Stadtrat sicherlich bereit, zu agieren.» – Heidemarie Busch, CVP-Gemeinderätin.

«Ginge es um Millionäre, wäre der Stadtrat sicherlich bereit, zu agieren.» – Heidemarie Busch, CVP-Gemeinderätin.

Klienten sollen durch das Mandatszentrum Unterengstringen betreut werden. Der Schlieremer Stadtrat nimmt eine Motion nicht an, die ein eigenes Mandatszentrum im Erwachsenenschutzrecht forderte.

Es soll dabei bleiben: Das Mandatszentrum Unterengstringen, wo derzeit 81 Schlieremer Klienten betreut werden, soll auch weiterhin mit dem Erwachsenenschutz betraut werden. Dies geht aus einem Stadtratsbeschluss bezüglich der Motion von Gemeinderätin Heidemarie Busch (CVP) hervor. Darin forderte sie die Kündigung des Anschlussvertrages und die Schaffung eines eigenen Zentrums.

Erst Mitte November wurde die Mandatsführung im Erwachsenenschutzrecht im Schlieremer Parlament zuletzt diskutiert. Damals segneten die Gemeinderäte den Anschlussvertrag mit der Nachbargemeinde wie auch den dazugehörigen Kredit in der Höhe von 1,3 Millionen Franken mit einem Glanzresultat von 25 zu einer Stimme ab. Dem ging jedoch eine rege Diskussion voraus. Dies unter anderem, weil die Gemeinde Unterengstringen die Kosten pro Fall von 4500 auf 4850 Franken erhöhte, was einen neuen Vertrag per Anfang 2017 notwendig machte. In seinem Antrag verwies der Stadtrat einerseits auf die positive Bewertung der Zusammenarbeit in einem externen Bericht und andererseits darauf, dass die Kostenerhöhung nachvollziehbar sei. Doch wurde in der Parlamentsdebatte die Kurzfristigkeit des Antrags kritisiert, zumal bei einer Ablehnung innerhalb von wenigen Wochen ein eigenes Mandatszentrum aus dem Boden hätte gestampft werden müssen. Dass das Parlament erneut unter Zeitdruck entscheiden muss, wollten Busch und neun Mitunterzeichner verhindern und reichten Mitte Dezember vergangenen Jahres die besagte Motion ein. Der Grundtenor: Schlieren soll seine Mandatsführung nicht auslagern, sonder selber in die Hand nehmen.

Standort ist nicht entscheidend

Anlässlich dieses Vorstosses erhob die Stadt Angaben zur Lebenssituation der Klienten, wie es im Stadtratsbeschluss heisst. Dabei kommt zutage, dass von den 81 von Unterengstringen aus betreuten Klienten 39 in externen, stationären Einrichtungen und 38 in Wohnungen oder Zimmern in Schlieren leben. Neben zwei Personen, die ausserhalb von Schlieren wohnen, ist je eine weitere im Gefängnis und eine obdachlos. Weiter wurden die Klientenkontakte im Detail aufgeführt. Davon finden lediglich 25 Prozent im Büro in Unterengstringen statt. Die restlichen 75 Prozent der Termine werden in Wohnungen oder Zimmern in Schlieren oder in Institutionen ausserhalb Schlierens abgehalten. «Somit ist klar, dass Hausbesuche und Besuche in Institutionen klar im Vordergrund stehen und der Standort der Berufsbeistandschaft nicht entscheidend für eine gute Dienstleistungsqualität ist», schreibt der Stadtrat. Dies auch, weil die Wegstrecke nach Unterengstringen kurz und unkompliziert zu bewältigen sei.

Auflösung ergebe keinen Sinn

Auch aus finanzieller Sicht bringe der Anschlussvertrag Vorteile. Für die drei Jahre, in denen der Vertrag läuft, könne Schlieren mit einer Ersparnis von zwischen 100 000 und 140 000 Franken rechnen. Vergleichswert ist hierbei der Bericht zu den Vollkosten einer Lösung in Schlieren aus dem Jahr 2014. Eine Auflösung der Zusammenarbeitsvereinbarung ergebe wegen der finanziellen Vorteile und der positiven fachlichen Entwicklung also keinen Sinn, begründet der Stadtrat die Nichtentgegennahme der Motion.

Für Heidemarie Busch ist es noch zu früh für eine detaillierte Stellungnahme zum Stadtratsentscheid: «Begeistert bin ich aber nicht», sagt sie auf Anfrage. Nach der Parlamentsdebatte von November sei sie vonseiten des Stadtrates zu einer Motion ermutigt worden. «Und nun will er sie nicht mal entgegennehmen.» Vom Argument, dass lediglich 25 Prozent der Klienten nach Unterengstringen reisen müssen, hält Busch nicht viel. «Auch diese 25 Prozent sind Schlieremer, denen wir hier ein Angebot schaffen müssten. Ginge es um Millionäre, wäre der Stadtrat sicherlich bereit, zu agieren.»

Dass der Stadtrat seine Position ändert, ist unwahrscheinlich. So schreibt er, dass von der Abteilung Soziales angestrebt werde, die Zusammenarbeit auf andere Gemeinden auszudehnen. Rasch werde dies aber nicht geschehen, da die Gemeinden des Limmattals bereits Zusammenarbeitsverträge eingegangen seien. Der Vertrag zwischen Schlieren und Unterengstringen läuft bis Ende 2019. «Wie die Situation dann aussehen wird, ist aber offen.»

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